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Full text of "Germanistische Abhandlungen"

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I 



Bermanistische Abhandlungen 



begründet 

von 

Karl Weinhold 

herausgegeben 

von 



XV. Heft, 



Der üebepgang 
vom Mittelhoehdeutsehen zum Neuhoehdeutsehen 

in der Sprache der Breslauer Kanzlei 



Bruno Arndt. 



Breslau. 
Verlag von M. & H. Marcus. 

1898. 



Der 



Übergang vom MittelhoeMeutselien zum 
Neuhoehdeutsehen 

in der Sprache der Breslauer Kanzlei 



von 



Bruno Arndt. 



*#^ 



Breslau. 
Verlag von M. & H. Marcus. 

1898. 



FD 

AS 

H^^t 16' 



Vorwort. 



Die nachfolgenden Untersuchungen über die Entwicklung 
der Breslauer Kanzleisprache vom Mittelhochdeutschen zum Neu- 
hochdeutschen entstanden 1896/7 und wurden nach Ostern 1897 
von der Breslauer philosophischen Fakultät als Inaugural- 
Dissertation genehmigt. Als solche erschien separat gedruckt 
der Abschnitt, der den Vokalismus behandelt (Breslau 1897 bei 
M. & H. Marcus). 

Die Anregung zu diesen Untersuchungen gab mir Herr 
Prof. Dr. Vogt, dessen Ratschläge mir bei der Abfassung der- 
selben vorzüglich von Nutzen waren, und dem ich auch meinen 
besonderen Dank für die liebenswürdige Nachsicht ausspreche, 
mit der er mir beim Druck dieser Arbeit hilfreich zur Seite stand. 

Ausserdem danke ich Herrn Dr. Wendt, Kustos an der 
Breslauer Stadtbibliothek, für die schätzenswerten Winke, die 
er mir anlässlich der Benutzung des Handschriftenmaterials zu 
teil werden Hess, sowie Herrn Geh. Rat Prof. Dr. Grünbagen, 
der mir für das Kapitel »Wortschatz« erwünschte Nachweise 
aus den handschriftlichen Wortregistern des Königl. Staats- 
archivs zu Breslau zukommen Hess. 

Ich hoffe, dass meine Arbeit nicht ohne allen Wert für die 
Kenntnis der Entwicklung der nhd. Sprache überhaupt sein 
wird, insofern sie manche Schlaglichter auf das Gesamtbild 
dieser Entwicklung fallen lässt. 

Breslau 1898. 

Bruno Arndt. 



Berichtigungen. 



S. 1, Z. 9 u. 5 V. u. 1. Thime st. Thune. 

S. 34, Z. 4 V. 0. 1. au st. an. 

S. 57, Z. 13 V. 0. 1. marggrafen (2) st. margrafen (2). 

S. 69, Z. 12 V. u. 1. iczunt st. iczundt. 

S. 71, Z. 11 V. 0. 1. dreisig st. dreissig. 

S. 82, Z." 13 V. 0. 1. umb st. umbe. 

S. 94, Z. 3 V. 0. 1. fromen st. formen. 



Im Folgenden handelt es sich um eine Untersuchang des 
Überganges der Breslauer Kanzleisprache von den md. Dialekt- 
formen aus zu der nhd. Schriftsprache. Diese Entwicklung in 
ihren einzelnen Phasen festzustellen, ist der Zweck dieser 
Arbeit. 

Die Quellen, die ich für die Untersuchung benutzt habe, 
sind Handschriften aus der Zeit von 1352 — 1560. Sie gliedern 
sich nach Zeit und Charakter in 4 Gruppen: A, B, C, D. 

Unter A sind 2 Urkunden aus den Jahren 1352, 1359 zu- 
sammengefasst. 

Sie sind dem Copialbuch (Breslauer Stadtarchiv D 2) ent- 
nommen, das um die Mitte des 14. Jahrhunderts in Breslau 
entstand. Es enthält Originalurkunden und deutsche Über- 
setzungen von lateinischen Texten, wobei die deutschen und 
lateinischen Texte nebeneinander gestellt sind. Das Copialbuch 
ist eine Pergamenthandschrift und zeichnet sich im Gegensatz 
zu den Signaturbüchern durch saubere, schöne Schrift aus. 

Unter B sind zusammengefasst die streng md. Urkunden 
des Thune von Coldicz und der Breslauer Signaturbücher aus 
den Jahren 1389 — 1447, wie sie von Stobbe in der Zeitschrift 
für Geschichte und Altertum Schlesiens Bd. VI — X heraus- 
gegeben sind. 

Die Urkunde des Thune von Coldicz, houptman von Breslaw 
(Breslauer Stadtarchiv N 27 b — h [M 9 c^]), stammt aus dem 
Jahre 1370. Über die Signaturbücher vgl. die einleitenden Be- 
merkungen Stobbes in der Zeitschr. f. Gesch. u. Alt. Schles. B. Vf. 
S. 335 ff. 

Arndt; Entwicklung der Breslauer Kanzleisprache. 1 



Der Text, den Stobbe in jenen Bänden von historischen 
Gesichtspunkten aus veröffentlicht hat, ist jedoch, wie aus einer 
Vergleichung mit den Handschriften (Breslauer Stadtarchiv G 5) 
hervorgeht, für eine sprachliche Untersuchung sehr fehlerhaft 
wiedergegeben. Ich habe daher nicht den Stobbeschen Text, 
sondern die entsprechenden handschriftlichen Originale untersucht. 

Es erscheint verlockend, die Entwicklung während des Zeit- 
raumes 1389 — 1447 nach den einzelnen Stadtschreibern zu ver- 
folgen, die jene Urkunden geschrieben haben, zumal da der 
weiteren Untersuchung Eschenloers Urkunden vorgelegen haben. 

Dieser Gesichtspunkt lässt sich aber nicht festhalten. 

Wie aus der Abhandlung von Alwin Schulz: Die Breslauer 
Stadtschreiber im 14. und 15. Jahrhdt. (Zeitschr. d. V. f. Gesch. 
u. Alt. Schles. B. X, S. 158 ff.) hervorgeht, sind stets zwei Stadt- 
schreiber angestellt gewesen. Ausserdem aber folgten sich die 
einzelnen Schreiber im Amte nicht so, dass der Nachfolger erst 
beim Tode bezw. Amtsaustritt des Ersten eintrat, sondern die 
Thätigkeit des einen griff in die des andern über. 

Um dies deutlich zu machen, will ich im Folgenden die 
Parallelreihen der Stadtschreiber nebeneinander stellen. 

Die eine Reihe wird ausgefüllt von Paul Lynke 1384 bis 
1489 und Jacobus Haselberg 1408—1463. 

Die zweite Reihe bilden Erasmus 1370—1391. Von 1391 
bis 1400 ist eine Lücke, während der Lynke allein angestellt 
gewesen sein mag. 

Sodann Nicolaus Hubener 1400—1409. 
Jacob Haselberg 1412—1427. 
Peter 1417—1424. 
Johannes Lozak 1422—1437. 
Vincencius Bela 1424—1433. 
Peter Heger 1431—1453. 

Diese Parallelreihen erklären daher die Unmöglichkeit, die 
einzelnen Texte nach den Autoren zu sichten. In den Hand- 
schriften stehen auch unvermittelt nebeneinander Texte von 
verschiedener Hand, und wir haben keinen Anhalt dafür, wem 
der eine, wem der andre zuzuweisen ist. Auch handelt es sich 
ja bei unserer Untersuchung nicht darum, die Sprache der 
einzelnen Schreiber, jede für sich, zu betrachten, sondern es soll 



ein Bild der Entwicklung der Breslauer Kanzleisprache im 
grossen und ganzen gegeben werden. Auf etwaige fremde Ein- 
flüsse, die ihren Grund in der Herkunft der Stadtschreiber 
haben können, habe ich, soweit sie überhaupt mit Sicherheit 
sich nachweisen lassen, in der Untersuchung selbst aufmerksam 
gemacht. 

Als nächste Etappe der Entwicklung wurden Eschenloers 
Urkunden untersucht, soweit sie in den Script, rer. Silesiac. 
B. XII von Dr. Kronthaler und Dr. Wendt veröffentlicht sind. 
Sie führen in unsrer Untersuchung den Buchstaben C und um- 
fassen die Jahre 1470—1477, stammen also aus der letzten 
Zeit von Esch. Thätigkeit und geben darum ein festes, ab- 
geschlossenes Bild seiner Schreibweise. 

Eschenloer selbst ist zwar Nürnberger Kind, ist aber schon 
in seiner Jugend nach Schlesien gekommen. Sein Vater Nikolaus 
Hess sich in Görlitz nieder; Peter, der zweite Sohn, erhielt eine 
gelehrte Erziehung, erwarb die Magisterwürde und wurde wahr- 
scheinlich 1453 Rektor der Görlitzer Stadtschule. 

1455 übernahm er an Stelle des verstorbenen Peter Heger 
das Amt eines Stadtschreibers zu Breslau, das er bis 1481 
inne hatte. 

Über Esch. Leben und Thätigkeit vgl. A. Schultz: Einige 
biograph. Nachrichten über den Breslauer Stadtschreiber Peter 
Eschenloer (Zeitschr. d. V. f. Gesch. u. Alt. Schles. B. V, S. 57 ff.) 

— ganz besonders aber die Einleitung zu der Historia Wratis- 
laviensis von Magister Peter Eschenloer, herausgegeben von 
Dr. H. Markgraf in Script, rer Silesiac. B. V, Breslau 1872. 

Esch. Sprache ist die der Breslauer Kanzlei. Die Unter- 
suchung zeigt, dass sie sich ohne weitere Besonderheiten in die 
sprachliche Entwicklung glatt einordnet. 

Aus der Zeit nach Esch. sind die Signaturbücher nicht aus 
allen Jahren erhalten. Es 'fehlen die Jahre 1480—1489 und 
1495 — 1500. Der sprachlichen Untersuchung wurden daher unter 
dem Buchstaben D zu Grunde gelegt die Handschriften aus den 
Jahren 1490, 1494, 1507, 1510, 1515, 1520, 1524, 1530, 1534, 
1540, 1545, 1550, 1555, 1560. — Stadtschreiber aus dieser 
Zeit sind: Gregorius Morenberg 1494 — 1518. — S. Prüffer 1508. 

— Laurentius Corvinus f 1528. — Vipertus Schwab 1526. — 

1* 



Mathias Strobitz 1528; f 1532. — Johannes Scharf 1530; f 1552. 
— Franciscus Faber 1542; f 1565. — Valentin Nitius 1552. 
^ Vgl. cod. dipl. Siles. B. XI, S. 254. 

Im übrigen gilt für die Signaturbücher D dasselbe wie für 
B. Auch in D stehen Texte von verschiedener Hand neben- 
einander. Eine Einteilung nach Stadtschreibern ist auch hier 
unmöglich. Mit dem Jahre 1560 schliesst die Untersuchung, da 
von der Mitte des 16. Jahrhdts. an die Entwicklung so weit 
vorgeschritten ist, dass die nhd. Sprachstufe in allen wesent- 
lichen Erscheinungen erreicht ist. 



Litteratup. 

1. J. Aufrecht und A. Kuhn: Zeitschrift für vergleichende 
Sprachforschung etc. B. I, IL Berlin 1852. 

2. K. V. Bahder: Grundlagen des nhd. Lautsystems. Strass- 
burg 1890. 

3. Burdach: Vom Mittelalter Z.Reformation. HeftL Halle 1893. 

4. P. Drechsler: Wencel Scherffer und die Sprache der 
Schlesier. (Germ. Abb. XI). Breslau 1895. (Drechsl.) 

5. F. Frangk: Ein Kantzley || und Titelbüchlin | da |j rinnen 
gelernt wird | wie man || Sendebriefe förmlich schrei || ben | 
und einem jdlichen || seinen geburlichen Ti || tel geben sal. || 
Orthographia || deutsch | Lernt recht || buchstäbig schreiben || 
durch M. Fabian || Frangken. 

Herausgegeben in den »Quellenschriften zur Geschichte des 
deutschsprachlichen Unterrichts bis zur Mitte des 16. Jhdts.« 
von Johannes Müller. Gotha 1882. 

6. J. u. W. Grimm: Deutsches Wörterbuch. 

7. C. Grtinhagen: Zeitschrift des Vereins für Geschichte und 
Altertum Schlesiens, B. V— X. Breslau 1862—1869. 

8. V. d. Hagen: Germania IX. 153 — 70: E. Förstemann: 
Die nd. Mundart von Danzig. 

9. M. Lexer: Mhd. Handwörterbuch. 

10. H. Paul: Grundriss der german. Philologie, B. I. Behaghel: 
Geschichte der deutschen Sprache. S. 526 ff. (Grdriss.) 

11. H. Paul: Mhd. Grammatik. 4. Aufl. Halle 1884. 



5 



12. H. Rückert: Entwurf einer systematischen Darstellung der 
schlesischen Mundart im Mittelalter. Mit einem Anhange 
von P. Pietsch. Paderborn. (Rück. Entw.) 

13. G. Waniek: Zum Vokaiismus der schlesischen Mund- 
art. (Wa.) 

14. K. Wein hold: Mhd. Grammatik. 2. Aufl. Paderborn 1883. 
(W. mhd. Gr.) 

15. K. Weinhold: über deutsche Dialektforschung. Wien 1853. 
(W. Dial.) 

16. Wilmanns: Deutsche Grammatik. 2. Aufl. 1897. 

17. Wilmanns: Kommentar zur Preussischen Schulorthographie. 
Berlin 1880. 



Ich wende mich nun zu der Untersuchung der Gruppen 
A, B, C, D. 

Vokalismus, 
a. 

a = mhd. a bietet keine Besonderheiten. 

über umlautloses a vgl. e = mhd. e. 

Sehr selten tritt o für a ein. Nur in vorfollen 1437; jormorgt 

1476 — verochten 1473. 

Ausser diesen 3 Worten ist belegt Olbrechte 1437 — 
Ulbricht 1520 (2). Doch ist dieser Name in dieser Gestalt auch 
ins nhd. übernommen. 

Schliesslich ist noch zu nennen dor (in Zusammensetzungen 
z. B. doran, dorumbe, dorczu etc.). A 1352 (2), 1359 (2). 
B 1370, 1389, 1393 (4), 1396, 1399, 1403 (5), 1408 (9), 1410, 
1411, 1413(2), 1414(2), 1417 (25), 1418(6), 1420(3), 1421(8), 
1423 (6), 1424 (11), 1426 (2), 1427, 1428 (5), 1429 (2), 1431 (4), 
1433, 1437 (6), 1438 (2), 1440 (3), 1442 (4), 1445, 1447 (8). 
C 1470 (10), 1471 (14), 1472 (8), 1473 (3), 1474 (6), 1476 (4), 

1477 (9). D 1490, 1507 (3), 1510 (2), 1515 (2), 3524 (5), 
1530 (3), 1534 (2), 1540, 1545 (2). 

Nach 1545 ist mir dor nicht mehr begegnet. Bei der 
Verdunklung des a zu o hat in diesem Falle die Tonlosigkeit 
des Wortes, sowie die Analogie von do mitgewirkt, dem mhd. 
da und do zu Grunde liegen, vgl. S. 8, 9. 



6 



Aus allen Beispielen geht hervor, dass o nur vor r und 1 
erscheint. Vgl. W. mhd. Gr. § 30. - Wa. § 20,3. — Rück. 
Entw. S. 39. 

a = mhd. ä. 

Neben dieses a tritt als md. Eigentümlichkeit o, das sich 
sehr zäh hält und spät verschwindet, a ist an und für sich im 
Übergewicht, doch währt es geraume Zeit, ehe es allein herrschtjj 
Das Nähere wird die Statistik zeigen. W. mhd. Gr. § 90. — 
Rück. Entw. S. 39. — Bahder S. 50. 

über den Lautwert des 6 vor bestimmten Konsonanten vgl. 
Wa. § 18. 

Beispiele aus schlesischen Denkmälern späterer Zeit bringt 
Drechsl. S. 25. — Über das heutige Schlesisch vgl. W. Dial. 
S. 28. 

hat A 1352. B 1370 (3), 1389 (2), 1392, 1393 (15), 
1394 (4), 1396 (3), 1399 (3), 1403 (2), 1407 (5), 1408 (14), 
1409, 1410(2), 1411(3), 1412(2), 1413(6), 1415(4), 1417(35), 
1418 (15), 1419 (6), 1420 (6), 1421 (9), 1422 (6), 1423 (9), 
1424 (35), 1425 (3), 1426 (13), 1428 (2), 1429 (2), 1430 (4), 
1431 (8), 1433, 1434, 1436 (7), 1437 (2), 1438 (2), 1439 (3), 
1440 (12), 1442 (24), 1444 (4), 1445 (19), 1446 (17), 1447 (2). 
C 1470 (2), 1471 (15), 1472 (25), 1476 (4), 1477 (11). D 1790 
(10), 1494 (10), 1507 (7), 1510 (8), 1515 (7), 1520 (4), 1524 (14), 
1530 (19), 1534 (5), 1540 (2), 1550 (12), 1555 (6), 1560 (10). 

hot B 1421, 1430, 1432 (4), 1435, 1437 (3), 1440, 1441 (3), 
1443 (4), 1445, 1447 (2j. C fehlt. D 1490 (4), 1507. — Seit 
1530 ist die gekürzte Form hott belegt: 1530 (5), 1534 (6), 
1540 (13), 1545 (2), 1550. 

Beachtung verdient, dass in C die o-Form fehlt 

Nach 1550 ist mir o nicht mehr begegnet. 

rat B 1389 (3), 1407, 1417 (3), 1419,1420, 1421,1422(2), 
1423 (4), 1424 (8), 1426, 1428, 1429 (4), 1430, 1447 (2). 
C 1471 (2). D 1494, 1510, 1515, 1524. ratt D 1530. 
rath B 1417 (2), 1424 (6), 1436, 1446. C fehlt. D 1494 
1524, 1534. 

rot B 1435. C fehlt. D 1490 (3). 



rate A 1352, 1359. B 1389 (4), 1393, 1413 (2), 1417 (2), 
1421, 1424 (3), 1428, 1430, 1447. C 1470 (2), 1471 (4), 
1477 (2). D 1494, 1515, 1520. 

rote nur B 1389. 

rates B 1417 (2), 1439, 1447. C fehlt. D 1510 (3), 
1515, 1520 (2). 

rathis D 1520. rathman A 1352. rathraannen A 1352. 
rathsfrund D 1494, 1520. ratsfreundt D 1530. rathsfreund 
D 1540. rathe D 1494. raten C 1471, 1472 (2). A 1359. 
ratende C 1471. geraten C 1471. 

Zu all den letzten Formen sind die o- Formen nicht belegt. 
Aber hausroth D 1520 — ungerothen D 1494. 

nach B 1393 (4), 1394, 1396 (2), 1399, 1403 (5), 1414 (3), 
1417 (4), 1418 (4), 1419 (2), 1420, 1421 (2), 1422, 1423 (2), 

1424 (9), 1426 (3), 1428 (3), 1429 (2), 1430 (3), 1433 (2), 
1436, 1437 (5), 1439 (2), 1442 (8), 1445 (3), 1447 (6). 
C 1477 (3). D 1490 (6), 1494 (6), 1507 (5), 1510 (9), 1515 (8), 
1520 (3), 1524 (20), 1530 (21), 1534 (7), 1540 (9), 1545 (5), 
1550, 1555 (11), 1560 (5). 

noch B 1370 (3), 1394, 1407, 1408 (6), 1410, 1411 (2), 
1413 (2), 1415 (2), 1417 (7), 1418 (3), 1419 (2), 1430 (3), 
1432 (5), 1433, 1436 (3), 1440, 1441 (4), 1444 (2), 1446 (5), 
1447. C 1470 (2), 1471 (16), 1472 (5), 1473 (3), 1477 (5). 
D 1490 (2), 1507, 1510 (2), 1515 (2), 1520 (9), 1530 (3), 1550. 

Bemerkenswert ist die Häufigkeit von noch in C. Im 
übrigen ist das Zurücktreten in D auch ersichtlich. 

lassen (lasen, lazin) B 1370, 1393, 1396, 1399, 1403 (3), 
1408, 1412, 1413, 1414, 1421, 1422 (2), 1423 (5), 1424 (4), 

1425 (2), 1426 (3), 1428, 1431, 1433 (3), 1437 (4), 1438, 
1439 (3), 1442 (2), 1444 (4), 1445, 1447 (3). C 1471, 1477. 
D 1490, 1494, 1515 (2), 1524, 1530 (6), 1560. 

lossen A 1352. B 1417 (3), 1419, 1421, 1425, 1530 (2), 
1433, 1436 (2), 1441 (3), 1445, 1446. C 1470, 1471 (5), 
1472 (2), 1476, 1477 (2). D 1490, 1494, 1515, 1524 (2), 
1530, 1534, 1540, 1555. 

gelassen B 1418, 1424, 1433, 1445 (3). C fehlt. D 1494 (2), 
1515 (5), 1520, 1524 (7), 1530 (8), 1534 (8), 1540 (2), 1545 (4), 
1550, 1555 (3), 1560 (5). 



gelossen B 1430, 1431 (2), 1436, 1440 (3), 1443, 1444, 
1447 (2). C 1470, 1472, 1476. D 1490 (2), 1510, 1515 (3), 
1520 (4), 1530 (3), 1534 (2), 1540 (5), 1550, 1555. 

Das Anwachsen der a-F'ormen in D im Gegensatz zu B, C 
verdient Beachtung. 

lasset C 1476, 1477. losset C 1471, 1477. losse C 1471. 

gefraget B 1393 (2). aber: frogen B 1413 (2). frogeten 
B 1413. froge B 1427. 

abende B 1393 (2), 1396, 1417 (2), 1408, 1409, 1424, 
1429, 1437. C fehlt. D 1490. abunde B 1393 (3), 1396, 
1397, 1445. abund B 1399, 1433. 

owande B 1399. obinde B 1419, 1420, 1421, 1426, 1431, 
1434 (2), 1442, 1446 (5). C 1470, 1476 (2). D 1515, 1524. 

Ein abschliessendes Urteil über diese Fälle lässt sich nicht 
geben. Es sind zu wenig Beispiele belegt, besonders aus der 
späteren Zeit. 

jar B 1370, 1407, 1408 (2), 1415, 1418, 1426 (2), 1428, 
1435, 1443, 1447. C fehlt. D 1490, 1494 (2), 1510, 1520 (2), 
1524 (4), 1530 (5), 1534, 1540(2), 1545(3), 1555 (4), 1560(2). 

ior B fehlt. C 1472, 1476 (3). D 1515 (2), 1530. 

Bemerkenswert ist, dass Eschenloer nur die o- Formen kennt. 
Im übrigen ist das Verhältnis klar. 

iare A 1352. B 1370, 1408 (3), 1421, 1423, 1436 (2), 
1445. C fehlt. D 1510, 1524. 

iore B fehlt. C 1471 (3), 1472, 1477. D fehlt. 

jares B 1417, 1426 (2). C fehlt. D 1530, 1534(2), 1540. 

iores B fehlt. C 1472. D fehlt. Vgl. oben. 

Auch hier also ist nur die o-Form in C vertreten. 

iaren B fehlt. C 1477. D 1530, 1534, 1540. 

ioren B fehlt. C 1472. D 1530 (2). Das Verhältnis 
ist klar. 

da B 1399, 1413, 1446. C 1471, 1473. D 1490 (4), 
1494, 1507 (5), 1510, 1515 (2), 1520 (2), 1524 (8), 1530 (22), 
1534 (5), 1540 (4), 1545 (5), 1550 (6), 1560 (3). 

do A 1352. B 1370, 1389, 1393 (7), 1399 (2), 1403 (5), 
1407, 1408 (5), 1409 (3), 1410, 1411 (3), 1413 (3), 1414, 
1417 (8), 1418 (10), 1419 (2), 1420, 1421 (7), 1423 (6), 
1424 (10), 1426 (4), 1427 (6), 1428 (6), 1429 (4), 1430, 



9 



1431 (3j, 1433 (6), 1434 (4), 1437, 1438 (3), 1441 (4), 1443, 

1446 (4). C 1479 (8), 1471 (12), 1472 (25), 1473 (14), 
1474 (6), 1476 (6), 1477 (7). D 1490 (4), 1494 (2), 1510, 
1515 (5), 1520, 1524 (3), 1530 (5), 1524 (4), 1540 (2). 

Das Zurückgehen von do, sowie das Anwachsen von da 
ist augenscheinlich. Der Charakter von do ist insofern nicht 
ganz klar, als es nicht nur mhd. da lautlich vertreten, sondern 
auch durch das temporale do beeinflusst sein kann. 

getan B 1418, 1421, 1424 (5), 1428, 1433, 1442, 1446. 
C. 1470 (3), 1471 (4), 1472 (4), 1473 (3), 1476, 1477 (3). 
D 1560. gethan B 1476. C fehlt. D 1490 (4), 1494 (2), 
1515, 1530, 1540, 1555 (7), 1560. gethanen D 1540, 1560. 
gethaner D 1550. 

geton B 1417, 1418, 1434, 1446. C fehlt. D fehlt, gethon 
B fehlt. C fehlt. D 1534. gethoner D 1520. gethonen D 1530. 

Die 0- Formen erlöschen vor der Mitte des 16. Jahrhdts. 

genaden A 1352 (2), 1359 (2). B 1370, 1421. C fehlt. 
D fehlt, gnaden B 1421 (3), 1424 (11), 1426, 1433, 1434, 
1437, 1443, 1446. C 1471 (5), 1477 (4). D 1530, 1534. 
gnoden B 1408. C fehlt. D fehlt. 

gnade B 1421, 1424 (2), 1439, 1446. C 1470, 1471 (3), 
1477 (5), D 1510, 1524. gnode B 1412. C fehlt. D fehlt. 

Das Verhältnis ist also auch hier klar. 

gedachte D 1515 (2). gedachter D 1524, 1530 (5), 
1534 (2), 1550. gedachten D 1530, 1534, 1540, 1545. ge- 
dachtem D 1530 (4), 1534 (2). unverdacht B 1424. obgedacht 
D 1530. gedacht D 1534. unbedachten D 1550. 

gedocht C 1472. gedochte D 1490, 1507 (4), 1515 (3). 
gedochten D 1530. unbedocht D 1540, 1550. A 1352. ge- 
dochter D 1540 (2). wolbedochtem B 1417. A 1352, 1359. 

Die a- Formen überwiegen. 

bracht B 1397 1424 (2). C fehlt. D 1530. furbrachten 
D 1550. 

brocht B 1408, 1417, 1424, 1427, 1433 (2), 1436, 1443 (4), 

1447 (2). C 1470 (2), 1471 (3), 1472 (2). D fehlt, brochten 
D 1490, 1515, 1520. 

Die 0- Formen werden also von den a- Formen abgelöst. 



10 

masse B 1399 (2), 1403, 1408, 1409, 1414, 1417, 1419, 
1423 (2). mosse B 1419, 1421, 1432, 1436, 1445. D 1490, 1510. 

mals (in Komposition z. B. vormals etc.) A 1352. B 1418, 
1424, 1426, 1432, 1444. C fehlt. D 1494 (2), 1515, 1520. 

mols A 1359. B fehlt. C 1471, 1476, 1477. D 1490, 
1520. mol B fehlt. C 1470 (2), 1473, 1476. D 1534, 1540. 

Hervorzuheben ist, dass C nur die o- Formen aufweist. 

waren B 1417, 1429. C 1470. D fehlt, aber: wahr 1534. 

woren B 1417, 1424 (2), 1437, 1444. C 1470 (2), 1471, 
1477 (4). D fehlt. 

Nur in C ist belegt worheit 1470 (2); worhaftiglich 1477; 
worhaftiglichen 1471. Dagegen: warlich 1477; worlich 1471. 

Die 0- Formen reichen über das 15. Jahrhdt. nicht hinaus. 

gaben D 1534. goben B fehlt. C 1472. D fehlt, gobe 
D 1510. 

strafen B fehlt. C fehlt. D 1534. straffe D 1545. 

strofen B 1421, 1435 (2). bestrofe B 1411. C 1471, 
1477 (3). D fehlt. 

Das Verhältnis ist auch hier deutlich ersichtlich. 

Es schliessen sich hier die Fälle an, wo a- Formen und 
0- Formen ohne Korrelate vertreten sind. 

a- Formen: bla 1313 — saffran 1393 — undirtanen 

1471 (4), 1473 (2), 1477 (3) — undirtanig 1477 — undirtani- 
keit 1472 ~ taten 1472 — tat 1472 (2) — gehat 1424 (2), 
1426 — goltschlaer 1530 — dromelschlaer 1530. 

0- Formen sind: woge 1352 (2) — nedirloge 1359 — 
swoger 1408, 1436, 1445 (2), 1490, 1515 (2) — schwoger 1507, 
1524 - schwogers 1507 — yo 1393, 1414, 1424 (2), 1471 (4) 
— voriochen 1473 — Strosse 1423, Strossen 1436, 1443 — 
strosplackerey 1476 — bobist 1470, 1471, 1472 (2) — hobst 
1470, 1471, 1472, 1477 — bobistes 1471 (3), 1472 - smocheit 
1435, 1470, 1471 — nockborschaft 1471 — nockboren 1471 (2), 

1472 — nockweren 1477 — nohen 1472. 

Die Mehrheit der Beispiele stammt also aus C. Nur sehr 
wenige reichen in den Anfang des 16. Jahrhdts. hinein. 

Es zeigt sich also auch hier, was als Resultat der all- 
gemeinen Statistik ausgesprochen werden kann^ dass um die 



11 



Mitte des 16. Jahrhdts. die a- Formen herrschend geworden sind. 
Möglicherweise erscheint noch nach diesem Zeitpunkt hier und 
da eine vereinzelte o-Form, an der Thatsache an sich kann das 
nichts ändern. 

Die Länge des a beruht bisweilen auf Kontraktion. 

ä < abe: han 1352 (2), 1393; hat (vgl. oben). 

ä < ahe: beslan 1393; emphan 1408 etc. 

ä < age: betadingen 1507, 1510, 1524 etc. Vgl. W. mhd. 
Gr. § 33. 

a = mhd. ä, nhd. 6. 

ane A 1342. B 1396 (2), 1401, 1403, 1407, 1411, 
1413 (2), 1414, 1417 (6), 1418 (3), 1419, 1420 (2), 1423 (3), 
1424 (3), 1428 (2), 1429 (2), 1430, 1432 (2), 14ö6, 1437, 
1440 (2), 1440, 1446 (2). C 1471 (7), 1472 (2), 1473 (5), 
1476, 1477 (6). D 1490 (2), 1494, 1507, 1510, 1515 (2), 
1524 (5), 1530 (2), 1560. ahne D 1555, 1560. 

Daneben erscheinen die o- Formen: 

oue B 1421, 1433. C fehlt. D 1507, 1534 (2), 1540 (2). 
ohne D 1507. 

Nhd. ist durchaus durchgedrungen in wo 1417, 1424, 
1427, 1437, 1471 (3), 1476 (2) etc. 

Ferner sind belegt montag, monat (in allen Jahren); aber 
schon mhd. stehen nebeneinander mäntac, montac — manot, 
mönot. 

a = mhd. e. 

bekart 1477 — widerkart 1471. 

Über diese Erscheinung vgl. Weinhold mhd. Gr. § 101. 
— Drechsl. S. 21. 

a = mhd. e. 

salb 1444 — salbander, salbdritte 1444. 

Also nur in B. In der Regel tritt a ein, wenn e vor ge- 
decktem 1 (und r) steht. Dieser Vokalwechsel ist selten. 
Rück. Entw. S. 24. — W. mhd. Gr. § 49. 

a = mhd. o. 

gesprachen B 1389, 1393 (2), 1443. 

Diese Form stirbt ab. Nach 1443 ist nur noch gesprochen 
belegt". Dagegen ist sehr zäh: 



12^ 

nach B. 1385, 1393, 1394, 1414, 1421, 1424 (21), 1426 (3), 
1428 (4), 1443. C 1476. D 1490 (2), 1494 (5), 1510 (5), 
1515, 1520, 1524 (11), 1530 (8), 1534 (6), 1555 (2), 1560 (2). 

Nur . 1530 ist noch belegt, doch kann auch ein Schreibfehler 
vorliegen. 

adir B 1370, 1399, 1401, 1403, 1413, 1417, 1424 (6), 
1426, 1428 (2), 1429, 1431, 1435 (2), 1439, 1441 (3), 1445, 
1447 (2). C 1470, 1471 (2), 1472 (3), 1473 (4), 1476. D fehlt. 

ader B 1399 (2), 1403 (2), 1407, 1411, 1414, 1420 (3), 
1421, 1422, 1424, 1426, 1430, 1435 (2), 1436, 1439, 1441, 
1442, 1444. C. 1470 (3), 1471 (8), 1473, 1477. D. 1490, 1494, 
1507 (3), 1510 (3), 1515 (3), 1520 (2), 1524, 1534. 

Sehr spät erscheint die obd. und nhd. Form: 

oder D 1530 (3), 1534, 1540, 1545 etc. 

ap B 1399, 1411, 1417 (3), 1418 (2), 1419, 1420 (2), 
1421 (2), 1425, 1428 (2), 1430, 1432 (3), 1435, 1436, 1439 (2), 
1442, 1447 (3). C 1470, 1471 (11), 1472 (3), 1473 (2), 1476, 
1477 (6). D 1490, 1494, 1515, 1520 (3). 

ab B 1393, 1396, 1399, 1401, 1403, 1408, 1413, 1417, 
1421, 1423, 1424 (2), 1429, 1437, 1445. C 1476. D fehlt. 

Auch hier erscheint die o-Form ziemlich spät: 

op C 1471. ob D 1534, 1545. 

Die a-Formen erlöschen demnach im Beginn des 16. Jahrhdts. 

tachter B 1417. C fehlt. D 1490 (2), 1507 (5), 1510 (2), 
1515 (3), 1520 (4), 1524 (5), 1555 (2), 1560. tachtere D 1490 (2). 

Im 16. Jahrhdt. werden die a- Formen durch die o -Formen 
verdrängt : 

tochter D 1530 (4), 1534 (2), 1540 (3), 1555 (2), 1560 (2). 

dach B 1421. C fehlt. D 1490 (2), 1494, 1520. 

Die gewöhnliche Form ist doch. 

mitwachen B 1424, 1426 (2). C fehlt. 

mitwach D 1490 (3). 

Die o-Form ist das gewöhnliche und ist im 16. Jahrhdt. 
allein belegt. 

aben B 1396, 1443. C fehlt. D fehlt. 

Ausser den 2 Beispielen ist nur die o-Form vertreten. 

Über a in den angeführten Fällen vgl. Rück. Entw. S. 25, 
26. — W. mhd. Gr. § 67. -- Bahder S. 50. 



13 



Noch andere Fälle, in denen a = mhd. o ist, bleiben für 
die Besprechung übrig. 

sal A 1359 (2). B 1389 (3), 1390, 1393 (2), 1396 (6), 
1399 (4), 1403 (9), 1407 (2), 1408 (3), 1409 (4), 1411 (4), 
1414, 1417 (10), 1418 (4), 1419 (2), 1421 (2), 1422 (5), 
1423 (7), 1424 (7), 1425 (2), 1426 (4), 1428 (2), 1430, 1432 (3), 
1433, 1435, 1436 (2), 1439, 1441 (2), 1445, 1447 (3). C 1471 (9), 
1472, 1476 (2), 1473 (3). D 1490, 1494, 1507 (3), 1510 (5), 
1515 (3), 1520 (2), 1524 (5). salt B 1426. 

Seit C erscheint die o-Form und wird im 16. Jahrhdt. 
herrschend. 

sol B fehlt. C 1477. D 1530 (5), 1534 (2). soll 
D 1530 (7), 1534 (8). 

Seit 1534 ist die o-Form durchgedrungen. 

bevalen B 1394. C fehlt. D fehlt. 

Die O-Form ist herrschend. 

derhalen B 1419. 

Ebenso: van B 1403, 1426, 1437, 1442. C fehlt. D fehlt. 

Die gewöhnliche Form ist von. 

Über a in den letztgenannten Fällen (von sal an) vgl. W. 
mhd. Gr. § 30. — Wa. § 22, 10. - Bahder S. 50. 

Ich schliesse mich in der Trennung bezw. Nebeneinander- 
stellung von gesprachen etc. und sal etc. der Auffassung Wein- 
holds an, der im ersten Falle in der Schreibung a die Neigung 
erkennt, o offener nach a hin auszusprechen, im zweiten Falle 
die Abneigung, die gemeindeutsche Senkung des a zu- o im md. 
wirken zu lassen. Vgl. W. mhd. Gr. a. a. 0. 

e. 

e = mhd. e ist sehr zahlreich belegt während der ganzen Zeit. 

helse, mechtig, gesellen, gefenknis, veter, genczlich, kerling, 
eldisten, nemlich, entlichen, veterlichen, spenne, gelestert, schetzer, 
mentler etc. etc. 

Seit dem Ende des 15. Jahrhdts. erscheint der jüngere Um- 
laut, der durch ä bezeichnet wird. 

Frangk, S. 98, setzt diese Schreibung als die regelmässiger 
an: »Das a | mit dem kleinen e | odder zweien pünktlin | wie 
obenuermeldt | bezeichnet | wird gebraucht | jnn deriuatiuis | 



14 

das ist I jun den Worten | so ir ankunfft von andern nehmen | 
als die naraen | so jnn die gemehrte zal | oder auch aduerbia 
treten und absteigen | darinne das a braucht wird etc.« 

väterlich 1494; väterlichen 1494, 1524, 1560 (2); väterliche 
1507; tuchschätzer 1510. 

Oft fehlt der Umlaut ganz. Im älteren Schlesisch sind 
solche Formen verhältnismässig selten. Vgl. Rück. Entw. S. 23, 
24. — W. mhd. Gr. § 27 : Dem Umlaut widerstrebt das md. etc. 

— Bahder S. 4, 50. 

Über den jüngeren Umlaut ä und sein Verhältnis zum 
älteren e vgl. Bahder S. 104. - Wilm. Deutsch. Gr. § 192 flf., 
§ 198 fif. 

Über den Stand im heutigen Schlesisch vgl. Wa. § 21. — 
W. Dial. S. 22. 

Beispiele: gewartig 1439; geschatzet 1423; harmbalge 
1440 (5); harmbalgen 1440; geschanckt 1441; nämlich 1515 (2); 
vaterlichs 1520; geschaczt 1520 (2); schaczung 1520; vater- 
lichen 1530 (2), 1534; vaterlich 1530; onschadlich 1530; 
taglich 1534, 1520; unnlanngst 1545; Unterhändler 1560. 

Analogie wirkt Umlaut in stathelder 1429 (4), 1471, 1507 

— beheldet 1408 — schumecher 1428 — Stellemecher 1417 — 
denne, wenne (sehr zahlreich). Vgl. W. mhd. Gr. § 28. 

Als unechten Umlaut bezeichnet dort W. auch erbeit 
1424, 1436. 

Im Verlaufe des 16. Jahrhdts. erlischt dieser Umlaut und 
die a- Formen treten ein; z. B. tuchmacher 1530 — stad- 
halters 1530. 

Dehnung des e findet sich nur in C. 

beere 1470, 1472 (4), 1477 — heeris 1477 — beeren 1477 

— gescheege 1477. 

Die Doppelschreibung bezeichnet hier die Länge. 
Vgl. Rück. Entw. S. 101. 

e = mhd. 6. 

begern, ledig, recht, gegeben, nemen, vorfechtin, recht, ferre, 
vormeser, lebit etc. etc. 



15 

Über die Verschiedeülieit der Lautwerte von e = mhd. e 
und mhd. = e vgl. W. mhd. Gr. § 4L — Grdriss. § 26. — 
Ferner vgl. S. 14. — Über die weitere Entwicklung vgl. 
Drecbsl. S. 12. 

Durch Konsonantenausfall und Vokalzusammenziehung er- 
giebt sich e in Formen wie czen, geseo, gesehen, gen 
« gegen) etc. Vgl. W. mhd. Gr. § 52. 

e = mhd. se. 

were, weren, teten, ongerete, neme, nehst, nest, sehet (mhd. 
ssejen, saewen), stete, vorreter, kweme, gedechtnis, begebe, 
jerlich, Thome, Marie, gesmehit, gnedig, brechte etc. 

Weitere Beispiele bei Drechsl. S. 22. — Über die Ge- 
schichte dieses Umlautes vgl. Grdriss. § 32. 

md. ist auch freigrefe 1442; freigrefen 1442. Vgl. hierzu 
W. mhd. Gr. § 93. (greve < giävio.) In späterer Zeit sind 
diese Formen nicht mehr belegt. 

Schreibung ä nur hawsgeräthe 1515 — jhärigen 1560 — 
neunjärieges 1560. 

Dagegen fehlt der Umlaut, und zwar auch nur in der 
späteren Zeit (16. Jahrhdt.) in saliges 1515, salige 1524, jarlichs 
1494, 1510, 1515, 1524 ~ jarlich 1534 — gnadiger 1534. — 
W. mhd. Gr. § 94. 

e = mhd. e. 

mer, czwene, elich, stet, get, ewiglich^ eren, erwirdige, 
erbarn, ersamen, erste, keren, eh, sere etc. etc. 

Vielfach findet sich die Schreibung ee; vgl. Rück. Entw. 
S. 101 — Bahder S. 5. 

Analogiebildung oder nur graphische Bezeichnung liegt vor 
in folgenden Fällen: 

steen 1417, 1424, 1447, 1470 (2), 1471 (3), 1472 (3), 

1473 (2), 1474 (2), 1476 (5), 1477 (6), 1507, 1530 (2) — 
steet 1471, 1477 (2), 1530, 1540 — geen 1424 (2), 1434, 1470, 
1471, 1472, 1530, 1534 (2) — geet 1520 — gescheen 1433, 
1442 (2), 1447 (2), 1470 (3), 1471 (9), 1472 (2), 1473 (6), 

1474 (2), 1477 (9), 1490, 1494, 1510, 1515, 1524 (2), 1530, 
1550 —^ gescheenem 1534 — geschee 1473, 1477, 1510 — 
eegelde 1445 — eelichen 1524, 1530 — eelich 1540 — meer 1472. 



16 



In allen diesen Fällen findet sich auch trennendes h. 

geschehen 1490, 1530, 1550 — gehen 1494 (2), 1534 — 
stehen 1490 — meher 1494 — ehe 1534, 1555 — eheweibes 
1515, 1540 (2) - eheweib 1540 (2), 1530 - ehemann 1520, 
1524 — stehet 1530: 

Andere Fälle sind: czwee 1494 (2), 1507, 1524 — zwee 
1530 (2) — czween 1440, 1507, 1510, 1520, 1524 (2) — 
czeen 1494 (2). Vgl. Rück. Entw. S. 102. 

Auch in diesen letzten Fällen ist ee wohl weniger Vokal- 
zerdehnung, als vielmehr Bezeichnung der Länge durch Doppel- 
schreibung. Denn neben den ee- Formen stehen die einfachen 
e- Formen; z. B. czwen 1438 — czwehn 1520 — czwe 1423, 1494, 
1510 (3), czehn 1417, 1446, 1490, 1510 (4), 1524 (4) etc. 

Zudem ist in wees 1471 sicher nur die Länge durch ee 
bezeichnet. 

Durch Kontraktion entsteht e in Lenharden 1415 (2) — 
orfede 1430, 1431 (mhd. urvehede). 

e = mhd. i, vgl. i. 

e = mhd. ei. 

Tonmangel bewirkt den Übergang von ei zu e in enander 
B 1393 (2), 1414, 1417 (2), 1424 (2), 1428 (4), 1433, 1436 (2), 
1437, 1442 (4), 1444 (2), 1445 (2), 1446 (2). C 1470, 1471 (3), 
1473, 1477 (3). D 1490 (2), 1494, 1507 (2), 1510 (3), 1515 (2), 
1524 (3). 

Die Form einander bricht sich erst spät Bahn und ver- 
drängt im 16. Jahrhdt. die geschwächte Form: D 1535 (3), 
1540 (4), 1545, 1555 etc. 

e = ei in der Tonsilbe. 

wees 1471. — Renold 1540. 

In czwe 1423, 1494, 1510 (3) — czwen 1438 — czwehn 
1520 — wird auch mhd. zwene eingewirkt haben. 

getedinget, betedinget 1423 — betedingt 1534 — bete- 
dingen 1494, 1530, 1550. — Daneben findet sich die Schreibung 
betädingen, allerdings nur 1524 (6). 

Über e = mhd. ei vgl. W. mhd. Gr. § 98. — W. Dial. S. 32. 

e ist verkürzt in Henrich 1422, 1424 (3) — Henrichen 
1414 - czwenczig 1396 (5). 



17 



Diese Formen bleiben demnach auf die früheste Zeit be- 
schränkt. W. mhd. Gr. §§ 102, 124. — Grdriss. § 37. 

e = mhd. i. 

czwetracht 1477 (2), 1507 — czwetrechte 1471, 1473 (2), 
1477 — Swednicz 1424. W. mhd. Gr. § 107 -- Rück. Entw. S. 32. 

e = mhd. ö. 

mechte 1407. W. Dial. S. 33. 

Doch kann mechte auch zu mhd. mehte gestellt werden. 

e = mhd. oe. 

hechste 1477. 

Nur dieses eine Beispiel ist belegt. W. mhd. Gr. § 116. 

— W. Dial. S. 35. 

i. 

Die Schreibung ist i, j, y für kurzes und langes i. j und 
y werden im 16. Jahrhdt. seltener. Nach Drechsl. S. 23 setzt 
Scherffer y für i; diese Beschränkung trifft für unsere Denkmäler 
nicht zu. 

i = mhd. i. 

Dieser Lautwert ist der gewöhnliche und überaus häufig 
belegt. Einige Beispiele: sint, wirde, sigel, wider, gerichtet, 
mit^ diser (dises etc.), frid, spil^ bringen, ligen, geschriben, wirt, 
nider, vil etc. etc. 

Md. Charakteristikum ist e für i. Vgl. W. mhd. Gr. § 56. 

— Bahder S. 3. — Wilm. Deutsch. Gr. I» § 222, 1. 

Das e herrscht vor in B, in C sind mir nur zwei Beispiele 
begegnet; in D sind ausser den Formen en, em, er^ ehm etc. 
und brengen (vgl. unten), die allein von allen in das 16. Jahrhdt. 
hinüberreichen, nur vier andere Beispiele belegt: sebenczig 1490 

— bieben 1490 -- wedir 1490 — domete 1490. — Zudem 
stammen dieselben insgesamt aus einem der ersten Jahre von D. 

Das Resultat ist also, dass die i- Formen nach dem 16. Jahr- 
hundert zu immer mehr anwachsen, bis sie im 16. Jahrhdt. selbst 
die Herrschaft inne haben. 

Beispiele für e zunächst in B: weder 1389 (2), 1393 (2), 
1401, 1403 (3), 1407, 1408, 1411, 1413, 1414 (3), 1417 (3), 
1420, 1423 (2), 1426 (3), 1429 (3), 1431 (2) etc. — geschreben 

Arndt, Entwicklung der Breslauer Kanzleisprache. 2 



18 



1359, 1389, 1398, 1408 (4), 1409, 1411 etc. — neder 1359, 
1408, 1411, 1417, 1419 (3), 1420, 1426 (2) etc. — mete 1393, 
1399 (2), 1403, 1409, 1411 (2) etc. — bieben 1399, 1409, 1415, 
1417 (2), 1423 etc. — Ferner: desen, wert, vorswegen, frede, 
smede, gesneten, speien, gebil, Legnicz, sent. Fredrieb, brengen etc. 

C czemet 1470 — brengen 1471 (5), 1473, 1477. 

(Zu brengen lässt sieb *brangjan ansetzen, wozu aucb 
prät. bracbte sebr gut stimmen würde.) 

D (vgl. oben). 

brengen 1510, 1534, einprengen 1524. 

Schliesslicb: 

en B 1403. C feblt. D 1490 (2), 1494 (7), 1507, 
1510 (6), 1515 (7), 1520 (2), 1524. 

em B feblt. C feblt. D 1490, 1494 (8), 1507 (4), 
1510 (3), 1515 (2), 1520 (2), 1524. 

eren D 1507 — er D 1510. 

e liegt vor in ebm 1520 (2), 1524 (4) — ebn 1507 (9), 
1510, 1515 (3), 1520 (2), 1524 (4), 1530 (2) - ebr 1530 (2). 

Die e- Formen sterben also vor der Mitte des 16. Jabrbdts. 
ab. Drecbsl S. 23. — W. Dial. S. 36. 

i = mbd. e. 

is 1359, 1389, 1396, 1403, 1434, 1437, 1471 (6), 1472, 1510. 

dispot 1471. W. mbd. Gr. § 47. - Rück. Entw. S. 34. 

i = mbd. ie. 

Ecbt md. ist aucb die Monopbtbongierung von mbd. ie zu i. 
Es steben beide Schreibungen nebeneinander, und es ist der un- 
geheuren Anzahl von Beispielen wegen unmöglich, alle Fälle 
statistisch zusammen zu stellen. A hat nur i- Formen. 

Das Auftreten des i neben ie ist auch für die Aussprache des ie 
von Wichtigkeit: die ie- Formen, neben denen i- Formen einher- 
gehen, wurden sicherlich aucb monophthongisch gesprochen. Aus- 
drücklich bezeugt ist diese Aussprache schon durch Fab. Frangk. 
Das geht aus seiner Regel (S. 98) hervor: »Desgleichen wie das h | 
also lengt auch das e | wenns nach dem i | am End eines Worts 
odder Silben | gesatzt wird | als hie | die | diebe | hiebey \ 
nye | etc.« Diese monophthongische Aussprache gilt natürlich 
auch für ie, das für mbd. i gesetzt wird. Vgl. unten S. 20 
ie = mbd. i. 



19 

Dass die Monophthongierung in Schlesien schon im 14. Jahrhdt. 
vorhanden war, vgl. Grdriss. § 33. Sodann vgl. Rück. Entw. 
S. 37. — Wa. § 34. 

Beispiele : 

dinen B 1393 (2), 1396, 1408, 1417, 1420. D 1494. 
dienen B 1407, 1408 (3), 1409, 1417, 1442 (3), 1446. D 1530, 
1545 (2), 1534. 

dinst A 1352 (2), 1359. B 1423. C 1471 (3), 1472 (2), 
1476. D fehlt. dinstage B 1393, 1394, 1399, 1403, 1413 (5), 

1417 (2), 1418, 1419, 1421, 1424. dinstags D 1530. dienst- 
raagt D 1534. 

briff B 1393, 1396, 1903, 1407, 1408, 1417, 1424. D 1530. 
brieff B 1393 (2), 1403-, 1408, 1418 (3), 1422 (3), 1423 (2), 
1428, 1436, 1442, 1447. D 1490 (2), 1507, 1515, 1530, 1534 etc. 

brife B 1408, 1411, 1417 (3), 1418, 1424 (3). C 1470 (2), 
1471 (2), 1471 (2), 1472, 1473 (3), 1476. briffe D 1494. briefe 
B 1417, 1418 (2), 1421 (3), 1422, 1423, 1424 (3), 1428 (3), 
1428 (2), 1433, 1441. 

di(dy) A 1352 (7), 1359 (11). B 1389 (11), 1393 (8), 
1394 (4), 1396 (5), 1397, 1399 (2), 1401, 1403 (5), 1424, 1445. 
C fehlt. D 1490 (5), 1494 (8), 1515 (4), 1530, 1540 (2). 

die B 1389, 1393 (4), 1394, 1399 (5), 1403, 1407 (3), 
1408 (16), 1409 (8), 1410, 1411 (6), 1413 (7), 1420 (7), 1421, 
1422, 1423 (8), 1424 (19), 1427 (2), 1428 (2) etc. C hat die 
ganz durchgeführt. D 1490 (3), 1494, 1507 (2j, 1515 (3)^ 
1524 (10), 1530 (3), 1534 (5), 1540 (3) etc. 

Jedenfalls ist die die weitaus herrschende Form. 

si (sy) A 1352 (5), 1359 (3). B 1389 (6), 1390, 1393 (6), 
1396, 1401 (3), 1403, 1418 (2), 1429 (2), 1435. C fehlt. 
D 1494 (6), 1534 (3), 1540 (4). 

sie B 1408 (5), 1409 (3), 1413 (7), 1414 (6), 1415, 1417 (12), 

1418 (4), 1419 (6), 1420 (6), 1421, 1422, 1423 (4), 1424 (10), 
1426 (3), 1428 (21), 1429 (3). C hat sie durchgeführt. 
D 1490 (2), 1507 (6), 1510 (3), 1515 (8), 1520 (4), 1524 (6), 
1530 (5), 1545 (3), 1555 (5), 1560 (4). 

Es gilt dasselbe wie von die. 

2* 



20 



virde A 1350. C 1477 (2). D 1515. vierde D 1507, 1520. 

vir B 1393, 1407, 1408 (2), 1411, 1420 (8). C 1470, 
1471, 1476 (2). D 1490. 

vier D 1524 (2), 1530 (3), 1534 (4), 1540, 1560 (3). fier 
B 1413 (2), 1399 (2), 1417, 1426 (2), 1438, 1445 (2). C fehlt. 
D ebenso. 

Die Zahl der Beispiele Hesse sich noch vergrössern. Doch 
mag es genügen. Aus der Zusammenstellung geht hervor, dass 
zwar i- Formen noch vereinzelt im 16. Jahrhdt. vertreten sind, 
dass aber die ie- Formen entsprechend der nhd. Schreibweise 
mehr und mehr in Kraft treten. 

Die Länge des i ergiebt sich aus der Doppelschreibung ij 
in hijs 1423. W. mhd. Gr. § 104. 

In ny 1426 ist das diakritische Zeichen ohne weitere 
Bedeutung. Der einfache i-Laut wird bezeichnet. Ebenso A 
sy. Rück. Entw. S. 54. 

Ich schliesse an ie = mhd. i. . 

Sicherlich dient hier e hinter i als Dehnungszeichen, was 
schon Fab. Frangk (S. 98) hervorhebt. Es bezeichnet dies den 
Übergang zum nhd. Sprachgebrauch. 

Doch wird dieser sogar überschritten, da auch in Suffixen 
ie für i eintritt. 

ie in Tonsilben: In A fehlt jede ie-Form. — diesen 1408, 
1420, 1433, 1446 — diesem 1421 — dieser 1418, 1420, 1507, 
1524 (2), 1530 (6), 1534 (3), 1540, 1545 (2) — diese 1437, 
1476, 1510 (2), 1530 — dies 1420 — dieses 1545 — wieder 
1417, 1418, 1420 (2), 1421 (4), 1422 (2), 1423, 1424, 1429, 
1433, 1442 — wiedir 1445 (2), 1446 - wiederrede 1439 — 
wiedirrede 1440, 1446 — geschrieben 1428, 1442 (3), 1524 — 
vorgeschrieben 1524 — beschrieben 1560 — vorliehen 1477 — 
geblieben 1507, 1524 — viel 1520 — Siegel 1530 — sieben 
1555 (2) — siebenden 1530 (2) — siebenczig 1530 — schiedt 
1515 — entschiedt 1520 (doch stehn mhd. schit, schiet neben 
einander). 

Andrerseits sind ie- Formen belegt, in denen nhd. einfaches 
i zur Herrschaft gelangt ist, z. B. handschriefftlich 1507 — be- 
grieffen 1555, 1560 — wierckliecher 1560. 



21 

über ie = mhd. i vgl. W. mhd. Gr. § 48. — Rück. Entw, S. 108. 

Für sich zu betrachten ist geschiet 1446. 

Hier steht ie für ihe. vgl. W. mhd. • Gr. § 53. — Rück. 
Entw. S. 108. 

ie in Suffixen. 

Diese Schreibung tritt sehr spät auf, und es ist zweifelhaft, 
ob sie wirklich eine Dehnung bezeichnen soll. 

1555: veterliechen, mutterliechen, ehliechen. — 1560: wierck- 
liechen, mögliechen. — jhäriegen, vollstenndieg, bewilliegungk, 
unmundieger. 

ie in selbien 1437, Fenedien 1393, Venedien 1397 (2), 
1399, 1409, 1410 (2), 1413, 1445, 1431 (2), 1444 (2). — Vene- 
dienynne 1445 — ist kein echter Diphthong. Palatales g ist 
zwischen i und e aufgelöst worden. Diese Auflösung bleibt 
zudem auf B beschränkt. W. mhd. Gr. § 225. 

i = mhd. 1. 

Der Wandel zu ei tritt schon so stark hervor, dass i nur 
als Ausnahme und in verschwindend kleiner Zahl belegt ist. — 
W. mhd. Gr. § 108. — Grundriss § 35. — Wa. § 14. 

Der Wandlungsprocess schliesst im 16. Jahrhdt. ab. Das 
Verhältnis der Zunahme bezw. Abnahme von ei und i wird deut- 
lich werden durch den Vergleich der verschiedenen Perioden. A 
hat nur i- Formen. B wise 1389 — wys 1399 — ■ obirwiset 
1426 — syn (poss.) 1389 - syner 1392 (2), 1394, 1397, 1424 (2) 

— syme 1393 (2), 1394, 1424 (3) - synen 1393, 1396 (2), 
1424 (7) — syne 1393, 1396 (2), 1399, 1426 - by 1389, 
1393 (2), 1397, 1403, 1407 (3), 1408, 1424 (2) — czit 1393 — 
frytage 1393, 1403 — yteln, itel 1393 — schriben 1396 — 
statschriber 1403 — drier, dry, drysig 1396 — drivaldekeit 1399 

- gewist 1403 — bliben 1426 — wynachten 1417, 1436 — 
finde 1421 — fint 1423, 1436 — Swydnicz 1396 — Lipczk 
1408 — Nyse 1397 — yn (in Komposition z. B. yngenommen 
etc.) 1407, 1409, 1417, 1426, 1431, 1432 (3), 1443. 

Doch kann in letztem Falle analogischer Einfluss der Prä- 
position in vorliegen. 

C bliben 1470 — vorczihen 1470 — lichnams 1472 — 
ynhalden 1471 — glich 1472 (2) — richs 1477 — Swidnicz 
1471, 1474 — Osterrich 1472. 



22 



D nur yn — (in yngelegit 1490, intragk 1515, ynntrag 
1524 (5)). Vgl. dazu yn unter B. 

Das Aussterben von i liegt klar zu Tage. 

Die Schreibung für dieses i ist auch y, i in by, wynachten 
1424 (2). — A. czyten, czit, by. 

Der Grund für diese Schreibung ist ein rein graphischer, 
um das vokalische i, j vom konsonantischen, und wo es sich 
um i handelt, dieses von folgendem n, t zu unterscheiden. Rück. 
Entw. Ö. 55. 

Im Übrigen sind die ei- Formen durchgedrungen. Ihre Zahl 
ist Legion. Ich begnüge mich, einige Beispiele summarisch auf- 
zuzählen, bey, seyn, weyse, schreiben, czeit, leyd, freitage, 
bleiben, treiben, reich, weyns, weisen, queit, frey, bleyes, beidir- 
seit, weinachten, fleissige, Sweidnicz, Leipczk, Neysse etc. etc. 

i = mhd. e. 

irsten 1393 (2), 1403, 1420, 1427, 1433, 1440, 1442, 1447, 
1507, 1515 - irstes 1440 — irstlich 1510 — irste 1520. 

Aber erstlich 1555 (2). 

Ferner hirren 1411, 1424 (3); später ist nur herren belegt. 

Girdrud 1417. 

Über die Verkürzung des i vor r + r uod in irste, vgl. 
W. mhd. Gr. § 99. Über den heutigen Dialekt vgl. W. Dial. S. 40. 

i = mhd. ei. 

Diese Erscheinung ist nur in C belegt, hilig 1472 — hiligen 

1471 (2), 1472 (2), 1473 (2), 1476 (6) — hiligsten 1470 (2), 

1472 — hilikeit 1470 (2), 1471 (2), 1472 (4) — W. mhd. Gr. 
§ 99. — Rück. Entw. S. 38 (wo auf Esch. hingewiesen wird). 

= mhd. a vgl. a. 

o = mhd. ä vgl. a. 

o = mhd. 0. Sehr zahlreich belegt. 

Als md, Eigentümlichkeit erscheint u für o vor gedeckter 
liquida, ch (ck) und ff. Vgl. Rück. Entw. S. 43, 44. — W. mhd. 
Gr. § 63. 

Diese Erscheinung nimmt aber nach dem 16. Jahrhdt. zu 
stets ab, und um die Mitte des 16. Jahrhdts. ist u ganz ver- 
schwunden und der nhd. Lautstand erreicht. A hat nur u -Formen. 



23 



suUen A 1352, 1359. B 1389, 1393, 1401, 1411, 1418 (2), 
1419, 1420, 1421 (2), 1423 (2), 1424 (8), 1428 (6), 1431, 1433 (3), 
1434, 1436 (2), 1439, 1440 (2), 1442 (3), 1445 (2), 1447. 
C 1470, 1471 (3), 1472, 1477. D 1490 (3), 1494 (4), 1507, 
1510, 1515 (11), 1520. 

sollen B 1433 (3), 1435, 1436 (5), 1437 (2), 1438 (2), 
1439 (13), 1440 (3), 1444 (6), 1445, 1446 (13), 1447 (3). C 1477. 
D 1494, 1515 (2), 1524 (8), 1530 (5), 1534 (6). . . 

Von 1534 ab ist nur noch die o-Form belegt. 

sulle B 1396, 1417, 1424, 1430. C 1570, 1471(2). D fehlt. 

solle B 1442 (2). C fehlt. D 1530 (2), 1545, 1560 (3). 

sulde B 1394, 1387, 1420, 1423 (2), 1424, 1429 (2), 1431, 
1435 (2), 1437, 1440 (2), 1441, 1445 (2), 1447. C 1470, 1472, 
1473 (3). D 1490, 1494, 1507, 1515. 

solde B 1430, 1442, 1447 (3). C 1473. D fehlt, solte C 1476. 

solt D 1507. I 

soltet C 1476. i Die u- Formen sind nicht belegt. 

soltest C 1477 (2). j 

sulden B 1394, 1426, 1443, 1447 (2). C 1470, 1471 (6), 
1472 (4). D fehlt. 

solden B 1447 (3). D 1507. sulten C 1471. sollten C 
1472, 1477. 

sulchen B 1399, 1414 (2), 1419 (2), 1423 (2), 1424 (2), 
1428 (2), 1435, 1443 (2). C 1471 (2). 1515. 

sulchir A 1359. B 1399, 1421, 1428, 1433, 1447. C. 1470, 
1472. D fehlt. 

solcher B 1430, 1435, 1436, 1437 (2), 1439 (2), 1446 (2). 
C fehlt. D 1490, 1520 (2), 1524 (5), 1530 (4). . . . 

Von 1530 ab ist nur die o-Form belegt. Bemerkenswert 
ist, dass C nur die u-Form kennt. 

sulchen B 1414, 1423, 1427, 1432, 1439, 1444. C 1470, 
1471 (2), 1472 (4), 1476. D 1497, 1510, 1515. 1524. 

solchen B 1417, 1418, 1442. C fehlt. D 1490, 1515, 
1530 (2), 1545. 

Später ist nur o tiberliefert. 

sulch B 1417, 1424, 1426, 1432, 1439, 1444. C fehlt. 
D 1515 (5), 1524. 



24 

solch B fehlt. C fehlt. D 1490, 1507, 1520, 1530 (3), 
1534 (2) Später nur solch. 

Sulche A 1359. B 1421 (2), 1424 (3), 1428, 1437, 1441. 
C 1470 (5), 1471 (2), 1472 (4), 1476. D fehlt. 

solche B 1430, 1431, 1436, 1437, 1439, 1442 (2), 1444, 
1445 (2). C fehlt. D 1490 (2), 1524, 1530 (2), 1534 

Das Absterben der u- Formen ist ersichtlich. 

hulczes B 1403, 1436. 

Sonst ist nur die o-Form belegt. — Ebenso bei furdern 
B 1409 (2), 1411, 1418 — furderunge B. 1417 — ungefurdert 
B 1409. — 

Diese Formen gehen also über den Anfang des 15. Jahrhdts. 
nicht hinaus. Jedoch vereinzelt steht dirfurdert D. 1510. 

gehulfen B 1423, 1431, 1437 (2), 1443. C und D nur mit o. 

guldes B 1423. gult B 1424 (4). Sonst golt, goldes. 
Jedoch vergulden D 1520. 

fulgen D 1494, 1510 (3). fulgender D 1510 (2). folget 
D 1520 (2). 

Ganz vereinzelt ist ful 1515. 

Auf C beschränkt ist herczuge 1471 (4). 1474. — herczugen 
1477. 

uffintlich B 1389, 1370. Sonst nur offintlich, oifenlich. 

uffte B 1399, 1443 (4). D 1490. offte B 1442. D 1515. 

Die o-Form herrscht im 16. Jahrhdt. 

muchte B 1429, 1447. muchten B 1436, 1446. 

In C und D erscheinen nur die o- Formen. 

Über das heutige Schlesisch vgl. W. Dial. S. 56. 

Bemerkenswert ist, dass mhd. u und o vereinzelt mit 
Umlaut erscheinen. 

ü : sülde D 1507 (5). 

ö : söldenn 1507 — könndenn 1510 — solchem 1555 — 
solche 1560. 

Rück, und W. sprechen von diesem Umlaut nicht. — nhd. 
ist er nur in könnte erhalten. 

ö = mhd. ö. 

coppe B 1437. 

mochte C 1477. D 1494 (2). — mochten C 1471, 1477 (2). 
D 1560. - slosser C 1476. — slossern C 1477. — dorfern 



25 

C 1474. 1477. — rocken D 1524. — geschösser D 1524. — 
Görlicz D 1530. 

In B ist also nur ein einziges Beispiel vorhanden. Der 
Umlaut greift erst in späterer Zeit um sich. Über ihn vgl. W. 
mhd. Gr. § m. 

Umlautlose Formen sind demnach natürlich vielfach in den- 
selben oder in analogen Beispielen belegt, z. B. : mochtet 1470 — 
mochten 1514, 1471(3), 1476 — mochte 1389, 1390, 1471, 1473, 
1507 — slosser 1471 — topper 1530 — Gorlicz 1421, 1471, 
1530 (2) — Gorlitsche 1426 — Coln 1421 etc. W. mhd. Gr. § 66. 

= mhd. u. 

Dieser Lautwandel bezeichnet den Übergang zum nhd. In 
vielen Fällen ist aber dieses md. o im nhd. nicht gewahrt, viel- 
mehr ist u geblieben. Zwischen diesen beiden Fällen muss 
unterschieden werden. 

= mhd. u, nhd. o. 

sunabinde B 1393 (2), 1396. sunabunde B 1397. Da- 
gegen: sonnabinde B 1408 (2), 1409, 1411, 1417 (2), 1425. 
sonnabund B 1437, 1443. sonneobinde C 1470. sonnobende 
C 1476. Sonnabend D 1490. 

Im 15. Jahrhdt. sind also nur die o- Formen belegt. 

suntage B 1417. sontag C 1471. D 1510. sontage B 1438. 

sun C 1477. son B 1418, 1437, 1442 (2), C 1471 (12), 
1472 (5), 1474. D 1494, 1510 (3), 1520 etc. — söhn D 1530 (3), 
1534 etc. 

sunder A 1352. B 1394, 1409, 1413, 1418, 1419, 1423, 

1426, 1427, 1428 (2), 1429 C. 1470 (4), 1471 (11), 

1472 (6), 1476 (4), 1477 (3). D 1524. 1530. ungesundert 
B 1408, 1417, 1418 (4), 1421, 1422, 1428, 1430, 1444. C fehlt. 
D 1520, 1524, 1534 (2). sunderlichen A 1352. B 1423, 1429, 
1435. 1443. C 1471, 1477 (5). D fehlt, sunderlich B 1424. 
C 1470. 1471, 1472 (2), 1476, 1477 (4). D 1540. hesundern 
B 1417, 1442, 1444 (2). C und D fehlen, sundern B 1444. 
C 1471. D fehlt. 

Die 0- Formen zu diesen 6 Beispielen erscheinen erst spät, 
verdrängen aber die u- Formen gänzlich. 

sonder D 1424, 1534 (2), 1555, 1560. ungesondert D 
1530 (2). ongesondert D 1524. sonderlich D 1520, 1560 (2). 



26 

besonder D 1530, 1555, 1560. besondem D 1530, 1534 (2). 
sondern D 1545, 1560. 

sust B 1424, 1428, 1429. C 1471 (3), 1477. D 1507, 
1524, 1530 (6). sost B 1422. sonst D 1524, 1534 (6), 1540, 
1545, 1555. sonsten D 1524 (4). 

Auch hier löst die o-Form die u-Form ab. 

frommer, frommen, fromelich ist ohne Korrelat belegt. 

Das Resultat ist, dass im 16. Jahrhundert die u- Formen 
durch die o- Formen ersetzt werden. Die nhd. Lautstufe ist 
erreicht. 

Ich wende mich nun zum zweiten Falle. 

= mhd. u, nhd. u. 

ons 1393 — orteils 1417, 1494; orteil 1418 (2), 1432, 
1443 (2), 1494 — ortil 1446 (3), 1447, 1472, 1507 — ortile 
1472 — orteilen 1494 - scholt 1442 (2) — toguntsamen 1507 

— toguntsame 1515, 1515 — notcz 1515 — not dorfft 1515 — 
on (Präfix in Zusammensetzungen wie onmundig, onbeweglich? 
onverbruchlich etc.; erst im 16. Jahrhdt.) 1524 (3), 1530 (3), 
1534 (4) 

Weitere Beiträge aus dem älteren Schlesisch bringt Rück. 
Entw. S. 41. Vgl. auch Grdriss § 29. - W. mhd. Gr. § 63. 
Bahder S. 3. 

Über das heutige Schlesisch vgl. W. Dial. S. 49, 50. 

In der Regel bleibt dies o noch unumgelautet: 

= mhd. ti. Sehr zahlreiche Beispiele: widirsproche 1352, 
obel 1389, 1435 (2) — obil 1443, 1445 (2), 1470 (2), 1471, 
1507 — obir 1352, 1359, 1389, 1393, 1396, 1417, 1418 (4), 

1421 (3), 1422 (6), 1423, 1424 (10), 1426 1471 (7), 

1472 (6), 1473, 1476 (2), 1477 (3), 1490, 1507, 1510, 1515 (3), 
1520 — ober 1357, 1403. 1417, 1418 (3), 1421 (2), 1424. . . ; 
bedorfen 1389, 1530 — dorftet 1472 — worde 1389, 1403, 1421 

— konige 1396, 1429, 1436 (2), 1470, 1471, 1477 (3) — 
konig 1423, 1443, 1470 (10), 1471 (15), 1472 (7), 1473, 1476, 
1477 (9) — konigis 1470(7), 1471, 1472 (5), 1473 (2), 1477 (2), 

— konigk 1530 — tochtigen 1403. 1423 — obrigen 1411, 1417, 
1423 — keiginwortig 1397 — globde 1418 (2), 1419, 1428 (2) 

— globden 1419 — mögen 1359 (2), 1418, 1420, 1471 (7), 
1472, 1477, 1494, 1515 — möge 1471, 1472 (2), 1530 - mog- 



27 



liehen 1471 — vormogen 1471, 1490 — montcz 1471 — un- 
vorbroehlich 1494, 1524 (2), 1534 (2) — geboren (1494) - 
monch 1530 (2) — geborlich 1534 .... etc. 

Dieses o ist charakteristisch für das md. Doch begegnen 
auch umgelautete Formen: 

B öbir 1424 (5), 1437 (2) — broche 1434 — mögen 1424. 
C mögen 1477 (3) — möge 1474, 1477 (2) — konig 1470 

— konigreich 1470. D mögen 1510, 1515, 1530 — - möge 
1510 — ober 1524 — unvorbröchlich 1507 — görtell 1510 (2) 

— bedörffen 1510 — houptkössen 1510 — geboret 1515 — 
gesmöcke 1515 — mögliechen 1560. 

Vereinzelt stehu C sone 1476, 1477 (2) — D sönen 1560. 
Vgl. Bahder S. 4. 

Der Umlatrt ist also im 16. Jahrhdt. besonders stark. 

Über den Lautwert vgl. Rück. Entw. S. 61. Ferner W. 
mhd. Gr. § 66. — Grdriss § 29. — Bahder S. 50. 

= mhd. 6. 

Ion 1394, 1472 (2) — lone 1411 — gehorsam 1489 . . . , 
1471, 1472, 1472 (2), — so, also (sehr häufig) — gros 1407 . . ; 
los 1410, 1413, 1415 . . . , 1490, 1507, 1515, 1530, 1560 — 
soch 1416 ... — not 1470, 1471 (2), 1472, 1477 — trost 
1472 - tode 1515, 1520 - Ostern 1507, 1510, 1524 ... 

Über dieses o ist nichts weiter zu bemerken. 

= mhd. ob: romischir 1352, 1359 — ungehorik 1359 — 
bozir 1389(2); bosin 1403; böser 1471; böse 1472(2) — böses 

1471 - bösen 1472, 1477 — hören 1403, 1518, 1433, 1445, 
1507 — gehört 1403, 1417 (2), 1440, 1470 — angehört 1413 

— gehören 1352, 1414 — angehöre 1412 — gehörende 1471 — 
zugehorunge 1403, 1477, 1534 — anhoreten 1524 — ohem 1408 

— Oheime 1423 — losen 1421, 1423, 1435 (2), 1441, 1507, 
1510 — gelost 1418 (2), 1424 — dirlosunge 1477 •— hogesten 
1428 — getröstet 1471 — noten 1471 — genotiget, genötigt 

1472 — vonnothen 1530 — stören, vorstorunge 1472 — schon- 
gewandt 1515 — schonen 1515 — Schonfeld 1534 etc. 

Der Umlaut fehlt also selbst im 16. Jahrhdt. noch. 
W. mhd. Gr. § 116. - Rück. Entw. S. 111. W. Dial.S. 51 
bringt nur 2 Fälle, darunter keinen aus dem heutigen Schlesisch. 



28 

In unsern Denkmälern findet sich aber auch der Umlaut 
des 6 bezeichnet, wenn gleich nicht sehr häufig. 

B Schon 1437. C trösten 1471 — noten 1714 — groste 
1476 — angehorte 1474 — storer 1474 (2), 1477 (2) — 
romischen 1477 (3) — angehören 1477 — boren 1477 (2) — 
geboren 1477. D schönen 1515 — lösen 1515 — gehören 
1524 (2) — hören 1560. 

Die Mehrheit der Fälle ist also bei C belegt! 

Hierher gehört auch als einziges Beispiel für e hechste 
1477. W. Dial. S. 35. - W. mhd. Gr. § 116. 

= mhd. ou. 

In A fehlt diese Erscheinung, ebenso in C. 

Im Übrigen tritt sie auf 

1) in Stammsilben vor einfachen Konsonanten. 
B logen 1408 — tog 1442 — erlobet 1443. 

D och 1490 (2), 1507. Doch kann diesem Worte auch mhd. 
eht zu Grunde liegen. 

2) in nebentoniger Stellung. 

B ufflofe 1417 — ufflofs 1433 — orlop 1431. 

3) vor Konsonantenverbindung. 

B koffluten 1433 (2) — koffmans 1433 — koflfslaen 1433 
— Bomgarten 1445. D bomgart 1540. 

Das Absterben dieses o ist klar. 

Vgl. W. mhd. Gr. § 112 — Rück. Entw. S. 53. Über den 
heutigen Dialekt handelt W. Dial. S. 53. Über die Kürzung 
des vgl. W. mhd. Gr. § 127. 

= mhd. e. 

wollen 1524 (6), 1530 (3), 1534 (2), 1560 (etc.) .... ist 
ins nhd. übernommen, w hat hier verdunkelnd gewirkt. 

= mhd. i, e. 

wost, wosten 1446. 

w hat auch hier verdunkelnd gewirkt. 

Es finden sich in unsern Denkmälern auch die u- Formen: 
wüste 1413, 1445 — gewust 1442 — wüsten 1442 — vorwust 
1494 (2) ~ wüst 1520. 



29 

Sie überwiegen der Zahl nach und sind ins nhd. übergegangen. 

= mhd. uo. 

Diese Erscheinung ist auf ein einziges Beispiel, most 1423, 
beschränkt, abgesehen von der allgemein gewordnen Namensform 
Conrad. 

Conrad 1418, 1419, 1421, 1424 (6), 1427 . . . . , 1471, 
1490 (3), 1530 (2) etc. — Conrads 1418 — Conradt 1515 (2) 

— Conradth 1520 — Conratswalde 1427 etc. W. mhd. Gr. 
§ 140, 141. 

= mhd. ü. 

Nur in nebentoniger Silbe und nur in C: nockboren 1471 (3), 
1472 — nockborschaft 1471. 

u. 

u = mhd. u. 

Sehr zahlreich belegt, soweit es nicht durch md. o verdrängt 
ist. Vgl. = mhd. u. burger, schult, schuldig, Vormunde, 
junge etc. etc, 

u = ml^d. ü: vruchten 1352 — dünken 1352 — kunig 
1352 (2), 1359, 1389 (2), 1394, 1422, 1423 (2). . . 1471 (3) — 
kunige 1352, 1359, 1389, 1421, 1423, 1424 (2) . . . wurde 1399, 
1403, 1411, 1417, 1420 (2), 1401 (2) ... 1471 (9), 1472, 
1490(2), 1494, 1507, 1510(4), 1520(2) - wurden 1420, 1424, 
1426, 1443, 1471 (3) — wurdet 1477 — für . . . 1403, 1407, 
1409 (2), 1413, 1415, 1417, 1426, 1428 (2), 1477 (4), 1494, 
1515 (2), 1524 (2), 1530 (6), 1334 (3), 1540, 1555 - furder 
1411 — fursten 1393 (3), 1418 (6), 1421, 1423, 1428 . . . 

1470, 1471 (6), 1472 (4), 1473, 1477 (2) — fürstlichen 1534 — 
ffurstentage 1510 — bürgen 1411 (2), 1418 (2) — stucke 1424 (2), 

1471, 1520 (2) — hantbuchse 1515 — glubden 1417, 1477, 
1515 — glubde 1472 — funff 1417, 1494, 1507, 1510 ~ 
duncket 1470, 1471 — über 1490, 1494 (6), 1510, 1515 (3), 
1524 (3), 1530, 1555 — schusseln 1515 (2) — schussel 1524 

— brücke 1524 — gepurlichen 1524 — übel 1530, 1534 — 
künftig 1530, 1534 — ansspruche 1534 — nüchtern 1534 — 
Nurenberg 1393 — Nurnbergk 1530 — Smidebrucken 1510 — 
Schubrucken 1560 etc. 



30 



Über das Fehlen des Umlautes im md. vgl. Grdriss. § 24. 
Ferner W. mhd. Gr. § 75. — W. Dial. S. 54. 

In unsern Denkmälern findet sich aber der Umlaut auch be- 
zeichnet, und zwar besonders seit dem 15. Jahrhdt.: A stücken 1352. 
B Günther 1423 — würde 1424 (2) — wiirden 1424 - fürsten 
1424 — ffiirsten 1436 (2) - biirgen 1424 — fiir 1433 — gurtil 
1434 — stiieke 1437 — steynbuchsen 1438. C würde 1471, 
1474 (3), 1477 — würden. 1474, 1476 — fürsten 1474, 1476, 
1477 (2) — fürste 1474 (3) — fürstenthum 1474 — fürsten- 
thumer 1477 — furstynne 1470 — bedürfen 1471 - küre 1477 

— schüczen 1474 — hinfüre 1474 — für 1477 (4) — drücken 
1477 (2) — nüczlich 1477. D würde 1507 — über 1507 — 
übrige 1507 — fürste 1534. 

Auffallend ist die geringe Anzahl von umgelauteten Formen 
in D gegenüber der Fülle von Fällen im 15. Jahrhdt. Über den 
Umlaut vgl. Rück. Entw. S. 66. — Bahder S. 4. — Über seine 
Schreibung vgl. Rück. Entw. S. 48 fif. 

u = mhd. uo. 

Ist durchaus durchgeführt; uo ist nie belegt. 

Beispiele: czu, zu, tun, thun, gute, gutes, buch, stulfeier, 
tuch, mutter, wuchern, bruder, schule, geruch, tut, fru, vorsucht, 
fus etc. etc. — Drechsl. S. 18. — W. mhd. Gr. § 108. — 
Grdriss. § 33. 

Doch zeigt sich neben u auch ue. Vgl. Bahder S. 4, 8. 

fueter 1403 — gueter 1408 -- guet 1411, 1420, 1433 (2) 

— guetlichen 1415 — tuen 1407, 1408, 1437 (3), 1439, 1440, 
1441, 1445, 1447, 1494 — thuen 1524 (7), 1530(5), 1555, 1560 

— guettern 1524 — guetter 1524 — frue 1417 — zue 1524, 
1555 (6), 1560. 

Bemerkenswert ist, dass ue bei C sich nicht findet. 

tuen (thuen) ist besonders häufig belegt. 

Der infin. en der andern st. und sw. verb. hat sicherlich 
eingewirkt. 

Neben czwue 1421 findet sich auch czwu 1408, 1411 (2), 
1417, 1418, 1440 — zwu 1408, 1524 (4), das ebenso wie jenes 
auf mhd. 6 zurückgeht. W. mhd. Gr. § 139. 



31 



u = mhd. tie. 

Diese Monophthongierung ist durchaus durchgedrungen und 
steht während der ganzen Zeit in Kraft. 

füren 1394, 1399, 1417 . . . 1471 (2), 1472 (2) — gefuret 
1394 (2), 1421, 1472, 1476 (2) — gefurt 1472, 1476 (3) — 
eingefurt 1471, 1472 — gutlich 1394, 1396, 1401, 1515 (2) — 
gutlichen 1413 (2), 1415 (2), 1417, 1420, 1424 — guter 1423, 
1471, 1476 (4) - gutter 1534, 1515 (2) — guttern 1534 — 
guther 1515 (3) — guthern 1515 — gutikeit 1477 — berurt 
1424, 1510, 1515 — berurte 1470, 1471 — obberurter 1530 

— obberurt 1545 ~ müssen 1471 (2), 1472 (2), 1476 (2), 
1530 — brudern 1520 (2) — gebrudern 1530 (3) - geprudern 
1530 — vergnügen 1515 (2) — gnuglich 1520 — altpusser 
1520 — etc. etc. Grdriss. § 33 (S. 564). - Rück. Entw. S. 45 

— Drechsl S. 18. 

Ein einziger Fall von ue ist mir begegnet in bruedern 
1560. — Bahder S. 4, 8. 

Bisweilen erscheint u = üe umgelautet: 

B genüge 1424 — gefurt 1433 — fiiget 1436 — miiste 
1436. — C fuge 1470 — muste 1476 — miissen 1476 — 
obberurten 1474 — betrüben 1474 — czuge 1477 — begnügen 
1477 — gebruder 1477 — gütlich 1477. — D gütter 1494 (2) 

— mütterlicher 1494 (2), 1507 — mütterlich 1494 — gebrüdern 
1494 — brüdern 1507 — mütterliche 1507 — gnügen 1507 — 
früwol 1545. 

über den Umlaut vgl. Rück. Entw. S. 67. — Über ü im 
späteren Schlesisch vgl. Drechsl. S. 19. 

Ebenso wie bei u = mhd. ü (vgl. oben S. 29 f) wird auch 
hier anzunehmen sein, dass die umlautlosen Formen wie die um- 
gelauteten gesprochen wurden, sicherlich in den Fällen, wo die 
umlautlosen Formen neben den umgelauteten einhergehen. 

u = mhd. iu. 

Der mhd. Laut ist in unsern Denkmälern wiedergegeben 
durch u, ü, ü, eu (aw nur in bestimmten Fällen). Am seltensten 
ist ü, das über das 15. Jahrhdt. nicht hinausreicht, und auch 
da nur sporadisch auftritt, u ist gleichfalls im Aussterben 
begriffen und reicht nur in dem Worte frund (und dessen Ab 



32 

leitungen) in das 16. Jahrhdt. hinein. Doch verschwindet auch 
dieses Wort in der Mitte des 16. Jahrhdts. Vielleicht erschwerte 
die Kürzung des u in frund (vgl. W. mhd. Gr. § 132) den 
Übergang zu eu. 

Über u vgl. W. mhd. Gr. § 132 — Grdriss § 41,2. Über 
den Lautwert des Umlautes ü vgl. Rück. Entw. S. 68 ff. 

lute A 1359. B 1389, 1403, 1417 (4). C 1471 (2), 1473 (6), 
1474. D fehlt, lute B 1420, 1433, 1445, 1446. lewte B 1424, 
1436. C 1471 (6), 1472 (2), 1473 (5), 1476 (2), 1477. D 1507, 
1530 (2), 1545 .... 

luten A 1352 (2), 1359. B 1403, 1417, 1421. luten C 1477. 
lewten C 1471, 1476, 1477. D 1507 (3), 1515 .... 

crucz B 1396, 1423. crucz B 1443. crewcze B 1422. 
D 1507 (2). 

geczuge A 1359. geczug B 1421. gecziig B 1370. geczeuge 
B 1421, 1433. D 1524. 

geczugnisse B 1408, 1313. C 1471. geczügnis C 1474. 
geczeugnis B 1424. obirczeugen B 1421. geczeuget D 1507 (3). 

getruen A 1352, 1359. luchtenden A 1352. luchtinde A 1359. 

hüte B 1433. hewte B 1426. C 1471 (3), 1477. D 1490, 
1510, 1520 .... 

vrunde B 1392. frunde C 1470, 1471 (4), 1476. D. 1507, 
1524. frunden B 1409, 1414. C 1470, 1471, 1477. D 1507, 
1515. frunt C 1470 (2). frund D 1494, 1510 (2), 1515 (2), 
1520 (2). frundt D 1472. fruntschaft C 1471 (2), 1472. D 1494, 
1515. gefrundeten D 1520. fruntliche B 1426. C 1476. D 1515. 
frtind D 1494. freund D 1524, 1530 (2), 1445, 1550 (3) . . . . 
ratfreundes D 1424 (2). ratfreundes D 1524 (2). ratsfreundt 
D 1530. freuntlich D 1530, 1534. freunden D 1530. 

Von 1530 ab ist nur eu in diesem Worte belegt. 

gebruwen B 1396. brewen B 1421. prewhaws B 1429. 
Lubus 1421 (3). — Leubus fehlt. 

Es folgen die Fälle, zu denen u (ti)- Korrelate nicht mehr 
belegt sind. 

rewen 1403 — - fewerwerk 1403 — geewssert 1412, 1510 

— euch, euer etc. — Preussen 1411 — newns 1418 — vornewet 
1472 — newekeit 1428 — deutschen 1471 (2) — czewhet 1471 

— gebewt 1477 — bedewtet 1472, 1477 — newhn 1490 — 



33 

newn 1520 — newnczig 1490 — leuchter 1515 — leuchtem 
1515 — ewssersten 1515 etc. Vgl. W. mhd. Gr. § 108. 

Der Fall, dass mhd. iu neben ü, ew, auch durch aw 
wiedergegeben wird, betrifft in unsern Denkmälern nur mhd. triuwe 
und dessen Ableitungen. 

Zur Herrschaft gelangt auch hier schliesslich eu, doch ist 
daneben aw noch im 16. Jahrhdt. vertreten, wenn auch selten, 
ü findet sich nur im Beginn der Periode. 

Über aw vgl. W. mhd. Gr. § 133. — Rück. Entw. S. 91. 

getrulich 1439 — trüe 1352, 1359 — getruen 1352 — getrawer 
B 1412, 1446 (3). C 1472. D 1507 (2), 1515. getrawir 
B 1446. trawen' B 1423. C 1471, 1474, 1477 (2). D 1524. 
trauen B 1440, 1442, 1444, 1445, getrawen B 1440. C 1471 (2), 
1472 (2), 1473. D 1490. getrauen B 1441. ungetrauen B 1430. 
getraw B 1439. getrawe D 1510. traw C 1471 (5), 1472. 
trawe C 1472. vortrawen D 1510. vortrawet D 1510. — traw- 
lich D 1510, 1515. 

Nach 1524 ist au (aw) nicht mehr belegt und ew (eu) wird 
die alleinherrschende Form. 

getrewlich C 1474, 1477 (4). D 1530, 1534. getrewen 
C 1471. getrew C 1477. trewlich D 1490, 1507, 1510, 1515, 
1524 (2) etc. 

u = mhd. ü. 

Ist im Aussterben begriffen. In der Zeit nach Esch. ist 
kein Beispiel mehr belegt. Fab. Frank (S. 106) fordert die 
Diphthongierung des u. Er stellt sie als oberlendisch im Gegen- 
satz zum Sprachgebrauch der Döringer und Niderlender hin. 

Über die Diphthongierung vgl. W. mhd. Gr. § 118. — 
Grdriss. § 35. 

hus B 1403 (3), 1408, 1417 (2), 1421, 1423 (2), 1432, 1442. 
huse B 1393, 1403. lut B 1418. us B 1403 (2), 1408 (3), 
1409, 1414 (2), 1417 (3), 1421, 1422, 1424, 1426, 1428, 1436, 
1433. C 1470, 1471 (4), 1476 (3). gebruchin A 1352. B 1403. 
tusunt B 1403. tusint B 1445. durchluchtigsten C 1470, 1477 
-- durchluchtigster C 1471, 1472 (2) — durchluchtikeit C 1471 (2) 
— irluchten C 1477. Dumloz B 1389, 1393. Dumelos B 1409. 

Arndt; Entwicklung der Breslauer Kanzleisprache. 3 



Czudmar 1409 (3) — Czudmars B 1893 — Lusicz C 1471 (3) 
— Hugwicz C 1471. 

In A ist wegen der geringen Anzahl von Urkunden leider 
nur eine Beispiel (gebruchin) belegt; an findet sich in A über- 
haupt nicht. 

Die Mehrzahl der Beispiele für u = mhd. ü stammt also 
aus B. Sie ist aber doch im Verhältnis zu der Fülle von 
diphthongirten Formen verschvt^indend klein. Diese einzeln auf- 
zuzählen ist nicht möglich. Auch genügt ja die Thatsache völlig, 
dass in D nur au -Formen noch vorhanden sind. Dadurch tritt 
der Übergang zum nhd. Sprachgebrauch ins hellste Licht. 
Summarisch mögen einige Beispiele angeführt werden: 
aws, haus, hawse, lav^te, lauten, awf, lautende, tawsent, 
kawme, awssen,. gebrauchen, mav^^er, gedawcht, grawsam, 
hav^sunge, prav^t, irlauchten, hawt, Daumoloz, Hawgwicz, 
Czawdmer, Sawpnig, Pawer, Hawnold etc. etc. 

u = mhd. e, i. 

hülfe 1471 (8), 1472 (8), 1477 — hulff 1494, 1515 — 
hulffe 1524 — hulff lieh 1510. 

wüste 1413, 1445 — gewust 1442 — wüsten 1442 — 
vorwust 1494 (2) — wüst 1520. — Letztere Formen sind nhd. 
W. mhd. Gr. § 50. - W. Dial. S. 56. 

Zu wüste, gewust etc. vgl. o = mhd. e, i. 

u = mhd. i. 

czwusschen 1447, 1524 — czwuschen 1510 (2), 1520, 1524, 
1530, 1534 (2) — zwuschen 1510, 1534 (2), 1540, 1545 (2), 
1555, 1560 (4). 

W. mhd. Gr. § 57. — Rück. Entw. S. 47. 

w hat verdunkelnd gewirkt. Daneben stehen tiberwiegend 
die i- Formen. 

u = mhd. e. 

wulde 1507, 1515 — wulden 1520. 

Auch hier hat w verdunkelnde Kraft geübt. 

Über u im Präfix zur — vgl. Präfixe. 



k 



35 



Dlphthongre. 
au. 

Belegt sind die Schreibungen au (aw) und ou (ow). In 
A ist nur ou (ow) vertreten, au bricht sich im 15. Jahrhdt. Bahn. 
Das letzte Beispiel für ou ist ouch 1524 (2). Von da ab ist mir 
nur au begegnet. Also vor der Mitte des 16. Jahrhdts. ist au 
(aw) durchgedrungen. Innerhalb des Zeitraumes steht au neben 
ou, doch nimmt naturgemäss ou nach dem Ende zu ab. 

Nur aw steht für mhd. iu in trawen, getrawer, getrawen etc. 
vgl. oben S. 32. 

Ferner ist nur ou belegt für mhd. o und mhd. u vor b in 
gloubten, gloubt, gloubden etc. vgl. unten. Diese Diphthongierung 
selbst ist zeitlich beschränkt, wovon weiter unten noch ge- 
handelt werden wird. 

Vgl. über die Schreibung W. mhd. Gr. § 127. — Rück. 
Entw. S. 89, 90. 

Die Schreibung au bezw. ihr Vordringen gegenüber ou ist 
auf bayr. Ostreich. Eiufluss zurückzuführen. (Rück. Entw. a. a. 0.). 

au = mhd. ou. 

Sehr zahlreich belegt die ganze Periode hindurch. Gerade 
hier stehen die verschiedenen Schreibungen nebeneinander. 

Einige Fälle: frau, frowen, frawen, vorkaufft, vorcoufft, 
auch, ouch, owgen, vorlawfen, glauben, berowben etc. 

Über das nicht umgelautete ou im Schlesischen vgl. W. 
Dial. S. 60. 

au = mhd. ü. 
vgl. u. 

au, ou = mhd. u. 

beschauldigte 1389 — gloubden 1428 (mhd. glubde). 
W. mhd. Gr. § 64. — Rück. Entw. S. 93. 

Diese Erscheinung ist also selten und nur im Anfang belegt. 

au = mhd. iu. 
vgl. u. 

ou = mhd. 0. 

gloubte 1424 (3), 1426 (2) — gloubt 1424 (4), 1426 (2), 
1428 (6) — gloubende 1424. 

3* 



^36 

Diese Erscheinung reicht also nicht über die Mitte des 
15. Jahrhts. hinaus. Sonst sind nur die o- Formen belegt. 
Rück. Entw. S. 115. — W. mhd. Gr. § 64. — Über diesen 
Laut im späteren Schlesisch vgl. Drechsl. S. 27. — W. Dial. 
S. 61. 

ei. 

ei = mhd. ei. 

Sehr zahlreich belegt. 

Über e = mhd. ei vgl. e. 

Das alte ei wird gegen Ende der Periode hin stark durch 
ai zurückgedrängt. Im 16. Jahrhdt. steht fast ausschliesslich ai. 
Auch hierin zeigt sich obd. Einfluss. In A ist ai nicht belegt. 
B Mayberg 1407. — Schiaispech 1413. C kaiser 1471 (3), 
1472 (12), 1477 (4) — kaisers 1471 (4), 1472 (3), 1477 — 
kaiserlich 1477 — kaiserliche 1477 (2) — kaiserlicher 1477 — 
kaiserlichen 1471, 1472, 1477 — raisigen 1471 — laider 1471, 
1477 — laisten 1472 — geraicht 1477 — uffraichen 1515 — 
craissen 1474 (2) — craiscz 1474 — craisses 1477. D kaisers 
1515 — entschaiden 1490, 1510, 1515 — beschaid 1507 (2), 
1510, 1520 — zugeaigent 1507 (2), 1510, 1530 — beschaiden 
1507, 1510 — hailigen 1507 (2) — gaistlichen 1507, 1510 
1515 — gaistlich 1530 (8), 1534 (2), 1540 ... — tail (tayl) 
1507, 1515, 1520 (5), 1524 (2), 1530 (2) — tails 1515 (2), 
1524 (3), 1530, 1534 — tailen 1515 (2), 1524 — aigen 1515 (2), 
1524 — aigenthumb 1524 — aigenen 1530, 1560 — aigener 
1530 — vorainigt 1520 — czway 1520 — baide 1520, 1524 
baiden 1524 (3) — baider 1524, 1530 (2) -- arbait 1510 — 
arbaitten 1530 — kayne 1524 (2), 1530 (4) — aine 1514 — 
ain 1530 — ainander 1524 — ainen 1524 — angezaigte 1530, 
1540 — geraichent 1524 — raichunge 1524 — furraichen 1524 
— gemaine 1524 — pechstain 1530 — klayder 1530 — 
maister 1534 — gemaint 1534 — stain 1534 — ailff 1540 — 
claydungk 1540 

Beachtung verdient die Seltenheit des ai in B und das un- 
geheure Anwachsen in D. 

Freilich ist nhd. ausser in Mayberg, kaiser (und Ableitungen) 
sonst ei gewahrt. 



37 



Auch in den Ableitungssilben -heit, -keit ist ai belegt. 

'hait. D sicherhait 1490 — freihait 1510 — sunder- 
hait 1515. 

kait C gerechtigkait 1477 — herlichkaiten 1477. D ge- 
rechtigkait 1515, 1524, 1534, 1540, 1555 — gerechtikait 1530 

— redlichkait 1530 — durchlauchtigkait 1524. 

Über ai vgl. W. mhd. Gr. § 124. — Rück. Entw. S. 84. 

— Drechsl. S. 26. — Bahder S. 4, 8. 

ei < mhd. — ege ist in unsern Denkmälern selten und nur 
im Anfang belegt (vgl. ai < — age). 

weyne 1389, 1392 (2), 1394, 1396, 1397 — wein 1393 — 
teidinges 1389 — teydingen 1425 — umbeteidingt 1437 — 
leyt 1440 - getreide 1403, 1445. 

Im Übrigen vgl. Rück. Entw. S. 94. 

ei = mhd. i. 

vgl. i. 

ei = mhd. e. 

Dieser Diphthong entsteht nur vor g und nur in dem 
Worte keigen. 

keigen 1393, 1394, 1447 — keigin 1389 (2), 1394, 1398 (2) 

— keigenwertikeit 1424 — keigenwortikeit 1445 — keigin- 
wortig 1399. — W. mhd. Gr. § 29. — Rück. Entw. S. 99. 

In unsern Deukmälern ist also dieses ei selten und auf den 
Beginn der Periode beschränkt. 

ei = mhd. e. 

orfeide 1418, 1428, 1433 — feiden 1418, 1428 — Heylias 1417. 

Seltene Erscheinung. W. mhd. Gr. § 100. Beispiele aus 
dem älteren Schlesisch bringt Rück. Entw. S. 99. über ei im 
heutigen Schlesisch vgl. W. Dial. S. 46. 

ei = mhd. i. 

seint 1413, 1414, 1418. 1436 (2), 1446, 1490 (3) — seind 
1437 (2), 1438. 

Im 16. Jahrhdt. ist diese Form ausgestorben, welche durch 
Analogie zu der 1. und 2. p. pl. ind. praes. beeinflusst ist. W. 
mhd. Gr. § 48. — Rück. Entw. S. 99, 100. 



38 



ai. 

ai = mhd. ei vgl. ei. 

ai < — mhd. age. 

wayne 1389 — waynfard 1417 — besait 1393 — be- 
taidingt 1477 — betaidigunge 1477 — Falkenhayn 1413 — 
Bergershayn 1426 (2) — Kirchhayn 1436 — Rosenhayn 1507. 

Über die Auflösung des g bezw. seine Vokalisierung zu i 
vgl. W. mhd. Gr. § 33. — Rück. Entw. S. 85, wo noch Bei- 
spiele gegeben werden. — Bahder S. 50. 

Im 16. Jahrhdt. ist dieses ai ausser in — hayn nicht mehr 
vertreten. Ausserdem steht schon mhd. hain neben hagen. Auch 
ist hain ins nhd. übernommen. 

F. Frangk S. 107 tadelt ai: »Auch ist zu merken | das 
diese duplirte Stimmer | ay | ay, oy, 6y | wenn sie ausserhalb | 
der eigenen Nahmen befunden | werden sie zu unrecht an stat 
des ag I odder age | braucht | wie jnn den Worten yait | hail | 
erschlain (beim Schlesier) zu verstehenn ist | weil von rechte | 
also sehen solt | jagt | hagel | erschlagen.« 

Er gesteht dem ai also nur in Eigennamen Berechtigung zu. 

eu. 

eu = mhd. iu, vgl. u = mhd. iu. 

eu = mhd. ou. A vorkeufen, heubtmanne. B teufers 1411, 
1413, 1415 — teuffers 1444, 1445, 1446 — vorkewfen 1413, 

1436, 1437 - kewffen 1433, 1444, 1446 (2) — kewfen 1437 
— gleubebriefe 1421 (2) — gleuben 1440, 1441 — dirleubt 

1437, 1439 — reuffen 1444 — heuptman 1436 (2) — heupt- 
leute 1436. C heuptman 1473 — heupt 1477. D vorkeuffen 
1490, 1507, 1515 — keuffer 1540 (3), 1545, 1560 — vor- 
keuffern 1540, 1545 — vorkeuffer 1540 — keuf liehen 1540 — 
erlewbet 1490. 

W. mhd. Gr. § 128. 

Von diesen Formen sind ins nhd. übernommen die Sub- 
stantive auf -er und die Adjektive auf -lieh. 

Der Umlaut des ou ist als berechtigt anzusehen, da i ur- 
sprünglich auf den Diphthong folgte, das im Laufe der Sprach 
entwicklung geschwunden ist. (heupt: got. haubith; gleuben: 
got. galaubjan etc.) Vgl. Rück. Entw. S. 63. 



39 

Durchaus ins nhd. übernommen wurde der Umlaut des au, 
welchem mhd. ü gegenübersteht. 

rewmen 1403 (2), 1437, 1530, 1534 — entrewmen 1429, 
1433, 1530 etc. — eingerewmet 1530 — eingereumbt 1540 (2) 
— sewmen 1471 — vorseumpt 1442 — sewmig 1515. 

Die u bezw. au- Formen sind während der ganzen Zeit mit 
keinem Beispiel belegt. 

Schliesslich ist zu nennen eu als Vertretung von mhd. eu, öu, 
wie sie sich findet in gedrewit 1434 — drewer 1436 — gleubigern 
1443 — frewde 1471 — gefrewet 1472 — frewet 1477 — 
zustrewt 1476 ~ lewfe 1477 — czwelewftig 1477. 

Dieser Umlaut entspricht durchaus dem nhd. Sprach- 
gebrauche. 

Er wird stets eu (ew) geschrieben. Nur ein Beispiel für öu 
ist belegt: gedröwht 1417. Über die Schreibung eu für öu vgl. 
Rück. Entw. S. 105. 

ie vgl. i. 
Dieser Diphthong ist in allen seinen Entwicklungsphasen 
unter i schon behandelt, weshalb ich hier nur auf i verweise. 

oe. 

oe bezeichnet nie den Umlaut, sondern immer langes o 
Es entspricht 

1. mhd. 6 in loes 1424 W. mhd. Gr. § 113. 

2. mhd. u in soen 1426. Rück. Ent. S. 111. 

3. mhd. ä: 

a) empfoen 1430, 1437, 1440 — entphoen 1524 — getoen 
1507 (2), 1510 (2), 1515 (3), 1520 - gethoen 1507. 

b) pfoel 1510 — gedoechter 1530. 

Bemerkenswert ist, dass diese Bezeichnung in C unbekannt 
ist und dass oe für ä im 16. Jahrhdt. zunimmt. W. mhd. Gr. § 91. 
— Rück. Entw. S. 111. 

Entsprechend findet sich ae für ä, in koflfslaen 1433 — 
gethaen 1524. 

In ersterem Falle ist ursprüngliches h zwischen a und e 
ausgefallen, im zweiten Falle liegt Anlehnung an die Bildung 



40 



der andern Partizipia auf — en vor. So natürlich auch bei 
oe 3, a. Rück. Entw. S. 83. 

oi. 

oi < mhd. oge durch Konsonantenausstossung bezw. Vokali- 
sierung. 

foit 1403, 1439, 1474 (3), 1515 — foyt 1474 (2), 1534 — 
voyt 1515, 1545 - voites 1437 — foytis 1474 — foyte 1474 

— Foytynne 1446. W. mhd. Gr. 69. 

oi = mhd. 6. 

grois 1507, 1515, 1524 — groiste 1524 — lois 1507 (4), 
1510 (8), 1515 (2), 1520 (4), 1524 (6), 1530 (7), 1534 (4), 
1540, 1550. 

Beachtung verdient, dass oi erst im 16. Jahrhdt. aufkommt. 
Um die Mitte des 16. Jahrhdts. treten die o- Formen neben die 
oi-Formen wieder ein. W. mhd. Gr. § 113. — Rück. Entw. 
S. 113. 

ue. 

Vgl. u = mhd. uo und mhd. üe S. 30 f. 

Sonst ist ue nicht belegt. 

Vokallsmus der Nebensilben. 
A. Präfixe. 

Id Betracht kommen ge, be, ver, ent, er, zer. 

ge sehr zahlreich vertreten, i findet sich in diesem Präfix 
nie. e wird elidiert vor 1, m, n, w. z. B. globt, glouben, 
glubde, gloubte, unglouben, glucke, gleite — gmeyne — gnade, 
gnode, gnediglich, gnomen, gnug, obgnante — gwicze (nur 1439). 

— W. mhd. Gr. § 79. — Grdrss. § 55, 3. 

Diese Elision ist noch im 16. Jahrdt. in voller Kraft. — 
Vgl. aber Bahder S. 4. 

Häufig fehlt das ganze Präfix in part. praet. Wie schon 
im ahd. und mhd. findet sich diese Erscheinung bei komen, 
worden, bracht, vundin. Sie ist aber, wie überhaupt im md., 
verallgemeinert und auch belegt bei kaufft, abegangen^ wolt, 
mocht, czogen etc. Grdriss. § 55, 3. 

Im 16. Jahrhdt. nimmt diese Erscheinung ab, doch ist ge 
nicht allgemein durchgeführt, worden ist ins nhd. übergegangen. 



41 

be. i ist nie in dem Präfix belegt. 

Vor 1 wird e elidiert: bleiben, blebin etc. W. mbd. Gr. 
§ 79. — Grdriss. § 55, 3. — Bahder S. 4. 

ver. Dieses Präfix erscheint sowohl als ver, wie in den 
speziell nid. Formen vor, für. 

vor ist am häufigsten gebraucht, für am seltensten. 

Im 16. Jahrhdt. wechseln ver und vor gleichmässig, so dass 
für diese beiden Formen ein bestimmtes unterschiedliches Ver- 
hältnis nicht anzugeben ist. In A, B und C tiberwiegt vor. 

Grdriss. § 55: Präfix vor ist wohl eine Anlehnung an die 
Präposition vor. W. mhd. Gr. §§ 83, 84. — Bahder S. 50. — 
Die Ansicht Rück. (Entw. S. 42), dass vor erst aus vur ab- 
geleitet sei, erscheint mir unwahrscheinlich. 

F. Frangk S. 107 sieht vor als das Ursprüngliche und ver 
als Kürzung an: >Wenn das o und u im aussprechen kurtz 
sein I werden sie auch ettwan jus e gewandelt | . . . . So sie 
aber langk sein im aussprechen | Odder ein ander Stimmer (das 
ettliche wollen) jnn der nehstfolgenden silben nach jnen gehet | 

bleiben sie unverwechselt Also wirds auch verstanden 

unnd gehalten jnn dem wortlin (vor) wenns für odder an | ein 
ander wort gesatzt | und gefuget wirdt | als verbundenn | ver- 
wircken etc. | für vorbundenn | vorwircken « 

ver: verlorn, vermachet, verschreiben, versigelt, verneme- 
lichen, vergangen, verrichtet, verdencken, verdienen, verbürgen, 
versagen, verschulden etc. 

vor: vorlorn, vorantwort, vorlobt, vorczegen, vorfallin, vor- 
raichen, vormachen, vorkaufft, vorwesern, vorretnis, vorreter, vor- 
cziehen, vorsuchen, vordencken, vorsigelt, vor wissen, unvorczoge- 
lieh, unvorbruchlich, vorweiset, vorpfenden^ vorgeben etc. 

Weitere Beispiele bei Drechsl. S. 17. — W. Dial. S. 51. 

für B furlon — C furnemens, furgibt, furseczet — D fur- 
andert, furraichen, furtragen. 

für mag auch beeinflusst sein von mhd. vür. 

ent. Dieses Präfix ist belegt als ent, en, em. en steht in 
der ersten Zeit noch vor Labialis: enpfremden 1389 — en- 
pfohen 1407 — enpfahn, enphangen 1408 — enpfangen 1417, 
1421. Später nicht mehr. 



42 



Allmählich wird n > m vor Labialis: empfangen, empfohen, 
emprochen, emperen etc. 

ent ist belegt: eutwerren, entschulden, entscheid, entrewmen, 
entrichten, entwenden, entrittcn, entfuren etc. 

ent steht also in den Fällen, wo nicht eine Labialis folgt. 

er ist belegt als er, der, ir, dir. W. mhd. Gr. § 81. — 
Kück. Entw. S. 34, 35. 

Über das euphonische d handelt . Rück. Entw. S. 138, 139. 

er: erfunden, erczeleii, erkennen, erhebin, erfroget, erlobet, 
erstatten, erlanget, erbotten, erweckende, ercleret, erkoren, er- 
dencken etc. etc. — er ist die weitaus herrschende Form. 

ir: jrkente 1421 — irlauchten 1477 (3) — irluchten 1477 

— irlauchte 1534 — irkant 1490 — irdencken 1497 — irwecken, 
irgangen 1359. — Im 16. Jahrhdt. ist nur die eine Form ir- 
lauchte belegt. 

der: derhalen 1419 — derbot 1429 — derfaren 1417 (2). 

— dir B dirfordert 1408, 1409 — dirfaren 1414, 1417 (2), 
1421 (2) - dirholet 1417 — dirkennen 1424, 1430 (2), 1431, 
1436, 1445, 1446 — dirkant 1433 — dirkentnis 1445 — dir- 
fundeu 1433, 1442 — dirlewbt 1437 — dirlewbit 1439 — dir- 
lossen 1440 — dirmorden 1440 — dirbietunge 1412 — dir- 
gangen 1442 — dirczalt 1442 — dirboten 1442. — C dirbotten 

1471 — dirschrecken 1471 — dirschrocken 1472 — dirleschen 

1472 — dirloubunge 1476 (2) — dirlosunge 1477. — D dir- 
kentnis 1507 — dirlossen 1507. 

Das Absterben von dir ist deutlich zu sehen. Im 16. Jahrhdt. 
sind mir nur die zwei Formen begegnet. 

Falsche Analogie liegt vor in dirniderligt 1476. 

zer. Dieses Präfix erscheint mit unbestimmt geschwächtem 
Vokal, der u geschrieben wird. W. mhd. Gr. § 84. — Rück. 
Entw. S. 47. — Bahder S. 50. 

Ausserdem schwindet r. — W. mhd. Gr. § 214. 

Grdriss. § 55 erklärt zu < zur als Anlehnung an die Prä- 
position. 

Beispiele: czubrochen 1434 — zuhauen 1440 (2) — zurissen 
1472 — zustrewt 1476. — Aus dem 16 Jahrhdt. sind mir keine 
Beispiele bekannt; nur zer ist belegt. Weitere Belege bei 
Drecbsl. S. 18. — W. Dial. S. 57. 



43 



B. Mittel- und Endsilben. 

Die md. Schreibung i für e in geschwächten Mittel- und 
Endsilben herrscht in B, nimmt in C und D ab. Im 16. Jahrhdt. 
ist mir nur obinde 1524 als letzte Form begegnet. 

Die Zahl der einzelnen Fälle ist so gross, dass es nicht 
möglich ist, eine Statistik zu geben. Ich beschränke mich daher 
auf einzelne Beispiele: kegin, gebin, blebin, unsir, schreibin, 
beczalin^ globit, vorrichtit, stehit, erloubit, lawfin etc. W. mhd. 
Gr. § 81. — Rück. Entw. S. 34. — Bahder S. 50. 

Ausser durch i wird der tonlose Vokal durch a bezeichnet: 
nur in owande 1399. W. mhd. Gr. § 82. 

Eine dunklere Färbung des Vokals ist o in den Eigennamen 
Hannos 1394 (2), 1409, 1414, 1417 (3), 1423 (2), 1424 (5), 
1447 (6) — Andros 1410 — Jawor 1442—1471. Im 16. Jahrhdt. 
existieren solche Formen nicht mehr. W. mhd. Gr. § 83. 

In den genannten Fällen ist wohl mit Sicherheit polnischer 
Einfluss anzunehmen. 

Eine noch dunklere Färbung ist u: 

B abund 1399, 1440 — abunde 1393 (3), 1396, 1397, 1447 

— obund 1421 — obunde 1419, 1446 — tusunt 1403 — 
tawsund 1440 (3) — jogunt 1440 — toguntliche 1445, 1446 

— achczug 1U2, 1445 — harnusch 1393 — Willusch (3), 
Willuschynne 1446 — Oppuln 1442. — C Oppuln 1471, 1477. 
D toguntsamen 1507 — toguntsame 1510, 1515. -- Sodann in 
der Ableitungssilbe — nus (schon ahd. — nussi neben — nissi) 
gefen^knus 1520 — hindernus 1520 — hindernuss 1524 (4) — 
gedechtnuss 1520 — bekentnus 1534 — erkentnus 1545, 1555. 

— Vgl. Bahder S. 50. 

Im 16. Jahrhdt. tritt demnach die Verdunklung der Ab- 
leitungssilbe — nis besonders hervor. W. mhd. Gr. § 268. — 
Rück. Entw. S. 47. 

mhd. sere > er: dorffer, schuler, tewffer, wechseler, ritter, 
worffeler etc. 

Die nhd. Formen sind durchgedrungen. 

Ferner: erber 1423, 1424, 1436 (2), 1440, 1444, 1471. — 
erbern 1419, 1421, 1423, 1408, 1433, 1437, 1440 (2), 1441. 
1442, 1442, 1446 (2), 1447. — C: erbern, erberlich. 



44 

Daneben steht erbar etc. Im 16. Jahrhdt. ist erbar die 
herrschende Form. 

Die Entwicklung erbsere > erber ist analog alwaere > alber(n). 

ci > e in nebentonigen Silben. 

B ohem 1408, 1423 — erbet 1424 (2) — firtel 1423 - 
virtel 1424 — viertel 1426 — ortil 1446 — scholtis 1447. ~ 
C ortil, ortile. — D ortil 1507 - virtel 1524. 

Im 16. Jahrhdt. also nur zwei Formen, die ausserdem ins 
nhd. übernommen sind. W. mhd. Gr. § 80. — Grdriss. § 54. 

t > i in nebentonigen Silben: C Schewrlin, Fridrichs. — 
D Friderich 1520 (2). 

Schwächung liegt auch vor in Eigennamen wie Andris, 
Andres, Mathis. — So noch im 16. Jahrhdt. 

ü > e: nockweren 1477. Dies ist das einzige Beispiel. 

Das von des diu aus durch die Mittelform deste hindurch 
gegangene destir (C) erklärt sich als falsche Nachbildung des 
Komparativ. W. mhd. Gr. § 213. 

a > e: amecht 1352 (2), 1426, 1439. — C amechte 1426 

— Czawdmer 1426 — achtperkeit 1352. 

Zahlreich ist belegt Hungern, Ungern, ungerisch, hungerisch. 
Im 16. Jahrhdt. tritt aber a ein: hungarisch 1530, 1534, 1540 
(3) etc. 

> e: geantwert 1411 (2), 1413, 1417, 1418 (2), 1421 (2), 
1424 (3), 1440, 1442 (3) — antwerte 1411, 1442 — antwerten 
1411 (2), 1413, 1418, 1421, 1424 (2), 1440 (3), 1442 (2), ,1444, 
1445, 1446 (7), 1447 — Gregersdorf 1428. — In C und D 
fehlen solche Formen. 

Die Qualität des Mittelvokals ist bisweilen beeinflusst durch 
die Vokale der Umgebung, saffaran 1393 — Daumoloz 1393. 

— Daneben stehen safferan, Dumeloz. 

Im übrigen bleiben diese Fälle auf das 14. Jahrhdt. be- 
schränkt. 

Der Mittelvokal fällt manchmal aus: Dortea 1403 — Venedgin, 
Venedgen 1394 — Margrit 1408 (2), 1417, 1419 — Salmon 1428 

— apteke 1422. Daneben stehen die nicht synkopierten Formen, 
wie sie im 16. Jahrhdt. allein belegt sind. 



45 

Über das Abschleifen der Endsilbe -et bezw. die Synkope 
von e im part. praet. sw. verb. (Dentalstämme) vgl. unter t im 
Auslaut. 

Die Endungssilbe -en der Flexion fällt bei part. praet. 
st. veib. und Adjektiven, die auf -en endigen. 

B eigen (dat.) 1408 — seyme eigen holcze 1420 — die 
gefangen (pl.) 1423 (2) — von den obgeschreben marken 1428 

— des vorgeschrebin geldis 1428 — den vergangen tag 1420 

— etc. — des obgeschreben hawses, von gesneten delen 1428. 

— C die gefangen — von etlichen gefangen wegen — am 
nehst vorgangen tage. — In D treten die vollen Formen wieder 
ein. Rück. Entw. S. 214. 

Ebenso ist das Verhältnis im gen. sing, der st. Flexion: 
B bekentnys (g.) 1370 — des gefenknis wegen 1417, 1431. — 
C dis tages. — D fehlt. Rück. Entw. S. 216. 

Konsonantismus. 

A. Sonore Konsonanten. 

1- IE3Ialbvok.ale- 

w. 

Über den Wechsel von w und b vgl. b. 

w im Anlaut der Relativpronomina und -adverbia findet sich 
durchaus, sw ist nur belegt: swi 1352. 

Beispiele: wer, welcher, was, wo, wen, wenn etc. 

Grdriss. § 83, 4: Dass die relativischen wer, welcher, wo 
des nhd. unter Abfall des s aus swer, swelcher, swä des mhd. 
entstanden, ist schwerlich richtig; es liegt im nhd. syntaktische 
Entwicklung aus dem Frageprognomen vor. 

euwire, euwern 1436. Nur diese zwei Fälle sind belegt. 
Rück. Entw. S. 130: Der Halbvokal w hat wenigstens eine sehr 
leichte, kaum hörbare Aussprache in solchen Fällen angenommen. 

j. 

Über j im Anlaut und Wechsel mit g vgl. S. 54. 
Sonst ist j nicht belegt. 



46 

S- Liquidae- 
r. 

Auslautendes r vor vokalischem Anlaut des folgenden Wortes 
bleibt gewahrt: daran, dorumbe, darin etc. Vgl. Grdriss. § 75. 

Sonantisch ist r in donrstages 1418, 1419, 1445. — ewrs, 
ewrm 1470. 

1. 

Bietet nichts Bemerkenswertes. — über 11 vgl. Gemination. 
Über 1 in werlt etc. vgl. Konsonantenverbindung. 

3- nSTasale- 
m. 

Im Suffix -em hält sich altes m in besem 1436. — Weitere 
Belege bei Drechsl. S. 30. 

Über mm vgl. Gemination. — Über mb und m < n vor 
Labialis vgl. Konsonantenverbindug. 

n. 

n bietet nichts Bemerkenswertes. — Über nn vgl. Gemination, 
n > m vgl. Konsonantenverbindung. 

B. Geräuschlaute. 

1- Ijabiale. 

P 

p anlautend = mhd. p. 

Nur in Fremdworten : pristern^ prelaten, papir, probist, paten, 
pulver, personen, piper, protestirten, processen, Privilegien, preisen, 
Patriarch etc. 

p = mhd. b vgl. b. 

Auslautend p = mhd. p vgl. b. 

pf. 

Die Affrikataverschiebung des p ist durchgeführt ausser in 
der Gemination, wo unverschobenes pp wie heute in der Mund- 
art fortbesteht. Nur vereinzelt zeigt sich hier durch obd. 
Einfluss ppf. 

Die Labialaffrikata wird geschrieben pf, ph, ppf, pph. Am 
häufigsten ist pf. Im 16. Jahrhdt. ist ph nur belegt in ver- 
phenden 1530 — entphoen 1524. Sonst steht im Anlaut nur pf. 



47 



ph: pliert, phlichtig, vorphenden, gotsphennig, verphendeii; 
entphoen. 

pf: pfund, pfyngsten, pfluger, pfand, pferde, pflicht, pflichtig, 
pfiogsten, pfarrer, vorpfenden, pflegen, pfennig etc. etc. 

Bemerkenswert ist, dass kein einfaches f im Anlaut wie 
jetzt in der Mundart belegt ist. Vielmehr wird unter Einfluss 
von vorangehendem n, im Präfix en-, altes v zu pf (ph): 
enpfremden 1399 — enpfangen 1417, 1421 — enphangen, 
enphan 1408, 

n > m vor p: empfangen 1421, 1422, 1424 (3) etc. — 
empfurt 1424. 

Weiterhin tritt wieder ent- für en- ein: entp fangen 1417 

— entphangen 1426, 1507 — entphoen 1524. W. mhd. Gr. 
§ 171. 

Die Verdoppelungen ppf (pph) erscheinen nur inlautend. 

ppf: hoppfenhawze 1417 — hoppfen 1417 — hoppfe 1421 

— oppfern 1444 (2). 

pph: schepphin 1389 — schepphen 1414. — Beispiele für 
die Verdoppelung, die schon ahd. häufig war, bringt aus dem 

14. Jahrhdt. Rück. Entw. S. 180. 

In unsern Denkmälern reichen sie nicht über die Mitte des 

15. Jahrhdts. hinaus. 

Im Auslaut ist bemerkenswert scharpfi" 1530. obd. Einfluss 
liegt vor. W. mhd. Gr. § 171. — Bahder S. 50, 52. 

Unverschobenes pp ist bezeugt in scheppin 1393, 1447 — 
scheppen 1417, 1418, 1441, 1442 (4), 1447 (2), 1494 (2), 1507, 
1515 — scheppenbriife 1446 — scheppenschreiber 1530, 1560 

— stadtscheppen 1540 — freienscheppen 1442 — scheppe 1447 

— copper 1440 — coppers 1440 (2) — coppe 1437. 

Auslautend topp 1515. 

Über diese echt md. Erscheinung vgl. W. mhd. Gr. § 167. 

— Rück. Entw. S. 178. 

b. 

b entspricht anlautend mhd. b. 

b und V (w) w^echseln: Vyndoff 1393 — Byndoffynne 1417 
nockweren 1477 — nockboren 1471 (2), 1472. — Über nockweren 



48 

vgl. Rück. Entw. S. 132. — Im Übrigen siehe Rück. Entw. 
S. 123. — W. mhd. Gr. § IGl. — Aus dem heutigen Schlesisch 
führt W. Dial. S. 72 nur ein Beispiel an. Ebenso Drechsl. S. 28. 

Oft wird b durch p ersetzt. Die Beispiele häufen sich 
gegen Ende der Periode. 

Über die Verhärtung von b zu p vgl. W. mhd. Gr. § 166. 

Allgemein md. ist sie unter dem Einfluss eines unmittelbar 
vorangehenden Konsonanten, nach dem Präfix en- und in Zu- 
sammensetzungen. 

emperen 1436, 1472 — empor 1438 — emprechen 1445 

— emprochen 1445 — Wiltperg 1427 — Hymperger 1440 — 
Regenspurg 1471 — Kottenperge 1494 — Schiltperg 1515 — 
achtpar 1515 — achtparen 1507, 1510 — altpusser 1510, 1520, 
1524 — wiltpannen 1477 — achtperkeit 1352 — weichpildes 1530. 

Über p als Anlaut im zweiten Teil eines Kompositum vgl. 
Rück. Entw. S. 125. 

Speziell hessisch, thüringisch, ostdeutsch ist p für b vor 
dunklen Vokalen und r (1). 

B prewhaws 1429. — C praut 1473 — prawt 1476. — 
D prüder 1507 (2), 1520 — pruders 1507 — gepruder 1507 (3), 
1510, 1520 (2) — gepruders 1507 - prudein 1524 — ge- 
prudern 1530 — geprauchen 1507, 1515 — prauchen 1515 — 
einprengen 1524 — pringen 1524 — gepracht 1524 — abpruch 
1524 — unverpruchlich 1524. 

pleiben 1510, 1515 (2), 1530 — pleibet, plieben 1524. 

hochgepornen 1507 — gepurlichen 1507 — ungepurlich 
1524 — gepuren 1510 — purger 1510, 1515, 1520 (2), 1530 

— mitpurger 1524, 1530 — mitpurgern 1510 (2), 1515 (2) — 
gepotten 1510 — Pauer 1540 — gepauer 1515 (2). 

Schlesische Schriften haben dieses p im 14. und 15. Jahrhdt. 
auch vor hellen Vokalen. 

B perlin 1418 — Peyer 1440 — par 1440 (2). — C pabst 
1477 — panne 1477 — gepieten 1477 — Pehem 1477. — 
D parem 1507, 1510, 1515, 1520 — parschaft 1507 — Parch- 
witz 1524 — paren 1524 — pechstein 1530 — pestenn 1530 

— pillich 1534. 



49 

Über den Lautstand im heutigen Schlesisch vgl. W. Dial. 
S. 71. — Weitere Beispiele bei Drechsl 29. — Über die Er- 
scheinung im allgemeinen vgl. Grdriss § 95. 

Inlautendes b = mhd. b. 

b wechselt mit w: owande 1399. 

Der Stadtschreiber, dem diese vereinzelte Form zuzuweisen 
sein wird, ist Paul Lynke, der 1391—1400 wahrscheinlich allein 
angestellt war (vgl. Einleitung). Er stammt aus Danzig. In 
den Signaturen wird er gewöhnlich nur Paulus, der Stadt- 
schreiber^ genannt. Im Jahre 1384 trat er sein Amt an und 
scheint 1397 vorübergehend seines Amtes entsetzt gewesen zu 
sein. Wirklich verabschiedet erscheint er erst 1409. Er starb 
1419. Über ihn vgl. A. Schultz: Die Stadtschreiber im 14. und 
15. Jahrhdt. (Ztschrft. d. V. f. Gesch. u. Alt. Schles. Bd. X, 
S. 158.) 

Zu der sprachlichen Erscheinung vgl. v. d. Hagens 
Germania IX (1850), 153—170: E. Förstemann, Die nd. Mund- 
art von Danzig. 

Hieran schliesse ich den Eintritt von b für v (w), wie er 
vorliegt in wittbe 1530, 1534, 1550. — vrebelichen 1350. — 
In unsern Denkmälern ist diese Erscheinung also nur selten 
belegt. Sie findet sich nach W. mhd. Gr. § 162 in md. Schriften 
des 12. — 15. Jahrhdts. und zwar besonders im südlichen Franken, 
Hessen und Thüringen. — Ferner Rück. Entw. S. 127b, 133. 

Auslaut, b ist noch nicht allgemein durchgeführt, p ist 
nebenher belegt, doch schwindet es gegen Ende der Periode. 

Über b im Auslaut vgl. W. mhd. Gr. § 163. 

ab B 1393, 1396, 1399, 1401, 1403, 1408, 1413, 1417, 
1421, 1423, 1424 (2), 1437, 1445, 1446. C 1470, 1473, 1476. 
D 1490, 1494, 1507 (2), 1515, 1520, 1524 (2), 1540. ap B 1399, 
1411, 1417 (3), 1418, 1420, 1421 (2), 1425, 1428 (2), 1440, 
1443, 1446, 1447. C 1470, 1471 (10), 1472 (3), 1473, 1476, 
1477. D 1490, 1494, 1515, 1520 (3), 1524. 

Von 1524 ist mir ap nicht mehr begegnet. 

leib 1408 (2) — leip 1408 — leiplichen D 1524 — weyb 
B 1433. D 1530 (6), 1534, 1540, 1550 (2), 1560 (3). — wejp 
B 1442. Hier ist das Verhältnis klar. 

Arndt, Entwicklung der Breslauer Kanzleispraehe. 4 



50 

rowb C 1472, 1473 — raup B 1447. 

Die p-Form bleibt auf die erste Hälfte des 15. Jahrhdts. 
beschränkt. 

Ebenso: lib 1471, 1477 — Lyphart B 1417 (2) — erpherren 
B 1433 — erbherre B 1447 — erbherren B 1447 (2). 

Nur p -Formen: orlop 1431 — dyep 1432. 

Also auch nur in der ersten Hälfte des 15. Jahrhdts. 

Nur b- Formen: halb B 1408 (2), 1426, 1429, 1439, 1444. 
C 1471. D 1530 (2). — gab B 1442 (2), 1445, 1447 (4) — 
selbschuldig 1433 — salb 1444 (3). 

Das Überwiegen von b geht aus der Statistik hervor. 

b ist ausgefallen in undirgehat 1424 — gehat 1426. — 
Die herrschende Form ist gehabt. 

Vor t ist in der Regel b gewahrt im praet. und part. praet. 
sw. verb: gehabt, gloubt, globte etc. 

Ganz vereinzelt ist gehapt, allerdings noch im 16. Jahrhdt. 
1524, 1530 (2). 

Nur p ist stets belegt in houpt, haupt. 

b bleibt auch gewahrt im Präfix ab-, z. B. abgesnyten, 
abgeteilt, abgewant, abgebeten etc. Ursprünglich war b in- 
lautend: abe, und trat erst nach Abfall des e in den Auslaut. 

Ebenso hält sich b in ob-: obberurter, obgenanter, ob- 
genanten, obgeschrieben etc. Auch hier war b ursprünglich in- 
lautend: oben. 

f und v. 

f = mhd. V, nhd. f im Anlaut wechselt im Beginn der 
Periode noch mit v. Gegen Ende des Zeitraumes wird v 
immer spärlicher. Alle Beispiele statistisch anzuführen, ist un- 
möglich. Es mag gentigen, anzugeben, dass im letzten Jahrzehnt 
vor C nur noch zwei solcher v belegt sind: volgen, bevolen. 

In der Folgezeit ist mir nur vleis 1560 (2) begegnet. 

Darüber spricht F. Frangk S. 108: »Man findts bei den 
alten | das für hundert jähren und kurtz darnach das z fürs s | 
b fürs u und v und das Ib für w gemeinlich ist braucht worden 

desgleichen das v fürs f wenns 1 odder r jm zunehst 

folget I als vleis, vrluntlich etc. | welches mit dem vi bey 
unns I und den Nyderlendern mit dem vr nach die ubung helt.« 



51 

Im Übrigen ist nhd. f für v seit C durchgedrungen. 

Selbst in der Zeit vor C, als f und v noch wechseln, ist f 
stets vor u geschrieben, z. B. füren, gefurt, befule, furdern, 
furder, funffczik, Fuchsil, fueter, geunfuget, erfunden, fursten, 
fussen etc. etc. 

Einzige Ausnahme, noch dazu aus sehr früher Zeit, vundin 
1393. 

V = mhd. V, nhd. v sehr zahlreich vertreten, z. B. vater, 
vetter, vol, vor, vier, viertel etc. 

.V ist nur andere Schreibung für w in Vyndoff, wo es mit 
b wechselt, vgl. b und vgl. F. Frangk S. 107. 

In einzelnen Fällen findet sich f auch da, wo in unserer 
Schriftsprache mhd. v festgehalten wird. 

Fenedien 1393 - folkomen 1422 — folkes 1423 — 
firczehen 1437 — fier 1394, 1445, 1447 (2) — firden 1474 — 
firtel 1370 — foyt 1393 — Foytynne 1446 — follem 1442 — 
foUen 1524 — fogelweide 1524 — dorfon 1530 — brachfogel 
1534 — etc. — F. Frangk S. 107: Darumb das sie (d. i. die 
Mitstimmer) einander vast ehnlichenn | aber bei der schwacheit 
und sterck | einer für den andern erkant wird | odder an der 
gelindheit und scherpff allein unterschieden sein | als | w b p | 
d t I V f ph I ch g k ck | Welche die ungeübten jnn 
diesenn und andern werten versetzen (folgen Beispiele).« 

Über f im Anlaut vgl. noch W. mhd. Gr. § 174. — Rück. 
Entw. S. 128. 

ph ist Spirans in Philipp 1442. 

Inlautend f = mhd. f, nhd. f. 

bedorfen, tewfers, vorkewfen, bestrofen, lawfen, kaufe, 
hülfe etc. 

Die Schreibung f ist regelmässig durchgeführt. 

f = mhd. V, nhd. f. — f und v wechseln im Anfang, all- 
mählich schwindet v. B f: briefes 1418, 1422, 1433, 1439, 1442 
— brifes 1407, 1415, 1418, 1419 (2) - brife 1411, 1417, 1418, 
1424 (3), 1446 (2) — briefe 1418, 1421, 1423, 1424 (12), 1425, 
1428 (2), 1431, 1433, 1434, 1440 (3), 1442, 1445, 1446 (2), 
1447 - brifen 1409 — briefen 1440 — hofe 1408, 1413, 1417, 
1419, 1429 (2), 1437, 1442 (4) - ofen 1417 (3), 1418, 1423, 

4* 



52 

1429, 1433 — ofyn 1417 (2) -— freigrefe 1442 — freigrefen 
1441 - bischofe 1424 (3) etc. 

v: brive 1393 (2), 1396, 1420, 1434 — brives 1393 — 
briues 1352 — briuen, grauen, grouen 1359. 

C nur f. 

D hat f in weitaus überwiegender Zahl belegt; v nur in 
briue 1550, 1555. — Spirantisch ist ph in Fremdworten wie 
Stephan, Sophia. 

über ff vgl. Gemination. — Über f im Inlaut vgl. noch 
W. mhd. Gr. § 175. — Rück. Entw. S. 127. — Bahder S. 5. 
— Über die stimmhafte Spirans im heutigen Schlesisch vgl. 
W. Dial. S. 74. 

V = mhd V, nhd. v; frevil, frevillichen etc. Die Beispiele 
sind nicht gerade häufig. 

Verschärfung des v liegt vor in freffelichen (D). — W. mhd. 
Gr. § 175 c. 

Über das Wort frevel handelt genauer Rück. Entw, S. 133 
und S. 127 b. 

Auslautend f = mhd. f. Nichts zu bemerken. 

f = mhd. b. 

ofgenannte 1428. — Nur dieser Fall ist belegt. • Die Spirans 
ist besonders ripuarisch, aber auch dem fränkischen und thürin- 
gischen Dialekt eigen. W. mhd. Gr. § 177. 

S- Griitturale- 
k. 

k. Anlautend ist es belegt als c und k. 

c in Fremdworten und vor 1 und r die ganze Periode hindurch. 

Über den Gebrauch von c in lateinischen Worten spricht 
F. Frangk S. 100: »Das c (und q) haben im deutschen nicht 
statt noch rauhm | sondernn das k heldt jrre statt inne ♦ . . . 
Ausgenohmen wo latinisch | odder vom latein herschliessend 
worter braucht wurden | Als denn bleibets auch jnn den selben 
unverwandelt | als | Clemens | Contz | caution ] contract | . . . « 

Beispiele aus unsern Denkmälern: Caspar, cancelley, com- 
missarien, cardinalen etc. Ferner vor 1: clagen deinen, cleinot. 



53 

ercleren etc. Vor r: craft, crone, cristen, crewcz, crige etc. 
Bisweilen vor a: becant. 

k = mhd. k. Sehr zahlreich belegt, 
konig, kaufen, kaiser, keren, kindt etc. 

k = mhd. g vgl. g. 

Inlautend k = mhd. k. 

Rein graphisch ist ck für k nach n und r. 

nck: gefencknis 1431, 1432 (2), 1433, 1442 (7) — danckte 
1437 — gedanckt 1441 — dancke 1445, 1490, 1494, 1520 (2), 
1530 (4) — danck 1470, 1530, 1545, 1560 — undancksam 

1471 — undancksamkeit 1472 — dancket 1472 — schenckunge 
1441 — erczschenckenamecht 1477 — geschanckt 1441 — 
trancke 1447 (2) — trincken 1515, 1530 (2), 1555 — duncket 
1470, 1471 — bedancken 1477 — junckfrauen 1540 — be- 
denckende 1470 — erdencken 1477 (2), 1490 — gedencken 

1472 (2), 1474, 1476, 1477 (2) — irdencken 1494 — be- 
denckenus 1560 — geczenck 1476, 1515 — orspruncklich 1471 
bencken 1520 — fleischbanck 1520 — Franckreich 1473 — 
Bancke 1444, 1447 (6) — Bancken 1442 (2), 1445 — Banckau 
1446 — Jenckewitcz 1436 — Franck 1534. 

rck: marcke 1447 — marck 1530 (7), 1534 (2), 1540, 1545 

— merckliche 1471 — merckten 1477 — wercken 1471, 1472 

— wercke 1471 — handtwerck 1507, 1530 — werck 1560 — 
perckwercken 1477 — sylberwerck 1540 — starck 1472 — 
gesterckt 1472, 1477 — stercken 1474 — Turcken 1471, 
1472 (4), 1477 (2) - turckischen 1477 (2). — rck ist also in 
B selten, tritt erst in C hervor. Rück. Entw. S. 184. 

ck = mhd. ck natürlich auch zahlreich belegt; z. B. ge- 
schickt, befleckt, vorstockt, decken, sticken, underdrucken, brücke, 
stucke etc. 

ck = mhd. h + g. 

nockboren 1471 (2), 1472 — nockborschaft 1471 — nock- 
weren 1477. Also nur in C; in der späteren Zeit ist dieses 
Wort nicht belegt. W. mhd. Gr. § 229. — Rück. Entw. S. 160, 
161. — Drechsl. S. 39. — Über den heutigen Dialekt vgl. 
W. Dial. S. 86. 



54 

gk = mhd. k. 

dangkte 1494, 1507 (3) — dangke 1507, 1510 (2), 1520, 
1524 (2). — margkte 1515 — Neuenmargkte 1507, 1530. — 
Über diese seltene Erscheinung vgl. Rück. Entw. S. 200. 

gk = mhd. ck. 

Schmidebrugken 1555 — Knigkebeyn 1446. — Ebenso im 
Auslaut geschigkt 1545. 

Auslautend k = mhd. c. 

Sehr zahlreich belegt: bank, mark, trank, werk etc. 

Über k in ferlikeit, selikeit etc. vgl. g. 

gk = mhd. k, nhd. k. 

margk 1507 (2), 1510 (6), 1515 (6), 1524, 1530 (2), 1545 (2), 
1555 — handtwergk 1507, 1545, 1555 — hantwergk 1524, 
1530 — silberwergk 1510 — dangk 1555 — fleischbangk 1520. 

— Dieses gk ist nur nach r und n und nur im 16. Jahrhdt. 
belegt, es vertritt also das ck. W. mhd. Gr. § 232. — Rück. 
Entw. S. 200. 

Es findet sich die Schreibung qu, kw. chw, welches auf 
obd. Einfluss zurückzuführen ist, findet sich im Wechsel mit k 
nur im Eigennamen Chwal 1440 — Chwalen 1446. — Daneben 
Kai, Kaien 1450. — Seit 1446 ist chw nicht mehr belegt. 

qu und kw findet sich gleichmässig in Fremdworten: quart, 
kwittung etc., in queit, kweit dringt kw im 16. Jahrhdt. durch. 
■- queit 1530 (3), 1550. — kweit 1524 (5), 1550 (8), 1545 (3), 
1555 etc. 

F. Frangk S. 100 will q nur in lateinischen Worten und 
deren Ableitungen gestatten. In unsern Denkmälern findet sich 
qu besonders in Präteritalformen von komen: quam 1426, 1440, 
1442 — queme 1429, 1471 — quomen 1442 (2), 1472 — 
quome 1471 (2), 1472 — aber kweme 1510. 

Nur k steht im part. praet. komen. 

Schliesslich ist zu nennen bequemer 1472 (2). — Dagegen 
bekweme 1510. 

Im 16. Jahrhdt. drängt sich kw vor. — Rück. Entw. S. 158. 

— W. mhd. Gr. § 229. Im heutigen Dialekt hat sich q vor a 
und i erhalten: quimt, quoam. — W. Dial. S. 86. 



55 



eh. 

Im Aulaut ist die obd. Verschiebung k = ch sehr selten 
und nur in einem Namen belegt. Chutten 1471 — Chuttenberg 
1471, 1473. — Also nur bei Esch; er ist von Haus aus Nürn- 
berger. — W. mhd. Gr. § 235. — Rück. Entw. S. 163. — 
Bahder S. 5, 8. 

Obd. Einfluss ist auch anzunehmen in den folgenden Fällen, 
wo kh für md. einfaches k gesetzt wird. Diese Erscheinung 
tritt erst gegen die Mitte des 16. Jahrhdts. auf. 

bekhannt 1545 — bekhant 1555, 1560 (2) — bekhanntenn 
1555 (b) — bekhentnus 1555 — khauff 1555 - kheuffer 1555 
— khumftigen 1555 — gekhornen 1555 — erkhornen 1560 — 
khommen 1560. 

ch sodann im Fremdwort Christo 1477 (5). 

sk. 

Über sk vgl. Konsonantenverbindung. 

Anlautend entspricht g reinem mhd. g in sehr vielen 
Fällen. Palatalen Charakter zeigt es, wo es mit j wechselt, im 
Fremdwort Gorge B 1408, 1413, 1417, 1418, 1426, 1433 - 
Gorgen B 1418. 

j ist belegt in Jorge B 1433, 1439, 1440 (10), 1442, 
1446 (2) — Jörg D 1530 (5), 1534 (3), 1540, 1550 — Jörgen 
B 1442, 1446, D 1534. 

Über den Wechsel von palatalem g und j vgl. Grdriss. 
§ 74, 1. - W. mhd. Gr. §§ 222, 240. 

Verhärtung zu k zeigt sich nur in gegen (gen). 

keigin B 1389 (2), 1394, 1397, 1399. — keigen B 1393, 
1394, 1424, 1447. — kegen B 1411 (2), 1399, 1408 (2), 1417, 
1427, 1429, 1444, 1446 (2). C 1470, 1472 (3), 1477. D 1490 (2), 
1494, 1507 (2), 1515 (4). 

kegin A 1352. B 1370 (3). C 1470 (4), 1471, 1472, 1474, 
1477 (4). — ken B 1417, 1418 (2), 1420, 1424, 1430, 1434, 
1436, 1440 (2), 1444, 1447 (2). C 1470, 1471 (2), 1472, 1477 (2). 
D fehlt. 

In das 16. Jahrhdt. reicht also nur kegen hinein und auch 
diese Form erlischt schon im Anfang des Jahrhdts. Seit 1520 



56 

ist mir nur gegen begegnet. Über das k, das auch obd. beliebt 
ist, vgl. W. mhd. Gr. § 229. — Drecbsl. S. 36. - Rück. Entw. 
S. 159. — Bahder S. 52. 

Inlautend g = mbd. g. 

Grammatischer Wechsel liegt vor in geschege 1417 (2), 
1418, 1442, 1473, 1474, 1476, 1477 (3) — gescheege 1477 — 
geschoge 1421 — gelegen 1440 — verczegen 1443. — Hier 
ist also g <I h. 

Im 16. Jahrhdt. ist demnach keine derartige Form mehr 
belegt. 

W. mhd. Gr. § 224. — Beispiele aus dem älteren Schlesisch 
bringt Rück. Entw. S. 155. — Über den heutigen Dialekt vgl. 
W. Dial. S. 84. 

g = mhd. h. 

hogesten 1428. 

Nur diese eine Form aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhdts. 
ist belegt. — W. mhd. Gr. § 224. 

Über die Palatalisierung des g vgl. ie, oi. 

Auslautend g = mhd. c nhd. g. 

Diese Schreibung ist in der ganzen Zeit belegt, doch steht 
k (c) und gk daneben, k (c) erlischt mit B, in C ist nur noch 
g geschrieben, in D steht g und sehr häufig gk. Beispiele für gk: 

A fehlt. B mannedyngk 1445 — Heryngk 1439 (2) — 
Schonegesangk 1439. — Crigk 1445 (2). — In B ist also gk 
ziemlich selten. C fehlt. D Magdeburgk 1494 — Hartenbergks 
1507 — czwenczigk 1507 — Harnigk 1507 — Ludewigk 1507 

— willigk 1507 — schuldigk 1510, 1534 — Hedwigk 1510 — 
bedingk 1510 — ledigk 1510, 1520, 1534, 1555 — zustendigk 
1515 (2) — dreissigk 1515, 1534 — magk 1515 — intragk 
1515 — funffczigk 1515 (3), 1560 — pflichtigk 1515 — zu- 
gegenwertigk 1515 — mennigklich 1534, 1540 — goltbergk 1534 

— scheitnigk 1550 — langk 1555 — irrungk 1560 — be- 
williegungk 1560 — narungk 1530 — tagk 1530 — konigk 
1530 — claydungk 1540 — etc. 

Aus den ang'eftihrten Beispielen ergiebt sich, dass gk — g, 
ebeijso wie gk und ck = k besonders nach n, r, aber auch 



57 



nach a und in der Bildungssilbe -ig steht. — W. mhd. Gr. § 232. 

— Bahder S. 52. 

Über das sonstige Vorkommen von gk vgl. k. 

g = mhd. c, nhd. k, nach r. 

werg B 1403, 1444, 1445. D 1530, 1534 (3) — marg 
B 1418, 1423, 1424, 1434, 1438, 1440, 1446 (7). D 1524 (5), 
1580, 1540 (2) — fischmargte B 1417 — hunermargte B 1438, 
1446 — rosmargte B 1447 — Neuenmargte C 1471 — Neumargt 
D 1530 — Neumargtschen D 1524 — iormargte C 1476 — 
iormargt C 1476 — iormorgt C 1476 — iarmargt D 1524, 1530 

— mergliche B 1441 — marggraffen B 1439 — C marggraf- 
thum 1471, 1477 (3) — marggrafe 1473 — marggrafthums (2), 
margrafen (2), marggrafschaft, marggrafs 1477. 

Ausser nach r nur noch schog 1417» — W. mhd. Gr. 
§ 226 — Drechsl. S. 39. 

Hier reihe ich an die Bildung der Substantive auf -heit von 
Adjektiven auf -ic aus. Schlesisch wird c-h meist zu k ver- 
schmolzen. 

A stetekeit 1352 — bedechtekeit, umwirdekeit 1359. B 
mechtikeit 1413 — dreivaldekeit 1399 — keginwortikeit 1408 

— kegenwortikeit 1417, 1427 — gegenwortikeit 1421 (2) — 
keigenwertekeit 1424 — selikeit 1423 — newekeit 1428. 
C torstikeit, einikeit, wirdikeit, hilikeit etc. D gerechtikeit 
1510 (3), 1515, 1524, 1560 — gerechtikait 1530 — gerechti- 
keiten 1507. 

Beispiele aus späterem Schlesisch giebt Drechsl. S. 37. — 
W. Dial. S. 84. 

Öfter ist auch schon wie nhd. gk eingetreten und zwar in 
den späteren Denkmälern recht häufig. 
. B gerechtigkeit 1446 (2). C hiligkeit 1471. 

D gerechtigkeit 1494 (2), 1515, 1530 (2), 1555 — gerechtig- 
kait 1524, 1534, 1540 (2), 1555 — gegenwortigkeit 1494 - 
Seligkeit 1507 — durchlauchtigkeit 1524. 

Aus der Statistik geht hervor, dass gk im 16. Jahrhdt. be- 
deutend anwächst und k überwuchert. 

Ähalich verläuft die Entwicklung von -likeit aus -lichkeit. 

C ferlikeit neben ferlichkeit 1470, 



58 

Sodann aber redlikait D 1530. 
Dagegen redligkait 1540 (2). 

In letzterem Beispiel ist offenbar eine Analogiebildung zu 
jenen erstgenannten Fällen zu sehen. 

eh. 

Inlautend eh für g: manchem 1434 — manchirley 1470 

Über diese md. Erscheinung vgl. W. mhd. Gr. § 235. 

ch = mhd. h vor Vokal. 

hocher 1446, 1494. Nach W. mhd. Gr. § 236 schliesst sich 
hier die Schreibung der vulgären Aussprache an. Weitere Bei- 
spiele bei Drechsl. S. 40. 

ch = mhd. h vor t. 

recht, macht, siecht, richten, nicht, eintracht, furbrocht, ein- 
dechtig etc. So auch nhd. 

Auslautend ch = mhd. ch. 

euch, reich, fluch, buch, tuch etc. 

ch = mhd. c, nhd. g. 

Hamburch 1423 (5), 1424 (3). 

Diese Erscheinung bleibt auf die erste Hälfte des 15. Jahr- 
hundert beschränkt. 

Weitere Beispiele für diese md. und obd. Erscheinung bei 
Drechsl. S. 39. -- W. mhd. Gr. § 237. 

Auslautend ch saugt anlautendes h auf: Stricholcz 1393 — 
kirchofe 1426 — frecheit 1472 — schwacheit 1530. 

h. 

Anlautend h = mhd. h. 

Inlautend vor Vokalen bleibt h gewahrt, z. B. sweher 
1408 — anslahen 1428 — Behem etc. Hierher gehört auch 
nehst, da ursprüngliches e hinter h ausgefallen ist. Neben 
nebst ist auch z. B. nehist belegt. Die Belege für nehst sind 
sehr zahlreich. 

e hinter h ist ferner ausgefallen in czehn B 1417, 1446 — 
C fehlt — D 1490, 1510 (4), 1524 (5), 1530, 1534 (2) . . . . 
geschehn B 1419 — D 1490, 1504 .... seh C 1471 — 
behmische C 1471 — behmischen C 1472 — versehlich C 1471 
fehde C 1471, 1472, 1476, 1477 - gefehdet C 1472 — 



59 



vorsmeht C 1472 — smehlichen C 1477 — Lehnhaws C 1476 (2) 
— Lehnschaften C 1477 etc. 

Vor Konsonanz steht ch für mhd. h vgl. eh. 

Auslautend ist nur ch belegt. 

md. Eigentümlichkeit ist die Voranfügung von h an voka- 
lischen Anlaut, namentlich e. 

Besonders häufig ist im 15. Jahrhdt. her — nebenher geht 
freilich er, eine Form, die im 16. Jahrhdt. allein herrscht. 

Andere Belege sind heischen 1417 — Heylias 1417 — 
Helyas, Helye (2) 1417 — Helias 1418 — Helyas 1419. 

nhd. hat sich nur heischen erhalten. Die andern Formen 
kommen für das nhd. nicht in Betracht. Sie sind in unsern 
Denkmälern auch nur in früher Zeit belegt. 

Neben Ungern, ungerisch steht Hungarn, hungerisch. Hier 
hat sicherlich die lateinische Form Hungaria eingewirkt. Die 
h- Formen finden sich noch im 16. Jahrhdt. — über md. h vgl. 
W. mhd. Gr. § 243. — Rück. Entw. S. 166, wo noch andere 
Beispiele genannt sind. — Über das spätere und heutige 
Schlesisch vgl. Drechsl. S. 40. — W. Dial. S. 86. 

md. Eigentümlichkeit ist es ferner, dass in unsern Denk- 
mälern h schwindet vor t, s und nach 1. 

h schwindet vor t: geschit 1437. 

Nur dieses Beispiel ist belegt, das indessen auch so auf- 
gefasst werden kann, dass i für ie steht, das in diesem Worte 
für — ihe — belegt ist; vgl. oben S. 21. 

h schwindet vor s: nest 1396, 1417 (5), 1424 (4), 1433, 
1437, 1473, 1494 (4), 1507 (3), 1510 (6), 1515 (4), 1520 (3), 
1524 (4), 1530, 1534, 1540 (2) etc. 

Nach 1: bevolen 1394, 1417 (3), 1422, 1424 (2), 1442 — 
bevalen 1394 — befolin 1441 — befule 1390 — bevelunge 
1408 — bevelen 1424. 

Der Ausfall des h nach 1 bezeichnet das Erreichen der 
nhd. Sprachstufe; vgl. Grdriss. § 87, 3. 

Zwischenvokalig ist h geschwunden: wyenachten 1418 — 
Hoenberg 1422 — koffslaen 1433. — Sodann in Fällen, wo 
Vokalkontraktion stattfand: empfan, slan etc. Rück. Entw. 
S. 169, 267 Anm. 



60 

Im 15. Jahrhdt. beginnt h als Dehnungszeichen zu wirken. 

F. Frangk S. 98: »Wenn das h bey odder nach einem 
Stimmer gesatzt wird | do es nicht scherpfft | und also seins 
ampts müssig steht | so erlengt und erhocht es den beygesatzten 
Stimmer | als ahm | nahm | vernehmlich | jhm | jhn | jhr | 
vernihm | oheim | genohmen | thun | muhrae | etc.« 

Vgl. oben S. 58 die Fälle, wo ursprüngliches e hinter h 
ausgefallen ist. Dort schien h nach vorauszusetzender Dehnung 
des vorangehenden Vokals die Funktion eines Dehnungszeichen 
übernommen zu haben. So wird es dann lediglich als solches 
angewandt auch 1. bei alten Längen: 

steht B 1446 — stehn B 1424 — C fehlt — D 1490, 
1510, 1520 (2), 1524, 1530 (3), 1534 (3) . . . — vorstehn 
D 1510, 1520 — mehr B 1445 — C fehlt — D 1494 (3), 1507, 
1510, 1515, 1560 — eh C 1471, 1472, 1473 (2) — ehlichen 
D 1555 — ehweib D 1530 (2), 1534 (4), 1550 — ehweibes 
D 1530 (2) — ehweibe D 1534, 1560 - muhde C 1477. 

2. bei jungen Längen: 

beczalhet B 1413 — czalh D 1530 — czalhgelt D 1515 — 
ihr C 1470 — D 1555 (5) 1560 (3). 

Nur D gehören die folgenden Fälle an: ehn 1507 (4), 
1510 (2), 1515 (2), 1520 (3), 1524 (4), 1530 (3) — ehm 1520 (2), 
1524 (4) — ehn 1530, 1555 — yhnenn 1545, 1560 (3) - 
yhne 1545 — ihnen 1545, 1555, 1560 — ihme 1560 — ihrer 
1555, 1560 — ihren 1555 — benehmen 1507, 1510, 1524 (2) 

— einnehmen 1507 — annehmen 1510, 1524 — nahmen 
1515 (2) — annahm 1515 — nehmen 1524 — annohmen 1530 

— annahmen 1540 — ohne 1507 — wahr 1515, 1530 — 
ahne 1555, 1560 (2) — nahrung 1515, muhmen 1515 — ge- 
wohnet 1530 — Wohnung 1534 — söhn 1530 (3) — ehren 
(honores) 1534, 1545 — muhe 1560 — nhun 1560 — vohrmunden 
1555 (4). 

Die Dehnung ist in B verhältnismässig selten, in D da- 
gegen schon weit vorgedrungen. — W. mhd. Gr. § 245. — 
Rück. Entw. S. 166. — Wilmanns Kommentar § 18. 

Bemerkenswert ist h in awsgenohmen 1490, 1530 (2). 



61 



F. Frangk S. 99: »Wie wol das o (und u) sonst gemein- 
lich mehr langk denn kürtz sein | wird jnen dennoch weilunds | 
umb Sicherung willen sie zu erlengern | odder auch zierd halb | 
das h zugefugt | doch mehr wolstehens denn nothalben | Und 
dis geschiet | wo kein erhoben buchstab als b, d^ f etc. | nach 
da bey stehet | als vernohmen | etc.« 

nhd. ist hier die alte Kürze durchgedrungen. 

In th ist h nicht eigentliches Dehnungszeichen. Im all- 
gemeinen ist th nur andere Schreibung für t. Doch ist th in 
vielen Fällen ins nhd. tibergegangen. 

thume 1417 — thumherren 1421, 1424 — thum (Ab- 
leitungssilbe; sehr zahlreich, z. B. heiligthum, kaiserthum, marg- 
grafenthum etc.) — rath (allein und in Zusammensetzungen) 
1427 (2), 1424 (4), 1436, 1446, 1494, 1507, 1520 (2) etc. — 
rathsfrund 1494, 1520 — rathe 1494 — rathis 1520 — gerethe 
1421, 1423 (2), 1424, 1434, 1447 (3) — hausgeräthe 1515 — 
hausroth 1520 — gethan 1426, 1490 (2), 1494 (2), 1524, 
1530 (6) — zuthunde 1478 — thun 1471, 1524 (2), 1490, 
1494 (3), 1515, 1530 (4), 1540 — thue 1471, 1476 (2) — 
genugthuunge 1473 — gethoner 1520 — gethonen 1530 — 
thorn 1438 (2) — thore 1438, 1439, 1445 — thoren 1440 — 
ungerothen 1494. 

In allen diesen Fällen entspricht th dem nhd. Gebrauche. 
Dagegen ist th dem nhd. fremd geblieben in den folgenden 
Fällen: 

guth 1507, 1515 — guther 1515 (2), 1530 — guthern 1515 

— muther 1515 — borthen 1510 — parth 1515 — warth 
1520 - worthe 1520 (2) — antworthen 1520 — bekanth 1494, 
1515, 1520, 1524 (3), 1530 — erkanth 1520 - frunth 1515 — 
withwe 1530 (2) — steth 1530 — ethwan 1534 (3), 1540 (2) 

— mith 1540. 

Die Hauptmasse der Beispiele stammt aus dem 16. Jahrhdt. 

F. Frangk S. 102 spricht sich hauptsächlich über th am 
Wortende aus: »Wenns h ans t jnn der Endung einer silben | 
odder worts gesatzt wird | sonderlich | Wenn ein | odder mehr 
lang tiberreichend buchstaben noch dabei stehen | so ists ein 
missestant unnd für müssig geacht | als (fürs erst) jnn den 



62 



obberurten worten | gunstliig | freundthlich | zum andern | jnn 
denen | mith | guth | muth | etc. gesehenn wird.« 

Doch sieht er h in Rathmann i^fur ein zierd an | da kein 
lang überreichend buchstab | im selben wort (odder jhn nicht 
nah da bey) stehet.« 

Im übrigen vgl. W. mhd. Gr. a. a. o. — Rück. Entw. 
a. a. 0. — Drechsl. a. a. o. — Wilmanns Kommentar S. 136 ff. 

In Eigennamen vertritt th nicht allein griech. lat, th, sondern 
es wird auch gelegentlich für t gesetzt: Anthonius, Thymoteus. 

Auch hierin zeigt sich die regellose Verwendung von t 
und th, ein Beweis, dass th nur andere Schreibung für t ist, 
ohne weiteren Einfluss auf die Vokalquantität. 

Über th in Fremdwörtern vgl. Wilm. Kommentar S. 137, 138. 

W. mhd. Gr. § 245: h begegnet als diakritisches Zeichen 
zwischen Vokalen seit dem 14. Jahrhdt. nachweislich. 

Vgl. e = mhd. e. S. 16. 

Beispiele aus unseren Denkmälern: gehen 1407, 1436, 1439, 
1442 (2), 1444 (2), 1474 (2), 1494 (2), 1534 — gehende 1417 
— stehen 1428, 1436, 1440, 1442, 1446 (3), 1490 — stehende 
1417, 1444 — stehit 1442, 1444 -- stehet 1446, 1530 — ehe 
1426, 1534, 1555 — ehemann 1520, 1524 — muhe 1442 — 
meher 1445, 1446, 1494 — eheweib 1530, 1540 — eheweibes 
1515 — freyhen 1418 — gefreyhet 1418 (3) — freyhete 1419, 
1423 — czewhet 1530, 1540 — beschawhunge 1445. 

Der nhd. Gebrauch dringt also durch. 

Über die h losen Formen vgl. e = mhd» e. S. 15. 

Andere Beispiele dieses hiatustilgenden h bringt W. mhd. 
Gr. § 245. — Vgl. noch Rück. Entw. S. 166, 167. — Drechsl. 
S. 40. 

Durch die Analogie von gedröwhet ist zu erklären ge- 
dröwht 1417. 

Dentale, 
t. 

Anlautend t = mhd. t. 

Sehr häufig belegt, z. B. tuch, tranck, tag, trincken, 
tewffer etc. 



63 



t = mhd. d. 

techant 1424 — techand 1411 — techands 1418. — W. mhd. 
Gr. § 198. 

Diese Erscheinung bleibt auf den Anfang des 15. Jahrhdts. 
beschränkt. 

In notturft 1555 (2) ist tt durch Assimilation zu erklären. 

Echt md. ist t in vorterbnis 1470, 1471 (2) — vorterbt 
1471 (2) - vorterben 1430, 1471, 1476 — vorterbten 1472 — 
vorterber 1474 (2). — Aus dem 16. Jahrhdt. ist mir kein Bei- 
spiel, weder für t noch für d begegnet. W. mhd. Gr. § 198. 
— Rück. Entw. S. 140. — Drechsl. S. 31. — W. Dial. S. 75. 

Inlautend t = mhd. t, soweit es nicht durch d vertreten 
ist. Vgl. d. 

Im 16. Jahrhdt. tritt für t auch dt ein, z. B. bekhanndte 
1555 — benanndten 1555 (2) — furgewandter 1560. 

Auch diese Erscheinung ist ein Beleg für den regellosen 
Gebrauch von t und dt. 

Auslautend t = mhd. t, nhd. d vgl. d. 

t = mhd. t, nhd. t. 

Sehr zahlreich belegt, z. B. bekant, gesant, got, stat, gewalt, 
not, alt, czeit, solt, prawt, ynnehalt, weltlich etc. 

Auch hier steht dt: bekanndt 1555; weldtlich 1545. 

Bemerkenswert ist stadbuch 1515, 1530 (2), 1540 — stad 
1530, 1540 — stadhalters 1530 — stadgerichten, stadgerichte 
1530. — 

Diese Formen finden sich nur im 16. Jahrhdt. 

Die Schreibung d erklärt sich wieder nur aus dem regel- 
losen Gebrauch, der bei t, dt, d herrscht. 

Denn auch die nhd. Form ist belegt in Stadt 1414, 1471, 
1507 (3), 1510 (3), 1515, 1520 (2), 1524 (2), 1530, 1540 - 
Stadtbuchs 1515, 1530 — stadtschreibers 1515 — Stadtschreiber 
1530, 1560 — Newstadt 1530, 1534. 

Aber ebenso wird auch Stadt (für mhd. stat, nhd. statt) 
gebraucht 1507 (2), 1510, 1515, 1520 (2), 1545. 

-et in der Flexion sw verb. wird nach Dentalstämmen ab- 
geworfen: vorantwort 1389 — geantwort 1394 (2), 1408 (2) — 
geantwert 1417, 1418 (2), 1421 (2), 1424 (3) - vorricht 1396 



64 

— gericht 1410, 1419, 1423, 1424, 1445 — usgericht, aus- 
gericht 1424 — bewt 1430 — gestat 1442 — uberantwurt 1524. 

e wird ausgestossen: ausgerichtt 1446 — ausgerott 1472. 

d + t werden zu t verscbmolzen: wirt 1403, 1408, 1470, 
1471 (2), 1472, 1476 (2), 1477, 1494, 1507, 1510 (2), 1515, 
1520, 1530, 1545, 1550, 1560 (2) etc. - geret 1417, 1423 — 
innebelt 1427 — verscbolt 1442 — bebelt 1442 (2) — ver- 
melt 1534. 

Aucb bier erscbeint dt: wirdt 1520 — geredt, beredt 1442. 

— In C: beredt, vorkundt, entczundt. — Ferner: obgemeldt 
1530 — gemeldt 1534 (2), 1540. 

Über t im Auslaut der Flexion vgl. Rück. Entw. S. 194, 
195. - W. Dial. S. 78. — Drechsl. S. 33. 

Im 16. Jabrbdt. hält sich nur wirt bezw. wird, wirdt. Diese 
verkürzte Form ist auch ins nhd. übergegangen. Die anderen 
Formen verschwinden. Die vollen Flexionsendungen treten ein. 

t im Auslaut und Anlaut verschmelzen; z. B. achtage 
1417 (2), 1430. 

t + d > tt > t: notorfft 1431, 1439. 

Enklitisches du > tu in soltestu 1477 (2) — hastu 1477. 

Die Beispiele sind also spärlich und reichen nicht in das 
16. Jahrhdt. hinein. Rück. Entw. S. 215. — Zahlreiche Bei- 
spiele bei Drechsl. S. 33. 

z. 

Sehr lange hält sich die Schreibung cz. Sie ist in A, B 
herrschend, ebenso in C. Dagegen beginnt ihr in D im 
16. Jahrhdt. z den Rang streitig zu machen. 

F. Frangk S. 103 eifert gegen cz: »Die weil das z viel 
mals bei den altenn am s und auch das c bey jme | zur uber- 
mass befunden. Ist zu mercken | das maus jtzunt alleine | on 
das c im anfang | und das tz am end eines worts | odder 
Silben an seiner statt braucht | als jnn den werten und anndern 
mehr zu sehen ist | Zimlich | nutzlich | unnutz | nicht | czimlich | 
nüczlich I etc.« 

Diese Forderung F. Frangks ist im 16. Jahrhdt. nur erfüllt 
für z in zu, für tz am Wortende allgemein. Erst nach 1545 ist 
mir cz nicht mehr begegnet, vorher noch z. B. cz wuschen, 



65 

czwu, czinse, leczten, czal, czween — 1540: czwischen, czal, 
czins. Ob wie Rück. (Entw. S. 149) meint, cz nach Länge und 
Diphthong nur Schreibfehler ist, ist doch recht fraglich, z. B. 
Glocz 1394, 1414 — Gloczinne 1426 (vgl. noch heut Glatz, 
Glatze) — Czeicz 1408 — crewcze 1422 — Crewczburg 
1426 etc. 

czc ist in unsern Denkmälern gleich czk; z. B. Heinczco 
1393 — Franczco 1393, 1397 — Cunczco 1393. 

Daneben stehen Hanczko 1408 — Franczko 1418 — 
Franczke 1424, 1433, 1434, 1436, 1439, 1440, 1445 (3), 1447. 

Über die Bildung der Kosenamen mit z und k + o vgl. 
Stark S. 75. 

Hinfällig ist für unsere Denkmäler auch die Behauptung 
Rück. (Entw. S. 147), dass z nie vor und nach Vokal erscheint; 
z. B. zu (sehr zahlreich; im 16. Jahrhdt. allein) — bezalen 
1413 — Zeidlicz 1445 — Zynzeberg 1445. 

Neben z und tz ist auch tcz belegt. Doch ist diese Ver- 
bindung auf das 15. Jahrhdt. beschränkt. Im 16. Jahrhdt. ist 
mir nur eine Form begegnet 1524 uffsetczet. 

c steht in Fremd worten: Laurencien, nacio, recepte, 
erucisigneten, recesbriefe etc. 

über die Schreibungen z, tz, tcz, cz, c vgl. W. mhd. Gr. 
§ 205. — Rück. Entw. S. 147 ff. 

d. 

d enspricht anlautend mhd. d: dank, ding, der, das, du, 
durch, dencken etc. In diesen Fällen entspricht d altem th. 

Altem d entspricht es in dorste 1472. 

tr wird zu dr in Girdrud 1417. Vgl. W. mhd. Gr. § 187. 
— Drechsl. S. 32. 

Über t = mhd. d vgl. t. 

Inlautend d = mhd. d. 

d hält sich in den Verbindungen Id, nd, rd bis in das 
16. Jahrhdt. hinein. Seit Esch. erscheint It, nt. 

Id (It): 

weiden 1389, 1393, 1399 .... 1470, 1472 (2), 1473, 
1510 (2) - weiten C 1471 — weide B 1393, 1421 (2), 1423, 

Arndt, Entwicklung der Breslauer Eanzleisprache. 5 



1429 (2), 1434 (3), 1442 (5), 1446. C 1471 (2), 1472 (3), 
1473, 1474 (2), 1476. D fehlt. — weite nicht belegt. 

wolde B 1413, 1418, 1421, 1433, 1443 (3). C fehlt. 
D fehlt. -- wolden B 1433, 1434, 1447 (2). C fehlt. D fehlt. 

wolten B fehlt. C 1472 (3), 1473 (2), 1476 (2), 1474, 
1477. D 1534, 1560. 

Das Verhältnis liegt klar zu Tage. 

sulde B 1394, 1397, 1420, 1423 (2), 1424, 1429 (2), 
1440 (2), 1442 (2). C 1470, 1472, 1473 (3). D 1490, 1494, 
1507. — sulden B 1394, 1426, 1434, 1443 (4). C 1470, 
1471 (4), 1472 (4). D fehlt. — sulten C 1471. — solde 
B 1403 (2), 1408, 1413, 1430, 1433, 1442, 1447 (3). C 1473. 
D fehlt. — solte B fehlt. C 1476. D 1530. ~ solden B 
1447 (3). C fehlt. D 1507. — solten C 1472, 1477. D 1530. 
soltest C 1477 (2). — soltet C 1477. 

Die d-Formen sterben demnach im Beginn des 16. Jahr- 
hunderts aus. 

eldisten B 1403, 1424, 1433(3), 1436, 1438, 1442(5), 
1444. C fehlt. D 1490, 1507, 1510 (3), 1520, 1530, 1534, 
1560. — eldesten B 1417. — eldiren C 1477. — eidern D 
1507 (2). — eider D 1530. — alden B 1417 (3), 1418, 1421, 
1440, 1442 (2). C 1472, 1474. D 1494, 1515, 1524, 1555 (2). 
— alders B 1403, 1417, 1440. — aide B 1417, 1437, 1438. 

In diesen Wörtern hält sich d besonders zäh. Nur alten 
1534 ist belegt. 

halden A 1359. B 1411, 1413, 1417, 1418 (2), 1421 (2), 
1423 (2), 1433, 1434, 1436, 1440, 1442 (2), 1444 (2), 1445 (3), 
1446 (2), 1447. C 1470 (2), 1471 (11), 1473 (3), 1477 (3). 
D 1490 (2), 1494, 1510 (2), 1515 (2), 1520 (4), 1524 (2), 
1530, 1534 (2), 1540 (2). — halten B fehlt. C 1477 (2). 
D 1507, 1524 (2), 1530 (3), 1534, 1540 (2), 1560. — gehalden 
B 1417, 1424 (2), 1446. C 1471, 1472 (2), 1477. D 1494, 
1507, 1510. — gehalten B fehlt. C 1472, 1477. D 1524 (3), 
1530, 1534, 1545, 1555 (2), 1560 (2). — behalden B 1424 (2), 
1440 (2), 1442 (3). C 1474. D 1510 (2), 1524 (2), 1530. - 
vorhalten D 1560. 

Im allgemeinen geht aus der Zusammenstellung hervor, 
dass die t- Formen durchdringen. 



67 

stathelder B 1429 (4). C 1471. D fehlt. - stathalters 
B fehlt. C fehlt. D 1530. 

Das Ergebnis ist hier dasselbe. 

Es sind noch einige Fälle von Id belegt, zu denen ent- 
sprechende It- Formen nicht vorhanden sind. 

behilde 1403 — beheldet 1408 — gelden 1424 (2), 1515 (2) 

— scheiden 1428 — kalden 1472 — Kaldenborn 1510 (2) — 
vorgeweldiget 1472 — gewalde 1472. 

Fassen wir alle Fälle zusammen, so ergiebt sich als 
Resultat, dass die Entwicklung von Id zu It fortschreitet, aber 
noch nicht völlig abgeschlossen ist. 

Zäher haftet d hinter n und r. 

nd. under B 1408, 1410, 1423, 1424 (2), 1428, 1433, 
1436 (2), 1437, 1438, 1442. C 1472, 1476. D 1494, 1507 (2), 
1520, 1530, 1534, 1540, 1550. 

undir A 1352. B 1370, 1424, 1428 (2), 1433, 1434, 1444. 
C 1471 (9), 1472 (5), 1473, 1476 (3), 1477 (6). D fehlt. 

unter B 1432. C fehlt. D 1560. 

nd ist also bei weitem in der Mehrheit. 

hinder B 1414, 1419, 1437, 1444, 1445, 1447. C 1471. 
D 1520, 1530 (2), 1534, 1545. — hinter nicht belegt. — 
newnden 1473 — konden 1428 — könden 1510 — künden 
1429 — künde 1429. 

nd ist demnach noch herrschend. 

rd. 

fierdehalbhundert B 1423. — virde A 1359. C 1471, 1472, 
1477 (2). D 1515. -- virden C 1473 (2). — firden C 1477. 

— vierde D 1515. — vierdehalb D 1555. 

rt ist nicht belegt in diesen Formen. 

Über diese Erscheinungen vgl. W. mhd. Gr. § 188. — 
Bahder S. 50. — Rück. Entw. S. 193. ~ Beispiele aus 
späterem Schlesisch bringt Drechsl. S. 32. — Über den heutigen 
Dialekt vgl. W. Dial. S. 65, 66, 69. 

Aus der Analogie der Präsensformen ist zu erklären ge- 
leden 1440. W. mhd. Gr. § 188. - Rück. Entw. S. 137, 138. 

dt ist inlautend nicht belegt. 

Auslaut: d = mhd. t, nhd. d. 

5* 



68 

d ist zahlreich belegt und bricht sich im 16. Jahrhdt. Bahn. 
Doch stehen daneben t und dt. Die einzelnen Perioden ver- 
halten sich verschieden. A hat nur t- Formen. 

In B handelt es sich nur um den Wechsel von d und t, 
und zwar ist t im Übergewicht, dt erscheint erst in C. Auch 
hier tiberwiegt noch t. Den kleinsten Raum nimmt dt ein. 
In D tritt t noch nicht zurück und streitet mit d und dt um 
die Vorherrschaft. 

F. Frangk S. 105 klagt über den regellosen Gebrauch der 
drei Lautzeichen und überlässt es schliesslich resigniert einem 
jeden, so zu schreiben, wie er will. 

Er sagt a. a. 0.: »Ettliche wollen auch diese und der- 
gleichen worter alleine mit dem d schliessen | als | werd | 
wild I wird | word. Item | weid | wird | werd | wald | weld | 
wild I feld etc. Welches aber zu schwach und unverstendiglich 
ist (nach 1538) und wer derhalben not hie einen gewissen 
Unterricht zuthun | wie man ein jdlichs (nach dem sie jnn 
viel weg mögen verstanden werden) auch schreiben sold | es 
will aber hie zu langweilig und weitleufftig werden | der- 
halben ich jnn des einen jdern bey seinem dünken 
bleiben las. 

Aus dieser angezeigten Warnung mochte vielleicht jemandes 
geursacht werden | (wie denn sonst vorhinn bey ettlichenn 
vermerckt wirdt | das sie alleweg das dt am end brauchen 
woldten | so doch am d genug weer | als hier und andern 
mehr | bald | sund | und | etc. | wo das t darzu gesetzt | 
wurds zuviel und überflussig | Und zu den | hart | hart | pfert | 
walt I kalt I solt | munt | bunt etc. | setzen sie unrecht und 
ubermas das d fürs t | wo also stund | hardt | pferdt | etc.« 

Eine Kritik dieser Bemerkungen ist nicht unsere Aufgabe, 
sollen sie doch nur die Regellosigkeit kennzeichnen, die in dem 
Gebrauche jener Schriftzeichen herrscht. 

Auch hier widerstreiten sich phonetische Schreibung und 
Systemzwang und verursachen dadurch die Unsicherheit in der 
Orthographie. 

pfund B 1393, 1445. C fehlt. D fehlt. — pfunt B 1438. 
D 1515. 



69 



Dagegen abund B 1399, 1440. — obend B 1426. C 1470. 
D fehlt. Die t-Form ist nicht belegt; ebenso nicht dt. 

geld B 1412, 1415, 1419, 1421, 1424, 1425, 1426 (4). 
C fehlt. D 1490, 1494, 1524 (2), 1555. — gelt B 1394, 1408, 
1415, 1417, 1418 (4), 1427 (2), 1428, 1431, 1433 (2), 1434 (3), 

1436, 1437 (2), 1438, 1439 (3), 1440 (3), 1442 (6), 1446 (2), 
1447. C 1471, 1472. D 1490 (2), 1507, 1510, 1515 (3), 
1530 (2), 1540. — geldt D 1494, 1530, 1534, 1545 (2). 

band B 1412, 1417, 1418 (3), 1419, 1420, 1422, 1423 (2), 
1424, 1428 (2),. 1445. C fehlt. D 1490, 1515, 1524 (2), 
1530 (2), 1534. — hant B 1408, 1442, 1446 (2), 1447. C fehlt. 
D 1510 (2), 1515, 1520. — handt D 1507 (3), 1510 (3), 1540, 
1555 (2), 1560. 

land B 1417, 1425, 1426, 1430 (2), 1431, 1435, 1436, 
1445, 1446. C fehlt. D fehlt. — lant C 1477. — landt 
C 1474. D 1540. 

schuld B 1418, 1433. C fehlt. D 1524 (3), 1530 (6), 
1540. — schult B 1430, 1442, 1447. C 1471, 1472, 1477. 
D 1490, 1494 (2), 1510, 1515, 1520, 1524, 1534 (3), 1540. — 
schuldt D 1515, 1530 (5), 1545, 1560. 

stund B 1417, 1423, 1433. — stunt B 1429, 1442. — 
stundt D 1515. 

frund B 1440, 1445, 1447. C fehlt. D 1494 (2), 1515. 
— frunt C 1470 (2). — frunth D 1515. - frundt C 1472. 
D 1515, 1520. — iczund B 1423 (3), 1428, 1436, 1440, 1442, 
1445 (2). C 1477. — iczundt B 1396, 1418, 1421, 1424 (2), 

1437, 1445. C 1477. - iczundt C 1477. D 1560. — nymand 
D 1515. — nymant C 1477. — nymandt D 1520. — feind 
C 1472. — feint C 1477 (2). - feindt C 1472. 

wird D 1530. — wirt B 1403, 1408. C 1470, 1471 (2), 
1472, 1476 (2), 1477. D 1494, 1507, 1510 (2), 1515, 1520, 
1530, 1545. — wirdt D 1520. 

brandt 1472. — standt 1477, 1515, 1530 (2). — pfandt 
1490. — Schmidt 1510, 1530 (2), 1540 (2). — messegewandt 
1510, 1515. — gewandt 1530. — kindt 1515 (3), 1524. — 
schiedt 1515. — entschiedt 1520. ~ abschidt 1560. — goldt 
1534. ~ feldt 1530 (2). — Conradt 1520 (2) etc. 



70 

Über d bezw. t vgl. W. mhd. Gr. § 190. — Drechsl. S. 31. 

— Bahder S. 50. - Über dt vgl. Rück. Entw. S. 194. — 
Drechsl. S. 32. 

d bleibt im Auslaut natürlich gewahrt, wenn es ursprünglich 
inlautend war und nach Abfall von e in den Auslaut trat. 

frid, gnad etc. 

d = mhd. t, nhd. t. 

becand 1423 (2). - vorsigeld 1423. -— wagenfard 1424 (2). 
sand (sehr zahlreich; lateinisch sanctus liegt zu Grunde). — 
fordan 1534. 

Diese Erscheinung lässt sich also nur noch 1, n, r kon- 
statieren. 

s und seine Nebenformen. 

Im Anlaut s = mhd. s. 

Naturgemäss sehr zahlreich belegt. 

Daneben steht auch z : zenftleben 1408 — zak 1423 (3) 
alzo 1352, 1417 — gezellin 1428 (3) - zelemessen 1445, 1446 

— zelen 1446 — zune 1447 — zaffrans 1433 (2) — zaffran 
1433 (3). — Vgl. Rück. Entw. S. 153. 

Von C ab ist dieser Gebrauch nicht mehr belegt. Weitere 
Beispiele bietet der Inlaut. 

Im Inlaut s = mhd. s, daneben auch hier z. 

Gegen Ende der Periode tritt z immer spärlicher auf. 
Esch. kennt es nur noch in Eigennamen und nach Esch. ist es 
nicht mehr belegt. 

B bozir 1389 — gewezin 1393 — dezin 1403 — lazura 
1399 (3) — weize 1417, 1440, 1442, 1445, 1446 — weyze 
1446 — weizen 1419 — hoppfenhawze 1417 — rathawze 1438 

— rathuze 1437 — vorwezern 1438 — abeczulozen 1446, 
1438 (10) — lozen 1433, 1440 — Pozenow 1408 (3) — 
Elyzabeth 1413 — Elizabeth 1419, 1440 — Elizabet 1413 — 
Lazan 1415 — Gnizen, Cloze 1417 — Rozenfeld 1417, 1424 

— Rozenczweig 1436 — Rozenfang 1445 — Slezia 1443 — 
Glazer 1440 — Balthazar 1445 (2). C Kazimirus (2) — 
Kazimiri (2) — Kazimiro — Pozen — Gnezen — Baltazar. 

Rück. Entw. S. 152 ff : Der Ursprung der Schreibung z 
für s ist deutlich in niederrheinischen und niederdeutschen 



71 



Mustern zu sehen, von wo aus sie sich weit in Mitteldeutsch- 
land verbreitet hat. Ein Grund, der dem Laute selbst ent- 
nommen, für die Schreibung massgebend wäre, lässt sich nicht 
angeben. — Vgl. auch F. Frangk S. 108: »Man findts auch bei 
den alten | das für hundert jähren und kürtz darnach das z 
fürs s . . . . gemeinlich ist braucht worden etc.« 

Als Beispiel führt er an erzam. 

Öfter steht s = mhd. z nach langem Vokal oder Diphthong, 
wo SS zu erwarten wäre (s. unter ss = z). lasen 1393, 13 v9, 
1424, 1434 (6), 1436 — lasin 1396, 1434 — drysig 1396 — 
dreissig 1423 (2) — geheise 1408 — grosem 1421 — Grosen 
1442 (2) — awsin 1423 — mesiger (C) — geewsert 1510. — 
Ins 16. Jahrhdt. reicht also nur eine einzige Form hinein. 

Über diese ältere Schreibung s vgl. Rück. Entw. S. 141. 
— Beispiele bringt Drechsl. S. 34, 35. 

SS = mhd. s. 

Inlautend: weisse 1424 — schultissey 1417 — speisse 
1431 — buchssen. buchsse — Stuchsse 1426 — wechssil 1444, 
1446 — kursse 1421 — bochssen 1440 (2) — hewsser 1510 
weiffe 1520. 

SS = mhd. SS. 

zelemessen, gedechtnisse, gefenknisse, rosse, missetat, 
messingsloher, messegewandt etc. 

mhd. ss wird auch vereinzelt durch cz wiedergegeben, nur 
im Beginn des Zeitraumes. 

Broczil 1393 — gwicze 1439. 

SS = mhd. z nach langem Vokal und Diphthong: mosse, 
Strossen, lossen, lassen, aussen, genossen, stossen, gemessen, 
weissen, geheisse, fleisse, fleissig, bussen, hiessen, grossen, 
müsse, geewssert, eusserte, blutvorgissen, fussen, dreissig etc. etc. 

z ist nicht belegt. Die nhd. Lautstufe ist hierin erreicht 

ss ='mhd. zz nach kurzem Vokal. 

beslossen, essen, slosser, vorgessen, hassen, gesessen, 
wissentlich, Wissenschaft, wasser, besser, fessel, fasse etc. 

Auch hier ist die nhd. Schreibweise durchgedrungen. 



72 



Auslaut. 

s = mhd. 8. 

als, hus, haws, los, was (praet), vasnacht, es (gen.) etc. 

SS = mhd. s. 

hinderniss 1396, 1417 — vorretniss 1413 — gefenkniss 
1428 etc. — czinss 1437, 1438 (2), 1440, 1445, 1446 - 
Swinssberger 1389. — In C und D stirbt dieses ss ab. 

s = mhd. z. 

Diese Schreibung ist in unsern Denkmälern so gut wie 
durchgeführt. Nur daz 1389, 1393 (7), 1394 (2), zeigt altes z. 
Rück. (Entw. S. 141) macht mit Recht darauf aufmerksam, dass 
dieses z seit dem Ende des 14. Jahrdts. zu den grössten Selten- 
heiten gehört. 

In unsern Denkmälern, freilich auch nur in den letzten 
Jahren des 14. Jahrhdts., findet sich auch z = mhd. s. 

alz 1352, 1389 (2), 1390, 1393, 1399. 

Über die Gleichheit der Laute vgl. W. mhd. Gr. § 205. 

Beispiele für s = mhd. z überaus zahlreich: das, was, bis, 
es, aws, furbas, fleis, lis, dis, blos etc. 

SS = mhd. z. 

awss 1393 (2) — gross 1417 — geschoss 1445 — bifs 
1524, 1530. 

ß für mhd. s. 

Anlaut: alßo, ßo 1490, 1507 - ßalige 1420. 

Hier steht ß vor Vokal. Weit häufiger vor Konsonanz, wo 
es nhd. gesprochnem, teilweise auch geschriebenem seh ent- 
spricht. 

zußpruch, ßwestern 1507 — ßmidt, ßneider, ßlesischen, 
geßnitten, geßtellen, zußtendig, ßtiffvater, vorßtorbener 1520 — 
anßprechen, anßpruche, zußpruche, verßtorbenen 1524 etc. 

Inlaut: czinße (2), lößen, hawßes, vorweßir, weiße, unßers, 
sechße 1490 — dyße, taußent, czinßes 1507. 

Auslaut: geczeugniß 1507 — loiß 1507 (6), 1520 (4) — 
loß 1507 — alß 1507 — hawß 1507, 1520, 1534, 1555 — 
vormalß 1507 — baß 1507 — beweißlich 1607 — faßnacht 
1507 - hinderniß 1520, 1524 — hindernuß 1520 (2), 1524 (3) 
— gedechtnuß 1520 — anderßwo 1520 — weß 1534. 



73 



ß für mhd. z. 

awß 1490 (4), 1507 (9), 1520 - weiß 1490, 1507 (2) — 
biß 1507 C4), 1520, 1524 (4) — diß 1507 (5), 1520 — daß 
1507 (2), 1534, 1555 — waß 1534 - groß 1560. 

fß: lafßen 1507 (3) - grofßen 1507. 

sz = mhd. s nur in czinsze 1437. 

sz = mhd. z nur in craisz 1474. 

Drechsl. S. 35. — Rück. Entw. S. 154. . 

z = mhd. z vgl. s = mhd. z auslautend. 

Es herrscht also grosse Regellosigkeit im Gebrauche der 
verschiedenen Schriftzeichen, doch ist es klar, dass ss und ß in 
den meisten Fällen den stimmlosen Laut bezeichnen. Die 
grösste Verbreitung hat im 16. Jahrhdt. ß, der Vorläufer des 
nhd. ß. 

seh. 

seh entspricht anlautend mhd. seh: schone, Schreiber, 
beschemen, schenken, scheppen, scheiden etc. etc. 

SC für seh nur scot 1408 (2). W. mhd. Gr. § 210. 

Über die Verbindungen sl, sm, sn, sw und ihre Korrelate 
schl, schm, sehn, schw vgl. unter Konsonantenverbindung. 

Inlautend seh = mhd. seh. 

zwischen, groschen, bischoffe, hungerische etc. etc. 

Daneben findet sich die Schreibung ssch, die in unsern 
Denkmälern nur für seh gilt. Rück. (Entw. S. 144) weist ssch 
auch für ss nach. 

zwisschen 1396, 1426 (2), 1428, 1490 — czwisschen 1399 (2), 
1409, 1418, 1418, 1421, 1423 (3), 1424, 1426, 1427, 1445 (2), 
1446, 1447 — czwusschen 1447, 1524 — zwusschen 1510 — 
bysschoff 1392 — bisschoff 1421, 1422 (2), 1423 (2), 1424 (5), 
1427 — bisschofs 1417, 1424, 1427 — bisschoffs 1421, 1423, 
1424, 1427 — fisscherynne 1417 — heisschen 1417 — falssche 
1433 — falsschen 1442 — fleisschern, fleissches 1445 — ge- 
drasschen 1445 — grosschen 1445 (5), 1446 (8), 1510 (3), 
1515 (3), 1524 (3), 1530. 

Die gewöhnliche Schreibung ist seh; nur wenige Beispiele 
von ssch reichen in das 16. Jahrhdt. hinein. 



74 

seh = mhd. s. 

bischtumes 1446 — Mathiasch 1440 — Mathiaschen 1477 (2) 

— marschtalle 1534. 

Über diese seltene Schreibung vgl. W. mhd. Gr. § 210. — 
Rück. (Entw. S. 144) nimmt an, dass bei bischtum auf bischof 
zurückgegangen wurde. 

tsch geht zurück auf cz (tcz) in Nymptsch 1433, 1435 — 
Gorlitsche 1426 —. Proitsch 1441 — pitschil 1408. — Daneben 
stehen die cz- (tcz) -Formen: Nympcz 1431 (3) — Gorlicz 1446 

— pitczil 1408. 

Gemination. 
A. Sonore Konsonanten. 

Über w und j ist nichts zu bemerken. 

1- IjiqTj.idlae- 
rr. 

rr gegenüber mhd. einfachem r in jrre 1359, 1417, 1423, 
1436, 1444 - jrrer 1424, 1426, 1433, 1445 (2), 1446 — 
unsirre 1352. 

Diese Erscheinung geht also nicht über die Mitte des 
15. Jahrhdts. hinaus. Rück. Entw. S. 175. — Viele Beispiele 
für diese rr in der Flexion bei W. mhd. Gr. § 213, unter denen 
auch irre genannt ist. 

rr vor Konsonanten liegt nur vor in Dorrmdorff 1403 (3). 

11. 

Altes 11 in gesellschaft 1393, 1421 . . . .; daneben gesel- 
schaft 1394, 1421. 

Im 16. Jahrhdt. erscheinen soll, will in Analogie zu den 
Pluralformen. 

S- JSTasale. 
mm. 

mm < mb.: dorumme, umme. Sehr zahlreich belegt. — 
Weitere Beispiele bei W. mhd. Gr. § 162, § 183. — Vgl. auch 
Rück. Entw. S. 177 — Neben dieser Assimilation ist aber 
auch, und im 16. Jahrhdt. vorwiegend, mb belegt, besonder? 
im Auslaut. Vgl. Konsonantenverbindung. 



75 

mm für einfaches m im part. praet. von komen, nemen ist 
im Beginn (B) selten. Bei C ist mm schon stark verbreitet. 
Im 16. Jahrhdt., von 1520 c. ab, ist nur mm belegt. — Bahder 
S. 8. — Regelmässig steht mm im Fremdwort: summe, summen. 

nn. 

nn<nd.: ynnewennig 1428 — uswennigen, awswennig (C). 
W. mhd. Gr. § 189. — Rück. Entw. S. 178. 

Vereinfachung von nn im Auslaut ist nur in der ersten 
Zeit zu beobachten: wen, etwen .... — Johan 1392, 1394 etc. 
Daneben stehen die nn- Formen. 

Seit Esch., aber ganz besonders im 16. Jahrhdt., nimmt nn 
stark zu und tritt selbst dort auf, wo niemals eine Gemination 
stattgefunden hat. 

Dieses Doppel- n zeigt schon A. Im 16. Jahrhdt.: unnd, 
unns — dorann, habenn, entphangenn, groschenn, vonn, inn, 
guldenn, teilenn, werdenn, lannde, bekannth, kynnder etc. etc. 
Vgl. Bahder S. 8. 

Dass diese Konsonantenhäufungen wesentlich Sache der 
Schreibermode seiner Zeit waren, hat schon F. Frangk bemerkt. 
S. 102 erklärt er nn am Wortende für einen Schmuck, der auch 
ganz gut fehlen könnte: »Auch wird von ettlichen | als notig 
und für ein Regel gehalten | das sie die wort | so im n aufs- 
gehen mit duplirtem n schreiben | als denn Ersamenn weisenn 
Herrnn etc. Welches | als zuachtenn mehr schmucks | denn 
nothalben geschiet | Weils der gestalt bey denen | die solch 
gleissenn nicht ansehenn | mehr als überflüssig | und mit einem | 
denn mit zweien geschrieben | gemerckt wird.« 

Weiterhin schilt er die »Modisten odder Stuelschreiber«, 
die auch in der Mitte von Worten nn (bezw. mm) schreiben, 
um ihren Proben und Formularien ein »tapfers ansehen« zu ver- 
leihen, »so doch solches on den mussiggang | eine unlesliche 
schrifft I dar zu des Schreibers unverstant und gleissnerey 
klärlich wird.« 

Dagegen will Frangk dem auch in unseren Denkmälern 
vielfach belegten Gebrauch des nn vor Konsonanten eine Be- 
rechtigung zugestehen: »Wenns aber zwüschen einem stymmcr 
und mitstymmer gefordert | wirds gemeinlich (die weils starck 



76 



lautet) duplet gezogen | als | bannden | bennder | Hannfs | 
flannder etc. Aus dem kommets auch das diese wortlinn 
(unnd I unns | etc.) sampt all jrem anhang und nachkoramlingen 
I mit zweyen nn billicher denn mit einem geschrieben werden | 
als I Unns | unnser | unnserthalben | wegen etc. | Unnd | 
unnden | unnderthan | unndanck . . . . | Wie wols der brauch 
beiderseits heldt | das (unnd) doch mehr mit einem | denn mit 
zweien schreibt.« 

Letzteres stimmt auch für unsere Denkmäler, und ist häufiger 
als unnd. nhd. ist der ausgedehnte Gebrauch von nn zurück- 
gegangen. 

B. Geräuschlaute. 

1- I-ialDiale- 
pp. 



Vgl. pf. S. 47. 
Ist nicht belegt. 



bb. 



ff. 

Diese Schreibung ist überaus häufig und findet sich im 
Anlaut und Inlaut und Auslaut nach Kürze, Länge und 
Diphthong. Rück. (Entw. S. 179) ist der Ansicht, dass ff 
für f nach unzweifelhaften Längen geschrieben wurde, um die 
harte und energische Aussprache des f gegen das so häufig bis 
zum w herabsinkende v zu markiren. 

Ich bin der Ansicht, dass ff nur aus Freude an der Kon- 
sonantenhäufung, die das 15. und 16. Jahrhdt. besonders 
charakterisiert, geschrieben wurde. Darum hat auch ff keinen 
Einfluss auf die Vokalquantität. 

Anlautend ff nur in B: ffrawen, ffraw, ffursten. In- 
lautend: briffe, kauffe, liffe, Seyffenmacher, Steffan, dorffer, 
straffen, helffte, lewffer, greiffen etc. Auslautend: uff, hoff, 
brieff, eylff, bedarff, bischoff, funff, Joseff, schriefft, behelff, 
warff etc. 

Im 16. Jahrhdt. ist diese Gemination noch in voller Kraft 
ff = mhd. ff. Nichts zu bemerken. 



77 



S- O-iatturale- 

Über ck und gk vgl. k. 

3- Dentale- 
tt. 

tt für einfaches t ist sehr stark vertreten, und zwar nach 
ursprünglichen Längen und Kürzen. Die Kürzung der ersteren 
wird als sicher anzusehen sein. Nur graphisches Zeichen da- 
gegen ist tt nach Diphthongen. Rück. Entw. S. 181. — W. 
mhd. Gr. § 199. — Grdriss. § 23. — Bahder S. 8. 

hatte B 1393, 1394, 1397, 1399, 1408 (3), 1413, 1417 (4), 
1418 (4), 1419 (3), 1421 (3), 1422 (2), 1423 (4), 1429, 1431, 
1433 (2), 1439 (3), 1440 (2), 1442 (5), 1445, 1446. C 1470, 
1472 (4), 1473. D 1490, 1510, 1520 (2), 1524, 1530 (2) . . . . 
- hatten B 1417 (3), 1418 (3), 1424 (2), 1433 (2), 1439, 
1442 (5), 1444. C 1472 (9), 1477 - hette B 1389 (2), 
1393 (4), 1394, 1413 (3), 1417 (4), 1421 (4), 1424 (4), 1429 (2), 
1430, 1432, 1434 (3), 1440 (2), 1442 (16), 1446, 1447. 
C 1471 (3), 1472 (5), 1473 (4), 1474, 1477. D 1494 (5), 1507, 
1524 — hetten B 1389, 1413 (3), 1428, 1442 (6), 1445, 
1447 (2). C 1470 (2), 1471, 1472, 1473 (2), 1476, 1477 (2). 
D 1490, 1507, 1515, 1524 (2) — hettist C 1471 (2) — hott 
D 1530 (3), 1534 (7), 1540 (14), 1545 (2), 1550 — hattet 
C 1477 (2). 

mutter B 1445. D 1515, 1520, 1524 (4), 1540 - gros- 
mutter D 1515 — mutterlichen D 1534. 

Zu den bisher genannten Formen sind entsprechende Bei- 
spiele mit einfachem t ausser bei hott nicht belegt. Nicht so 
bei den folgenden Fällen. 

gutter B 1424, 1446. D 1494, 1510, 1515, 1520 (2), 1530, 
1534 — gutte B 1425. D 1490 (3), 1494, 1510 — gutt 
D 1520, 1530 — guttem D 1490 (2) — gutten D 1524 — 
guttes D 1494 — guttem D 1494, 1524, 1530, 1534, 1540 — 
ratt D 1530. 

In C ist also tt ausser in den Formen von haben nicht 
belegt. Die Beispiele häufen sich in D. 



78 

tt nach alten Kürzen: 

fetter B 1418, 1424 — vetter B 1399, 1437 — fettem 
D 1490 — vettern D 1534 — mitt B 1414, 1424, 1428, 1437, 

1442 (2) — mitte B 1421. D 1494 (2). (Vielleicht liegt 

Einfluss von mitte: medius vor, neben dem auch mite belegt 
ist!) entritten B 1430 — ettliche B 1434 — spittal, spittals 
B 1438 — capittels B 1438 — erstatten B 1445 — betteln 
B 1446 — gestatten C 1472 — gestatte C 1477 — sendebotten 
C 1470, 1471, 1472 (2), 1474 (2) — widerstattunge C 1471, 
1472 — bitten C 1471 (3) — gestritten C 1472 (2) — aws- 
rottunge C 1472, 1477 — wortt D 1507 — statt D 1507 - 
gott D 1530 (2) — vatterlichen D 1534 — abtrettung D 1540 
— wittwe D 1545. 

tt nach Konsonanten in rentten D 1490. 

tt nach Diphthongen ist selten und erst nach C belegt. 

weitter 1490, 1494 (2) — lawttende 1490 — hewtte 1510, 
1524 — czeitt 1530 — voitt 1545. 

Der Vergleich mit dem nhd. Sprachgebrauch zeigt, dass tt 
in zahlreichen Formen, wo es sich um ursprüngliche Längen 
und Kürzen (Diphthonge sind ausgeschlossen) handelt, ins nhd. 
übernommen wurde. 

Über dt s. unter t. 

zz. 

Über zz und cz vgl. s. 

dd. 

Für einfaches d wird dd gebraucht nach kurzen Vokalen 
in odder 1370 — widderrede 1490 — widder 1494 (2), 1524, 
1530. Rück. Entw. S. 180. — W. mhd. Gr. § 188. — Bahder 
S. 50. 

Diese Gemination ist also ziemlich selten. Die d- Formen 
haben die Herrschaft. Über diese Gemination äussert sieh 
F. Frangk S. 100: Ettliche brauchen das duplet dd | etwann 
wenns zwuschen zwenn Stimmer gesatzt wird | als odder | 
Widder | redden etc. | Welchs on notig und ein uberflus sein 
mag I Weils nicht stark lautet | darzu das widderspiel mehr 
gesehen wird. Doch ich wil umb dis mit niemands zancken [ weils 
villeicht beiderseits mag gehalten werden.« 



79 

Konsonanten -Verbindungen. 

Ich handle zunächst von sl^ sm, sn, sw im Anlaut. Diese 
Verbindungen reichen bis in das 16. Jahrhdt. hinein. Seit 1524 
ist mir aber ausser in Slesien nur seh in jenen Verbindungen 
begegnet. Bei Slesien mag lat. Silesia bestimmend gewirkt 
haben. Alles Nähere wird die Statistik ergeben. 

Zu F. Frangks Zeit wurde noch sl, sw geschrieben, wie aus 
dem Passus S. 104 hervorgeht: »Wenns p odder t nach dem 
seh I von rechte gefordert | so wirds ch vermieden | und das 
p odder t schlechts zunehst ans s gesatzt | wie jtzt gesehen. 
Desgleichen haldens ettlich auch | mit dem 1 und w wenn sie 
nach dem seh gehen | das sie das h meiden | und schreiben 
also Slesier | Sweidnitz | Sweitzer | für Schlesier | Schweidnitz 
I Schweitzer etc. | Welches aber nicht so vasst als Jens 
jnn ubung ist.« 

Über das Verhältnis von s und seh in diesen Verbindungen 
vgl. Rück. Entw. S. 144. — Bahder S. 50. 

Noch bei Opitz erscheint slange, vgl. Drechsl. S. 34. 

Im heutigen Dialekt herrscht die aspirierte Aussprache, 
vgl. W. Dial. S. 80. 

Über die Schreibung ßl, ßm, ßn, ßw vgl. unter ß S. 72. 

sl A fehlt. B beslan 1393 — geslagen 1393, 1417 — 
ufslag 1417 — totslages 1423 (2) — todesslages 1433 — 
todslages 1439 — vorsinge 1436 ~ siege 1440 (3) — beslossen 
1442 (2) — slossil, slussil (4) 1442 — slosser 1418, 1442 - 
Blossen, slosse 1442 — Slichting 1417 etc. C beslossen, Slesien, 
beslissen^ uffgeslagen, slosser, slos, beslissungen etc. D Slesien 
1534 (2), 1555 (2). 

schl A fehlt. B Schiaispech 1413. C schlossern 1474. 
D beschlossen 1524 — Schlosser 1530 (3) — anschlege 1530 

— geschlagen 1530 (3), 1534 — Dromelschlaer 1530 — 
goltschlaer 1530 — schlegen 1534 — Schlitten 1555 (2). 

schl gewinnt demnach im 16. Jahrhdt. die Herrschaft. 

sm A fehlt. B goltsmed 1417, 1424 — goltsmede 1424 (2) 

— grobsmede 1428 (2), 1444 — smedeknechte, smedeknechten 
1428 — Helmsmed 1426 — Smylo 1420 — gesmehit 1433, 
1442 — smocheit 1534 — gesmeide 1445 etc. C smerczlichen, 



80 

smehlichen, vorsmeher, smocheit, vorsmehen etc. D smid 1507, 
1510 — Smidebrucken 1510 — gesmöcke 1515. 

schm A fehlt. B fehlt. C fehlt. D Schelnschmydt 1510 

— Schmidt 1530 (5) — schmid 1524 (3), 1530 (3), 1540 (4), 
1550 — schmehlichen 1550 — Schmidebrucke 1524 — Schmide- 
brugken 1555. 

Auch hier ist das Erreichen der nhd. Lautstufe deutlich. 

sn A fehlt. B Ledersnyder 1389 — sneider 1408, 1440 

— besneiden 1434 — gesneten 1438. C abgesnyten, snodiglich. 
D nur sneiders 1520. 

sehn A fehlt. B fehlt. C fehlt. D Schnabel 1507 — 
Schneider 1507 (2), 1510, 1520 (3), 1524 (3), 1530 (9), 1534 (3), 
1540, 1545 (2) etc. — Schneiders 1520 — schneiderinn 1520 

— geschnitten 1530 — Schneckenbach 1534 — Schnolcz 1490 

— Schneweis 1534. 

Das Verhältnis ist klar. 

sw A swerlich 1352, 1359 — sweren 1359. B swoger 
1370, 1408, 1440 — swarcze 1413 — geswisterde 1399, 
1446 (9) — Swidnicz 1396 — Sweidnicz 1423 . . ., Swinss- 
berger 1389 — Swebischin 1408 — sweren 1423, 1439 — 
swere 1439 — geswornen 1424 (2), 1444, 1445, 1447 - 
gesworn 1424, 1436, 1438 (2) — gesworen 1433, 1442 — 
beswerunge 1425, 1433 (2) — vorswegen 1431, 1442 — 
vorswigen 1442 — sweigen 1434 — swestir 1436 — sweger 
1436 — vorsweigen 1442 — swertern 1446. C swerheit, 
beswerunge, swere, gesworne, Swidnicz, gesweigen, swerlich_, 
besweret, swerer etc. D geswisterden 1490 (3) — geswisterde 
1490 — swoger 1490, 1515 (2) — geswistern 1494, 1515 — 
swester 1494, 1510, 1515, 1520 — Sweidnicz 1515 — Swobe 
1510, swarczen 1510 — swur 1520 — gesworn 1520 — 
besworn 1520. 

schw A fehlt. B fehlt. C fehlt. D schweingelt 1494 — 
schwoger 1507 (4), 1524 — schwiger 1530 — schwein 1524 (3) 

— Schweine 1524 — schwere 1524, 1530 — schwerer 1530 — 
schwogers 1507 — geschwisters 1507, 1524 — Schwester 1490, 
1507 (2), 1520, 1524 (6), 1530 (3), 1550, 1555 - schwarcze 
1507 — schwartzbach 1530 (2) — Schwarcz 1530, 1534 — 



scliweinenem 1510 — geschwisterden 1507 ■— Schweidnicz 
1520, 1540 — Schweidüitzen 1524 (2), 1530 — geschworn 
1530 — geschworner 1555 — schwacheit 1530. 

Auch hier ist die nhd. Lautstufe erreicht. 

Wie schon bemerkt,, ist Dach 1524 nur noch sl in Slesien 
belegt, sonst ist seh durchaus durchgedrungen. 

Neben Skopp 1445 (2), 1446 (2) steht Schkoppe 1447. — 
k wird in diesem sonst nicht mehr belegten Beispiel von Einfluss 
auf die Entwicklung gewesen sein. Drechsl. S. 34. 

ßp, ßt s. unter ß. 

tw hat sich erhalten. Beispiele für kw oder zw sind mir 
nicht begegnet. 

ebintwer 1393, 1394. 

umbetwungen 1417, 1420, 1424 (2), 1440 — unbetwungen 
1418, 1434 — betwungen 1471 (2), 1472 (2), 1477 — betwinget 
1472. In D fehlen Beispiele hierfür. 

Über die Entwicklung dieser Verbindung vgl. Grdriss. § 97. 

— Der heutige Dialekt bevorzugt qu vgl. W. Dial. S. 85. 

Häufig tritt t hinter n zwischen Kompositionsglieder: uffent- 
lich 1370, 1389 — öffentlich 1477, 1540 — öffentlichen 1424 

— allinthalben 1473 — allenthalben 1417, 1418, 1421, 1423, 
1424, 1425, 1428, 1490, 1524, 1530 (4), 1534 (2), 1540, 1560 

— wissentlichen 1421, 1442 — wissentlich 1442 (2), 1472 — 
unwissentlichen 1442 — wissentschaft 1471 — eigentlichen 
1421, 1440 . . . ; eigentlich 1471 — etc. W. mhd. Gr. § 199. 

— Drechsl. S. 33. 

Ebenso nach r: anderthalb 1530 (2). 

Im Auslaut tritt t bezw. d an n an in ymant (ymand) — 
nymant (nymand) — iczunt (iczund) — etc. 

Formen ohne t (d) sind nicht belegt. W. mhd. Gr. § 200. 

t tritt an s an in: sust 1428 (2), 1429, 1437, 1442, 1445, 
1446, 1471 (3), 1477 - sunst 1477, 1524, 1530 (6) — sonst 
sonsten . . .; — doselbist 1417, 1426, 1427, 1429 etc. W. mhd. 
Gr. § 200. 

1 schwindet vor t in wertlich 1409, 1417, 1418, 1424, 
1437, 1446, 1471, 1477 (2), 1490, 1494, 1507 (2), 1510, 
1515 (3), 1524 (2) — wertlichen 1418, 1424, 1428, 1471 (2), 

Arndt, Entwicklung der Breslauer Kanzleisprache. 6 



82 

1477 (3), 1494 (2), 1515 - wertliche 1424. W. mhd. Gr. 
§ 212. — Rück. Entw. S. 194. 

n tritt für 1 ein in werntlich 1524 (3). W. mhd. Gr. § 218. 

Sehr seltene Erscheinung und erst spät belegt. Ebenso 
welntlich 1524, das auf eine Vermischung von weltlich und 
werntlich zurückzuführen ist. — Die nhd. Form weltlich be- 
hauptet die letzte Stelle: 1524, 1530 (7), 1534 (4) etc. 

mb hält sich neben mm sehr zäh. 

umbe 1389 (2), 1394, 1403, 1409, 1417 (2), 1418, 1424(2), 
1428, 1432, 1433 (3), 1434 (3), 1437, 1438, 1439, 1440 (4), 
1442 (2), 1444, 1445, 1447. — 1471 (9), 1472 (9), 1473, 
1476 (2), 1477 (5). — 1490 (3), 1510, 1515 (3), 1520 (4), 
1524 (6), 1530 (6), 1534 (5), 1540 (3), 1555 (3). — umbe 
(gleichfalls zahlreich vertreten). 

p entwickelt sich als Übergangslaut 

1. zwischen m und t: mitsampt 1401, 1440, 1470, 1477, 
1524 — sampt 1413 (2), 1418, 1421, 1530 — gesampter 1408, 
1417, 1418 (4), 1421, 1422, 1423, 1428 (3), 1445, 1507 — 
samptlich 1534, 1560 — zusampt 1534 — (In ampt 1352, 1439(3), 
1534 — ampte 1524 eigentlich wurzelhaft) — nympt 1471 — 
vordampten 1472 — vordampte 1472 — vordamptis 1477 — 
vordampt 1477 — vorseumpt 1442; — 2. zwischen m und n: 
sampnunge 1444, 1447, 1470 (2) — Dompnik 1440 — zusampne 
1471 (4) — Dompniks 1476; — 3. zwischen m und s: Dompslaw 
1445 (2) — Nampslow 1507. ßück. Entw. S. 191; - 4. zwischen 
m und 1: samplung 1507. 

Auch b erscheint als Übergangslaut 

1. zwischen m und t: sambt 1524, 1530, 1540, 1545 — 
mitsambt 1524, 1545 — (ambten 1530) — obbestimbter 1534 
— eingereumbt 1540 (2); — 2. zwischen m und d: frembden 
1507 — frembder 1524; — zwischen m und 1: nemblich 1490. 

Über p und b vgl. Rück. Entw. S. 192. — W. mhd. Gr. 
§ 162. — Drechsl. S. 29. 

In der Ableitungssilbe -thum (tum) tritt im 16. Jahrhdt. 
b an: aigenthumb 1524 — heiligthumb 1524, 1534, 1560. 

Über die Entwicklung von p, b zwischen Konsonanz und 
die Affigierung von b an m spricht sich F. Frangk S. 105 aus: 



83 

»Inn diesen Worten | Amtmann | samtlich | Heutman | Tumherr | 
Tumprobst | etc. Wie wol sie one mangel scheinen auch sein 
mochten | helt doch jtzunt der gemeine brauch gleich für ein 
gewisse Regel | Wenns m t | odder auch das m ein wort odder 
Silben schliessen | wird das b odder p zwuschen sie ein | odder 
hinzugesetzt | Und schreibts also | Amptman | samptlich | Haupt- 
man | Tumbherr | umb | widderumb | darumb.« 

n > m vor Labialis. 

Kuremberg 1407, 1415, 1426 — Reichembach 1417 (3), 
1418 (2), 1424 — umbetwungen 1417, 1420, 1424 (2), 1440 — 
umbeteidingt 1437 — kumfftig 1490 — fumffczig 1494 (3), 
1445 (3) — fumffczik 1438 (3) — vornumfft 1437 — fumff 
1441, 1442 (2), 1444 — offembar 1444, 1470 -- zukumfftigen 
1444. — Rück. Entw. S. 186. — W. mhd. Gr. § 183. — Im 
16. Jahrhdt. ist diese Assimilation nicht mehr belegt. 

Nasaliert ist sunst 1477, 1507, 1524, 1530 (6) — sunste 
1515 (2) — sonst 1524, 1534 (6), 1540, 1545, 1555 ~ sonsten 
1524 (4) — doselbinst 1424 (4). — Andere Erweiterungen 
mit n: iczunt, iczunder — lichnams 1472 — leichuam 1439 — 
leichnams 1447. — Rück. Entw. S. 189. 

Interessant ist die Doppelbildung stynkindinge 1417, ein 
partizipiales Adjektiv, das durch Einschiebung von n vor g noch 
erweitert ist. Nur dieses eine Beispiel ist belegt. — Rück. 
Entw. S. 186. — Über den heutigen Dialekt vgl. W. Dial. 
S. 109. 

Umstellung von n und r: dornstage 1419. Nur dieses 
Beispiel. W. mhd. Gr. § 214. — Rück. Entw. S. 185. 

Aus lat. sanctus ist c stets geschwunden, und es stehen 
zahlreich nebeneinander sand, sant, sande, sante, in Ton- 
schwächung sente, sent. 

ch fällt vor t in nit (C), 1560 (3). Ripuarische Erscheinung. 
— W. mhd. Gr. § 238. — Beispiele aus späterem Schlesisch 
bei Drechsl. S. 39, 40. - Bahder S. 5. 

Deklination. 

Es sollen hier nicht vollständige Schemata der einzelnen 
Wortklassen gegeben werden, sondern nur die Formen sollen 

6* 



84 

hervorgehoben werden, die für die Entwicklung der Sprache von 
Bedeutung sind. 

St. Deklination. 

W. mhd. Gr. § 442 ff. 

Masculina. 

In diese Deklination sind entsprechend dem nbd. getreten 
die mhd. sw. herczoge, lichname. 

herczogis 1393 — den weissen herczog 1440 — der 
herre .... herczog 1440 etc. 

leichnams 1447 — lichnams 1472. 

Von herczog sind in B, C auch sw- Formen noch vor- 
handen, doch erlangen die st. im 16. Jahrdt. die Herrschaft. 

Umgekehrt sind von son, mhd. sun, allerdings nur in C, 
auch vereinzelte sw- Formen belegt: g-s: sonen — a-s: sonen. 

Im 16. Jahrhdt. ist der nhd. Gebrauch durchgedrungen. 

Feminina. 

Die fem. auf -ung wahren zunächst e der Endung in allen 
Kasus des Singular: betzalunge, berichtunge, zugehorunge, 
winnunge, sperrunge, furderunge, beswerunge, obilhandelunge, 
werbunge, beschirmunge etc. etc. 

Die Zahl dieser Beispiele ist sehr gross. In B sind solche 
Formen durchaus herrschend. In C finden sich schon Werbung 
(n. 8.), erwelung (d. s.), awsrichtung (a. s.). 

Die nhd. Formen gewinnen immer breiteren Raum. Im 
16. Jahrhdt. ist mir in raichunge (n. s.) 1524 die letzte Form 
mit e begegnet. Nach diesem Jahre ist der nhd. Gebrauch 
herrschend. 

Unflektiert ist der nom. acc. pl. von mark. 

In den andern cas. pl. tritt Flexion ein. So besonders in B. 

Neutra. 

Flexionslose Plural-Formen finden sich, auf die erste Hälfte 
des 15. Jahrdts. beschränkt, alle unser gebot 1430 — die recht 
1442 — tuch 1440 (10). 

Die pl-Endung — er fehlt bei weih nur in: mit iren weihen 
und kindern 1431. Später nicht mehr. 



85 

Bemerkenswert ist der n. pl: guttere 1446 — gutere 1446 
— kindere 1420 — geswistere 1446. 

W. mhd. Gr. § 454. 

Diese Formen überschreiten nicht die Mitte des 15. Jahrhdts. 

Von den substant, Partizipien ist frund in der ersten 
Hälfte des 15. Jahrhdts. noch flexionslos gebraucht: gute frund 
1440 — vor frund und erber lute 1445. — Daneben greifen 
die flektierten Formen Platz, die vom Ende des 15. Jahrhdts. 
herrschend sind: lieben frunde 1442 — die gekoren frunde 
1446 etc. etc. 

W. mhd. Gr. § 465. 

Sw. Deklination. 

W. mhd. Gr. § 456. 

Masculina. 

Entsprechend dem nhd. flektieren stets schwach her, furste. 
Der mhd. n. s. herre findet sich nicht mehr; überall, als Titel 
vor Eigennamen oder in selbständiger Stellung, ist nur her 
belegt. 

furste tritt auf z.B. 1419; in C aber schwindet schon e im 
n. s. dieses Wortes. Im übrigen werden beide Worte nur sw. 
flektiert. 

Vormunde, herczoge schwanken schon in B (1418: d. s. 
herczog — a. s. herczog). In C tritt dieses Schwanken immer 
mehr hervor. Nur sporadische Erscheinungen sind in C wege, 
monde, cardinale. In D (16. Jahrhdt.) finden sich keine Ab- 
weichungen vom nhd. Sprachgebrauche mehr. 

Feminina. 

Stets sw. flektieren in B die Konkreta vrauwe, kirche, ecke, 
gasse, Sache, summe, z. B. g. s.: der kirchen 1424. 

d. s. : von frauwen K. 1422 — in einer summen 1422 etc. 

Schwankend ist woche in mittewoche, mitewoche, auch in 
Bezug auf das Geschlecht. Schon als msc. ist es belegt in: am 
mitwachen 1426. So später öfter, im 16. Jahrhdt. durchaus. 
In B ist das Wort sonst nur fem. und vorwiegend sw. flektiert. 

st: d. s. an der mittewoche 1418, 1420. — sw: d. s. an 
der mitwochen 1420, 1422, 1424 — an der mittewochen 1421, 
1422, 1423, 1427 ... — an der mitwachen 1424, 1426. 



86 

In C begegnet schon der g. s. kirche — a. s. fraw. 

Im 16. Jahrhdt. sind die sw-Formen vereinzelt. 1524: zu 
dieser Sachen — 1524: der Sachen (g. s.) — 1560: der gassen 
(d. s.). — W. mhd. Gr. § 460. 

Abstrakta sind mir nicht aufgestossen. 

Über die Neutra ist nichts zu bemerken. 

Die nhd. Mischdeklination ist in einer Form vertreten: 
C des gloubens. 

Rück. Entw. S. 234. 

Die Eigennamen flektieren st., sw., oder lateinisch. Die 
sw. - Deklination herrscht vor. 

W. mhd. Gr. § 468. 

Der st. d. s. wahrt mit Vorliebe das e der Endung: vom 
Brige, von Präge, gen dem Eibinge, herrn Andrisse, zu 
Rome etc. md. Erscheinung. 

Behem flektiert sw. oder ist flexionslos. 

Adjectiva. 

Vor dem subst. ohne Artikel tritt die st.- Flexion ein: irstes 
kouffes 1440. 

In späterer Zeit sind mir Beispiele für solche Genetive 
nicht aufgefallen. 

Im voc. pl. tritt die sw.- Flexion ein während der ganzen 
Periode: lieben herren, lieben frunde, liben sone, edilen herrn, 
namhaftigen herrn, ersamen herrn, ersamen, liben, getrewen etc. 

W. mhd. Gr. § 517. 

Erstarrt ist all, alle: all des teils 1393 — mit alle irem 
gute 1408 — alle das obgeschreben gelt und silber 1408 — 
alle seines gutes farnde und unfarnde 1437 — alle ir gut farnde 
und unfarnde, von alle solchem gute 1437 etc. 

W. mhd. Gr. § 508. 

Adverbia. 

Sie endigen 1. auf -e (alte Endung o) — z. B. gerne, neste, 
alleyne, dorynne etc. etc. — 2. auf -en (eigtl. dat. pl.): allent- 
halben^, eigentlichen, wissentlichen, mechticlichen etc. — 3. auf 
den blossen Stamm. — Die Endung e überwiegt. 

Adverbiale genetive sind anders, selbis (z. B. doselbist). 



87 



Pronomina. 

Sehr beliebt ist die Kontraktion im d. s. der Possessiva 
und ein, kein, z. B, seyme, syme, eyme, keyme etc. So be- 
sonders in B. Im 16. Jahrhdt. erscheinen die nhd.-Formen. 

er flektiert das ganze 15. Jahrhdt. hindurch wie mhd. Im 
16. Jahrhdt. sind mir die ersten Beispiele für die nhd. Flexion 
begegnet in: g. pl. ihrer 1555, 1560 — d. pl. yhnen 1545, 
1560 — ihnen 1545, 1555, 1560. 

der, das flektieren nach mhd. Kegel, also g. s. des — 
g. pl. der. So in überaus häufigen Fällen. Erst 1560 ist mir 
begegnet: wegen derer. Der d. s. lautet in B vorwiegend deme. 
Daneben steht dem. Diese Form ist seit dem Ende des 
15. Jahrhdts. herrschend. 

W. mhd. Gr. § 483. 

Ebenso verhält es sich mit wer, was. 

selb in seinen Flexionen wird in B noch vom Artikel ge- 
trennt geschrieben. Seit dem Ende des 15. Jahrhdts. sind die 
nhd. Formen durchgeführt. 

Der st. n. s. selber ist mir nicht begegnet, wohl aber in B 
selbis, der eigentlich eine Genetivform ist, die durch Anfügung 
von t zu seibist, selbst erweitert ist. Der st. g. s. steht sogar 
in Verbindung mit dem Artikel: desselbis erbis 1442, ferner 
durchweg in dem Ortsadverb doselbiste, doselbist. 

Eine erstarrte Genetivform ist: ymands, nymands bezw. 
ymandes, nymandes. Sie ist in B, C ausserordentlich häufig, 
im 16. Jahrhdt. aber verschwindet sie. 

W. Alem. Gr. § 322, § 410. - W. B. Gr. § 353. 

Das ebenso entstandene nichtis, nichts erhält sich während 
der ganzen Zeit und ist ins nhd. übergegangen. 

Conjugatlon. 

Vor enklitischem wir ist n gefallen in habe wir 1359 (2), 
1396, 1413 — welle wir 1352 — froge wir 1427 — schatzce 
wir 1440 (6) — W. mhd. Gr. § 369. — Nach der Mitte des 
15. Jahrhdts. sind die nhd. Formen Regel. 

St. verba. 

Von komen sind die qu- Formen bemerkenswert vgl. S. 54. 



88_ 

Merkwürdig ist die 2. p. s. ind. praet. von lassen: liste 
du 1470. 

Schon mhd. nahm die 2. p. s. ind. praet. nach Analogie 
des coniunct. und des praes. die Endung es, est an, besonders 
im md. — H. Paul § 155, 7. — Danach wäre zu erwarten 
lissest, list. Nun wurde in Analogie zu der regulären Form 
lisse noch e angefügt: liste. Vgl. jedoch auch dieselbe Form 
bei sw -Verben. W. mhd. Gr. § 402. In unsern Denkmälern 
ist von solchen sw- Verben nur hortste 1470 belegt. 

Wie schon liste du als merkwürdige Bildung Esch. zu- 
gehörte, so auch die Beispiele für die 3. p. s. ind. praet.: lisse 
1471 — als Girsik .... quome 1472 — das .... einquome 
1471 — der andir sun hübe sich in Hungern einczuczihen 1472. 

W. mhd. Gr. § 374. - H. Paul § 155, 6. 

Analogie zu den sw -Verben ist anzunehmen. Sie tritt bis- 
weilen schon mhd. in Kraft. 

Für die Unterschiede des Ablauts im sg. und pl. praet. 
sind wenig Beispiele belegt, da diese Zeitform überhaupt in der 
Aktensprache selten ist. Nur zwei Formen sind belegt, in denen 
der nhd. Ausgleich vollzogen ist: blib 1530 — standen 1550. 
— Dagegen schreib 1408 — stunt 1442, 1445, 1505, 1520, 
1525, 1530 (2) — stunden 1429, 1472 (3) — hülfen 1472. 

In entscheiden 1440, 1471 — bescheiden 1442, den part. 
praet. ehemaliger reduplizierender Verba, ist der alte Diphthong 
gewahrt. Im 16. Jahrhdt. aber dringt der nhd. Gebrauch durch: 
entschieden 1560. 

Sw. verba. 

Wie im mhd. so sind auch in unsern Urkunden sw. praet. 
der Verben schaffen, rufen belegt: geschaft 1447, 1470 — 
ruften 1472 — anrufete 1472 — wiedirruft 1445 — widerrufft 
1524. Ebenso kommen auch für unsere Denkmäler, wie im 
mhd., die sw. part. praet. von weisen, preisen in Betracht. — 
geweist 1405 — geweiset 1413 — beweist 1410 — vorweist 
1417 — gepreiset 1472. 

W. Dial. S. 127. 

Rückumlaut liegt vor und hält sich bis ins 16. Jahrhdt. 
hinein: gesaczt, erczalt, entsaczt, geschanckt, dirczalt, entwant etc. 



89 



Im 16. Jahrhdt. stehen nur geschaczt 1524. — furgestalt 
1530. — 

Jedenfalls nimmt dieser Vorgang bedeutend ab. 

Rück. Ent. S. 263, 264. — W. mbd. Gr. § 392. — W. 
Dial. S. 128. 

Über das Abschleifen der Endung des part. praet. von 
Dentalstämmen vgl. t im Auslaut S. 63. 

Das part. praes. von st. und sw. verb. endigt noch auf e, 
wenn es flexionslos gebraucht ist. 

Beispiele: helfende, ratende, farnde, unfarnde, gebietende, 
bekommende, besuchende etc. 

Noch im 16. Jahrhdt. stehen farnde, unfarnde 1524. 

Rück. Entw. S. 263. — W. mhd. Gr. 373. - W. Dial. 
S. 126. 

Verba praet. praesentia. 

wost, wosten 1446 — wüste 1413, 1445 — wüsten 1442 
— wüst 1520 — gewust 1442 — vorwust 1494 (2). 

W. mhd. Gr. § 419. — Bahder S. 50. 

Die md. u- Formen dringen ins nhd. 

gegunst 1437 ist eine spezifisch md. Form für mhd. ge- 
gonnen, gegunneu. 

W. mhd. Gr. § 412. — Rück. Entw. S. 265. 

über die Einführung des euphonischen s vgl. W. mhd. 
Gr. § 208. 

Weitere Beispiele sind mir nicht begegnet. 

torsten 1447; dorste 1472. 

steht obd. und md. fest, n ist in unsern Denkmälern im 
praet. nicht belegt. 

W. mhd. Gr. § 415. 

Es sind dies die beiden einzigen Formen. 

sal, Salt — solde, sulde. 

Vgl. a S. 13. — S. 23. W. mhd. Gr. § 411. 

mochte, mochten — muchte, muchten. 

Vgl. S. 24. W. mhd. Gr. § 410. 

wellen. 

Die Formen wellen, weide sind auf den Beginn des Zeit- 
raums beschränkt. 



90 

Über die verdunkelten Formen wollen, wolde — wulde 
vgl. S. 28. — u S. 34. 

W. mhd. Gr. § 421. 

haben. 

Sehr zahlreich sind die kontrahierten Formen, z. B. inf. han 
1393. — 2. lind 3. p. s. ind. praes. stets, praet. ebenso. 

Part, praet.: gehat 1424 (3), 1426, 1440 (3). — Die ge- 
wöhnliche Form ist aber gehabt, die seit der Mitte des 15. Jahr- 
hunderts durchdringt. 

Durchgedrungen sind auch die verkürzten Formen hatte, 
hatten, hette, hetten. 

Vgl. Gemination S. 77. 

Über haben vgl. W. mhd. Gr. § 394. 

sein. 

W. mhd. Gr. § 363 ff. 

Im praes. sind die Formen von der Wurzel es abgeleitet. 
Das part. praes. lautet aber wesende. 

Die 3. p. pl. ind. praes. ist vorherrschend sint (sind), selten 
md. sent, und zwar im Anfange der Periode. Auf das 15. Jahr- 
hundert beschränkt ist seint, vgl. ei S. 37. 

Die 3. p. s. ind. praet. ist stets was. 

Das part. praet. lautet in erdrückender Mehrheit gewest. 
Noch im 16. Jahrhdt: 1524, 1530 (3), 1540, 1550. 

Erst 1560 beginnt gewesen (3) einzudringen. 

tun. 

In tun ich 1424 (2) ist altes n (< m) erhalten. — W. mhd. 
Gr. § 362. — H. P. § 174. 

Wortsehatz. 

Bei der Behandlung des Wortschatzes lassen sich zwei 
Gruppen von Wörtern unterscheiden. 

Die eine setzt sich zusammen aus Wörtern, deren Be- 
deutungsveränderung vom mhd. zum nhd. in den einzelnen 
Perioden deutlich ersichtlich ist. Hierher gehören Konjunktionen 
und Satzpartikeln (als, wie, so, wann, wenn, dann, denn, ab, 
ap, ader, aber, da, wo, Negation). 

Die zweite Gruppe besteht aus Subst., Adject. und Verben, 
die in der lautlichen Gestalt oder Bedeutung, in der sie von 



91 

mhd. Boden aus in unsern Urkunden noch belegt sind, nhd. 
schon veraltet sind. 

Ich wende mich zunächst zu der Behandlung der ersten 
Gruppe, d. h. der Konjunktionen und Satzpartikeln. 

Von vornherein verweise ich, um Wiederholungen zu er- 
sparen, auf Grimms D. W.-B., Lexers mhd. Handwörterbuch, 
Stobbes Mitteilungen aus Breslauer Signaturbüchern (B) in 
Bd. VI— X der Zeitschr. f. Gesch. u. Alt. Schlesiens, und die 
handschriftlichen Wortregister des Kgl. Staatsarchivs zu Breslau. 

I. 

a) als allein stehend. 

als in der Funktion des nhd. wie, mhd. als: Paul mhd. Gr. 
§ 317; § 342, 1. 

Neben diesem als steht auch so, und daneben bricht sich wie, 
das mhd. in dieser Funktion unbekannt ist, Bahn, wie ist im 
16. Jahrhdt. am häufigsten und lässt darum gleichfalls das Er- 
reichen der nhd. Sprachstufe deutlich erkennen. Im 15. Jahrhdt. 
ist als herrschend, aus dem 16. Jahrhdt. sind mir nur be- 
gegnet: als erbegeldes recht ist 1507, 1510 (2). alß mit dem 
iren .... 1520. 

Beispiele aus B: alz her selber 1390, 1392 — alz her 
yn gebeten hat 1393 — alz abengeschreben stet 1396 — als 
vor geschreben stet 1421 — bei seinem namen bliben als her 
sich in der Stat buch hat schreiben lassen 1426 — als sich 
das geboret 1430 — als hernoch geschreben stehit 1440 — 
und sollen den montag erbeyten als ander werkiltage 1444 
— in allirmosse als die gescheen ist 1447 — etc. 

Beispiele aus C: als das gancz vor owgen und offembar 
was 1471 — als schire .... als andir 1471 — als euch 
wissentlich ist 1472 — in sulchir forme als ... . begriffen ist 
1473 — glich halten als dieselben lewte 1474 — als er fur- 
gibt 1476 — als das vormals .... gewest ist 1477 — sovil 
swerer als vil ir seit irrende 1477. 

Zum Vergleiche mag so in dieser Funktion folgen. Es er- 
scheint erst spät, erst in C. 

und so denn unsire meynunge gancz gut ist 1471 — so 
adir wenig bedewtet 1472 — so sie sehen 1477. 



92 

D so em uff bewte uffgereicht ist 1507 — so er em uff 
hewte vor unns uffgereicht 1510 — so jerlich beim erwerb 
wechselt 1560. 

Schliesslich folgen die Beispiele für wie. 

B in solchirwys wie 1396. 

C wie entlich bliben wirt 1471 — wie is uf dem tag ab- 
scheidlich bleiben wirt 1471 — wie ir schreibet und claget 
1471 — wie wir wellen 1476 — wie euch zustet 1476 — 
wie sich das finden mochte 1477 — wie obberurt ist 1477 — etc. 

D und suste wie dasselbe 1510 — wie oben 1520, 1560 

— wie obberurt 1520 — wie recht ist 1520, 1560 — wie das 
alles .... benant oder unbenant sein mag 1520 — solche 
rinnen wie die vor alder gewesen sein 1530 — wie sie es ge- 
habt und besessen 1540 — sollen do pleyben wie lang sy 
wollen 1540 — wie wir es im werck also befunden 1560 — 
und wie sie uns berichtet 1560 — wie uns selber zum teil 
bewust 1560 — wie erbegeldes recht ist 1560. 

Dieses wie ist also erst eine nhd. Erscheinung. 

Stets und nur wie ist belegt nach Verben des Sagens und 
Denkens und ähnlichen, d. h. dort, wo wie einen indirekten 
Fragesatz einleitet. 

Hier schliessen sich an Sätze, die von Verben des Sagens 
abhängen und mit wie das eingeleitet werden: 

B und haben uns gesaget wie das sie eynen .... betten 
gehabit 1413 — und haben becant wie das sie ... . 1414 — 
sulch bekenntnis wie das jm wissentlich were 1417 — die 
sprechin also^ wie das sie nymands ausin lassen wellin 1423 

— und hat bekant wie das her ... zu halden geben hatte 1423 

— hat umbetwungen bekant wie das her . . . vorrichtit sey 1424. 

C wir bekennen, wie das wir .... 1471. 

Diese Erscheinung stirbt also gegen Ende des 15. Jahr- 
hunderts ab. 

b) als in Verbindungen. 

1. als ap. = nhd. als ob. 

Diese Funktion ist während der ganzen Zeit belegt. 

Vereinzelt ist sam 1471: sam sie nicht woste von den 
scheden. — Paul mhd. Gr. § 347, 5. 



93 



Daneben steht glichsam 1473: glichsam sie alle do weren. 
Im Übrigen ist als ap durchgeführt. 

2. Bei Adverbien = so. 

B als vil als er des dorczu bedarf 1403 — als verre jm 
.... got .... beheldet 1408 — als lange bis er .... 1415. 

als lange das das urteil .... die Scheppen .... schreiben 
werden 1418 — als lange als ... . 1430 — als lange als die 
1000 gülden .... beczalit werden 1440. 

C als ofte der konig zu Behemen .... seine sendebotten 
hatte 1470 — als lang er lebet 1471 — als ferre unsir macht 
wendet 1472 — als vil an im ist 1473 — als vil er hat ge- 
macht 1477. 

D fehlt. 

Ins 16. Jahrhdt. reicht diese Bedeutung nicht mehr hinein. 

Vgl. so in diesen Fällen: 

B fehlt. 

C wievil der bebstlich stul . . . arbeit, sovil mer . . . 1477 

— sovil swerer als vil ir seit irrende 1477. 

D so lange bis gemeldt sein 1507 — so balde got über 
mich gebewt 1520 — so lang bis das kyndt mondisch wirt 
1540 — so offt die wandelbar wurde 1540 — so lang wir . . . 
1540 - doch so fern er solches bey dem hern apt . . . 1540. 

Neben so fern steht vereinzelt 1540 wofern. 

3. Selten ist als = ebenso in als wol: 
her were als wol unser vorreter als her 1413. 
als schire als andir 1471. 

Diesem als entspricht einfaches so: 

so woll auch der unmundiegen Vormunden als den . . . 1560. 

so wol auch die vorlegen 1560. 

4. Pleonastisch steht als vor Präpositionen, Adverbien, 
haben globt .... vor Jungehans vor Orfede als von den 

des gefenknis wegen .... als von pferde wegin 1430. 

als nemlichen 1444 — als nemlich 1520, 1530, 1540, 1560 

— als itczunder obir ein jar 1510 — als dann sol und mag 
der herczog ansprechen 1529. 

Die Formen ohne als sind bedeutend in der Mehrheit. Die 
Verbindung alsdann ist ins nhd. übergegangen. 



94 

Während der ganzen Zeit steht als wie nhd. gewöhnlich 
als Einleilung zu einem appositionalen Satzgliede, z. B. als 
eigne schult zu czalen — als formen Vormunden — als vor- 
keuffer eines teils — als keufferin andern teils etc. etc. 

Ebenso ist als in temporaler Funktion in der ganzen Zeit 
belegt. 

so. 

so in relativer Funktion, mit Beziehung auf ein einzelnes 
Wort, erscheint erst im 16. Jahrhdt.: 

von wegen des hauses, so er em vorkaufft 1507 — die 
drei gülden hung., so fraw Hedwig .... schuldig ist 1507 — 
in der macht, so sie an unns beiderseit uffgetragen 1510 — 
forderunge, so er gehabt hat 1520 — trew und muhe, so 
Iledwigis meine eliche hausfraw mit mir gehabt 1520 — bei 
den aiden so sie ... . gethan 1530 — den vier kindern so 
sie ... . geczeuget hat 1530 — der erben geld so sie in Ver- 
waltung gehabt 1540 — bey allen jren rechten und gerechtig- 
kaiten so sie haben 1540 — alle und jede mengell so darinnen 
möchten befunden werden 1560 — wegen derer so die zeit 
daher unmündig gewesen 1560 — etc. etc. 

Eine bemerkunswerte Verbindung von so als in causaler 
Funktion ist Eschenloer eigentümlich; weder in B, noch in D ist 
sie mir begegnet: 

und so als die nicht bey mir sein 1470 — so als deine 
k. gn. villeichte meynet gerechtikeit zu haben 1471 — so als 
ir . . . . vorsmehen seit 1471 — so als von den von Breslow 
erkannt ist 1471 — darumb so als wir sulche brife . . . haben 
sullen breugen 1477 — so als der bebstlich stul dorynnen hette 
richten sullen 1477 — so als die beere czwischen euch wüten 1477. 

Die Bedeutung dieses so als wird am besten durch da 
wiedergegeben. 

wann, md. wenne, wen. 

Über die md. Formen vgl. e S. 14. — Paul mhd. Gr. § 348. 
— W. mhd. Gr. § 332. 

Das kausale wann ist in B selten, am häufigsten in C, 
in D fehlt es. 



95 

B wenne her weide gerne off bindin 1393 -* wen her 
selber . . . fertigen und entschulden weide 1421 — wen dovon 
vil zuschreiben were 1423. 

C wann uns dorczu beweget ... die berurte clausula 1470 

— wann wie mag der eynikeit machen . . . 1471 — wann wir 
können nicht boten bekommen 1471 — wann offenbar ist 1471 

— wann den turckischen kaiser haben wir . . . getriben 1472 

— wann vil Über wolten wir 1472 — wann durch ire lande 
die kouflute czihen 1474 — wann wir ... zu schaden kommen 
1476 — wenn ye der groste schade unsir sein muste 1476 — 
wann als . . . der bebstlich stul hoffende was 1477 — wann 
nymant czweifilt 1477 — etc. 

D fehlt. 

Schon in C erscheint denn in gleicher Bedeutung. 

denn nichtis libers ist, denn . . . 1471' — denn von stat 
an derselb furste . . . sal ufsein 1474. 

Die gewöhnlichste Konjunktion ist in dieser Bedeutung 
do, da. 

Nach dem Komparativ ist denn(e), dann gebraucht = als. 
Noch niemals erscheint als in dieser Funktion. Nach negiertem 
Komparativ und anders sowie nach einfacher Negation erscheint 
wenn (Paul mhd. Gr. § 319), nur in Fällen, die auf den Beginn 
des 15. Jahrhdts. beschränkt sind. 

liffe er aber nicht verrer wenn bis . . . 1411 — anders 
nicht wüste wen alles gut 1424 — anders nichtes wenne gut 
1442 — er nicht wüste wen alles gut 1424. 

In späterer Zeit erscheint auch denn unterschiedslos in 
dieser Funktion 

ab. 
a) ab, ap = mhd. obe, ob — nhd. wenn in konditionaler 
Funktion ist dem gesamten 15. Jahrhdt. eigen. Die Beispiele 
sind äusserst zahlreich. 

Einzelne Fälle: ab her das nicht tete 1396 — ap das nicht 
geschege 1417 — ap er mit ymands zu schaffen hat 1425 — 
ap es im not tuen wurde 1435 — ap got wil 1470, 1471 (2) 

— ap es geschege 1473 — ap er woste 1473 — ap ymandis 
ein storer sein . . . weide 1477 — etc. etc. 



96 



Im 16. Jahrhdts. ist ap in dieser Bedeutung nicht mehr 
belegt. Dafür treten ein wenn und so. wenn ist in der ganzen 
Zeit belegt: 

B und wenn die 400 golden . . . beczalt werden, do sal 
. . . 1393 — wenn her (sie) dorumme gemanet wirt 1417 — 
und sprach das wenn er mit jm gerechente 1420 — und wenn 
er jn des obirczeugen und obirkomen wurde 1421 — wen er 
dorumme gemanet wirt ,1423 — auch wenn sie den gezellin 
schenken wellin 1428. 

C wenn die unsiren die koafen wolten 1476. 

D wenn sie der bedorffen wirt 1507 — wenne sie czu 
mundigen iaren komen 1507 (2) — wenne sie erwuchsen 1507 

— wenne wir sie fordern lossen 1510. 

so erscheint in der Bedeutung des nhd. wenn erst in 
C und hier hauptsächlich. 

B fehlt. 

C sunder so wir . . . zusampne kommen 1470 — und so 
der Pole stille sitczet 1471 — und so du im bettest geoffem- 
baret 1471 — so ir houpte Girsik nicht were gestorben 1472 

— so adir sulch roub . . . gescheen würde 1474 — so es not 
wurde tun 1474 — so er . . . vermant wurde 1474 — so es 
von dem andern teil erfordert wirt 1477 — so ir fortan wurdet 
gehorsam sein 1477. 

D und so dis allis . . . ausgericht wirt 1520 — so sie 
bekhommen möchten 1560. 

so tritt also in D später an die Stelle von wenn. 

b) ap = nhd. ob, vgl. als ap. 

Ferner: ab dem obgenan. herrn Johannes . . . usgericht und 
worden sey 1421 — ader ap euch alle worden sein 1471 — etc. etc. 

ap in dieser Bedeutung ist während der ganzen Zeit belegt 
und ja auch ins nhd. eingedrungen. 

Seltner ist ap ... wo 1 (stets durch andere Worte getrennt). 

und ap wir es wol . . . sulden gesweigen 1472 — der 
kaiser ap er wol uns dorczu glucke gewunschet 1472. 

Häufiger ist wie wol, das erst in C erscheint. 

C wiewol . . . antwort gegeben ist 1471 — wiewol wir 
uns dowider vil tage saczten 1472 — wiewol mit smerczlichen 



9t 

herczen 1472 — die bürde des bebstlichen stuls die wir wiewol 
unwirdiglich tragen 1477. 

D und wiewol der aide brieff 1510 — und wiewol . . . 1560. 

Im 16. Jahrhdt. erscheint ap (op) nur in der Bedeutung ob, 
die es auch ins nhd. hinübergerettet hat. 

ader und aber. 

ad er (adir) = nhd. aber. 

B ader was jr doran nicht beczalt ist 1420. 

C adir sulche antwort nicht augesehen 1470 — ader was 
die gewest ist, kann ich nicht wissen 1471 — ader ap euch 
alle worden sein 1471 — ader der gutige got hat seyne gnad 
gegeben 1471 — so adir sulch roub . . . gescheen wurde 1474 
— wer ader aus eygenwillen . . . lest ligen 1474 — weide 
ader seine kon. gn. ... anrichten 1476 — geschege adir 
ymandis zu kurcz 1477 — adir uns hat unser beduncken ge- 
feiet 1477 — adir laider . . . 1477 — ir adir irrende von dem 
rechten wege 1477. 

D fehlt. 

Im 16. Jahrhdt. ist ader = nhd. aber nicht belegt. 

aber = nhd. aber. 

B behilde er aber das hus 1403 — were aber, das . . . 
1412 — queme er aber . . . nicht 1412 — liffe er aber nicht 
verrer wenn bis . . . 1411 — geschoge aber das nicht 1421. 

C fehlt. 

D hat durchaus aber durchgeführt. 

Bemerkenswert ist C. — Im Dialekt ist ader für aber heute 
noch lebendig. Die der Mundart gleichfalls geläufige Ver- 
wendung von aber für oder ist in unseren Quellen nicht belegt, 
die Form ader herrscht in dieser Bedeutung allein. 

aber = nhd. wieder. 

B dornach bette her in aber nach Essins gefraget 1393 — 
dornach hat Patricius abir abekamft 1393 — dornach santten 
sie . . . aber zu jm 1413. 

C haben wir euch abir . . . wellen vormanen 1477. 

D fehlt. 

aber stirbt im 15. Jahrhdt. in dieser Bedeutung ab. wider 
(wieder) tritt an seine Stelle. 

Arndt, Entwicklung der Breslauer Kanzleisprache. 7 



96 

da, dar und wo, wor. 

Relativisch gebrauchtes da, dar (do, dor), das im Beginn 
der Periode vorherrscht, macht in späterer Zeit wo, wor Platz. 

B dorynne ytel safferan were gewest 1393 — doran sie jn 
sollen . . . genügen lassen 1394 — dovor er . . . globt hatte 

1418 — dorober czwene brife gewest sein 1418 — dovor er 
vor Ichel luden globt hatte 1418 — dovor sie . . . Burgen sein 

1419 — dorczu jn ir vater gekorn hat 1420 — doruber sie 
den gotsphennig genomen 1421 — doruff her jm ein Wechsel 
gemacht 1422 — dorumbe her . . . gehalden ist gewest 1424 

— domite . . . begnadet sein 1440 — dovon sie jm jerlich 
pflichtig und schuldig ist zugeben 1444. 

C dowider 1473 — doruff 1473 — dodurch unsir jormorgt 
dirniderligt 1476 — dodurch her uns abgewendet 1477 — do- 
durch er menniglichen gebewt 1477 — dodurch sie uns er- 
manten 1477 — domit wir dich vormanet haben 1477. 

D doran em wolgenugte 1507 — dogegin er Barbaran 
seyner ß wester geben sal 1507 — dagegen obgemelte Dorothea 
... hat gantz kweit frei . . . gesagt 1507 — davor er sich 
und jnn . . . globte 1510 — doran er im allezeit . . . aus- 
gericht habe 1510. 

Die Formen mit wo, wor fehlen noch in B. 

C wodurch 1474. 

D woran die gewest weder dein noch gros 1507 (2) — 
woran das alles sey 1507 — woran das sey keinerley aws- 
geczogen 1510 — woran die gewesen sein 1530 (2) — woran 
es gewest 1540. 

Das Verhältnis der Formen sowie die Entwicklung zum 
nhd. ist deutlich. 

Ich schliesse wo = wenn in konjunktionaler Funktion an. 
Der Übergang der lokalen Bedeutung in die konditionale ist 
meist noch ersichtlich, besonders in den Beispielen aus dem 
15. Jahrhdt. 

B das er sie . . . nemen mag ... wo er das bekomen mag 1413. 

C wo man bey uns . . . placken solte 1476 — wo es 
lenger also sal vorhangen werden 1476. 

D und wo er eynen dyßer tage nicht halden wurde 1507 

— wo auch ein teil . . . vormeinet 1507 — und wo ich euch 



69 

doran zu nohe gewest, bit ich euch 1507 — und wo vater 
Wisener . . . nicht hilde 1520 — sal Agathis Becke, wo sie 
. . . wurde nemen 1520 — wo auch dieselb Ottilia . . . neme 
1520 — wo sy sich . . . nicht vortragen 1540 — wo aber 
nicht, das her (so soll . . .) 1540 — wo sy sich aber . . . 
nicht vortragen 1540 — etc. 

Beachtung verdient, dass wo in dieser Bedeutung im 16. Jahr- 
hundert stark verbreitet ist, im Gegensatz zum 15. Jahrhdt. 

en und nicht. 

en = nicht: nicht ensey 1412, 1413. Nach 1413 ist en 
(ne) nie mehr belegt. 

nicht neben kein und niemand: keine nachrede nicht . . . 
1417 — jn noch nymands forbas me nicht anczusprechen 1421 
— keine briefe nicht mer . . . 1424 — kein . . . nicht tragen 
1433 — keine feier nicht haben . . . 1436 — kein geleite 
. . . noch der stat geleite nicht komen sal 1438. — Paul 
mhd. Gr. § 312. 

II. 

A. 

algereit, alsbald 1471, 1472. 

alreit, alsbald, schon 1540. 

angewinnen, einem abgewinnen: die guter, die uf beiden 
teilen anenander sint angewonnen 1471. 

anneme, angenehm: die der hobst nicht alleyne anneme gehabt 
hat, sunder die erweler sere gepreiset 1472. 

ansehen, in Betracht ziehen: adir sulche antwort nicht an- 
gesehen 1470 — ansehende unsire fruntschaft 1472 — an- 
gesehen das . . . 1477 etc. 

ansprechen noch anlangen eines dinges: wegen eines Dinges 
belangen. — Diese Verbindung kehrt stets wieder und ist 
überaus häufig in allen Jahren. 

anstaut, Waffenstillstand: bestendiger frid und anstaut . . . 
1473 — fridlicher anstaut 1473 — gutlichen anstaut 1477. 
Also nur bei Esch. 

antworten: überantworten. — Überaus zahlreich die ganze 
Periode hindurch. 

7* 



lOö 

sich ancziehen eines dinges: Anspruch machen auf. . .: welcher 

macht er sich anczoch 1510, 1530 — der macht sie sich 

anczogen 1550. 
auflassen, feierlich aufgeben: solch haus abzutreten, einfzu- 

rewmen und aufzulassen 1540. 
awsrichten: 1. bezahlen: awsgerichtt und beczalet 1000 gülden 

1446 — beczalt, awsgericht und vorgulden habe 1510, 1515 

— awsgericht und beczalit 1530. — 2. versorgen, mit dem 
Nötigen versehen: das wir in der cancelley wol sint aws- 
gericht 1471. 

awßrichtunge, Bezahlung, Vergütigung: rechnung und awß- 
richtunge, es sey an gelt . . . 1507. 

awswendig, ausserhalb: aws wendig allen behelff und Wider- 
rede 1530. 

B. 

becruden, hindern, stören: die eynikeit becruden und czweyen 
1470 — niederl. bekroeden. — Vgl. md. krot Beschwerde, 
Bedrängnis. 

begrifen: als oben begriffen ist 1445 (= supra memoratus). 

sich behelfen, als Hülfe brauchen: sich behelfen mit eyme 
fursten, houptman etc. 1474. 

beide — und: sowohl — als auch: beide houptgut und ver- 
sessene czinse 1440 — beider clager und antworter wille 
1447. — Später erscheint nur als wol — als oder so wol 

- als. Vgl. als, so. — Paul mhd. Gr. § 315. 
beyfrid, Waffenstillstand 1473. 

beredung, Verabredung 1540. 

berichtung, Austrag, Schlichtung 1399 — das wir eine frunt- 
liche berichtunge gemacht haben 1426 — 1494. 

bescheiden, einrichten, bestimmen: jnns erste hat er beschaiden 
funff margk 1515. 

besem und briefe: Peter Stronichin hat lassen frede schreien 
eyme manne, des namen her nicht weis, der im besem und 
briefe gehangen hat 1425. Vgl. Ztschrft. f. Gesch. u. Alt. 
Schi., Bd. Vir, S. 356 Anm.: »Den Besen, als Zeichen, dass 
er des Staupenschlags werth sei; die Briefe waren jedenfalls 
Scheltbriefe, Pasquille, wie sie Gläubiger gegen ihre säumigen 



101 

Schuldner veröffentlichen zu dürfen sich häufig ausbedangen.« 
Vgl. brende und besem. 

besetczen, festsetzen, abmachen: und haben vor uns becant 
und besaczt einen kauff 1445. 

bestelnis^ Anordnung, Besorgung: den nachfolgenden erben ane 
bestelnisse verlossen 1507. 

betadingen, unterhandeln, vertragsmässig feststellen: 1510, 
1515; 1520. — Andere Formen sind: bethadingen 1530 — 
betaidingen 1540 — betedingen 1494, 1540 — bethadingen 
1507. Vgl. teydingen. 

be willen, einwilligen 1507. 

brende und besem: der do brende und besem uff seyme gute 
gehangen hat 1431 — der do besem und brende uff dem 
gute doselben gehangen hot 1436. Vgl. besem und briefe. 

broch (mhd. bruch), Bruch des Gesetzes, Rechtes, Friedens, der 
Treue (vgl. D. W.-B. s. v. 14): solche broche und obirtretunge 
bessern und busse dorobir empfoen 1430. — Ferner 1434, 
1440, 1442, 1444 — vgl. auch 1317 all die bruche und werre, 
Schles. Reg. 3649 — gesunet um alle broche 1329, Grün- 
hagen u. Markgraf, schles. Lehnsurkundeu I, 302. 

brotesse, Diener, Gesinde: mit iren weihen und kindern und 
allen brotessen 1431 — vgl. auch 1399 Jocob zum Brige alle 
seyne diner, dyneryn und Schulmeister und alle ere brotessen 
(leider aus Versehen das Citat ausgelassen) — 1499 Schulden 
der Glogauer brotessir; Weingarten, fasc. jur. IL Beilagen 77. 

C. vgl. K. 

D. 

dankneme (angenehm, willkommen), dankbar: ich wil alleczeit 
dankneme sein 1470. 

dingtag, gerichtstag 1447. 

dingstorunge, Störung der Gerichtssitzung 1433. 

sich dirfaren, sich erkundigeUj sich Rats erholen 1413, 1414. 
Hierher gehört auch: uff ein dirfaren 1417. Vgl. Ztschrft. 
f. Gesch. u. Alt. Schi, Bd. VII, S. 176 Anm.: *uff ein dir- 
faren ist eine sehr häufige Klausel; ihr Sinn ist, dass die 
Strafe auf den Fall zu bezahlen ist, dass der Angeschuldigte 
wirklich das Vergehen begangen hat. Es scheint, dass auf 



102 

die Anschuldigung hin der Rat als Polizeibehörde sogleich 
die Strafe verhängte; erhob der Angeschuldigte keinen 
Widerspruch, so erfolgte kein weiteres gerichtliches Ver- 
fahren; leugnete er oder protestierte sonst, so ergab erst 
das weitere Verfahren, ob er schuldig sei oder nicht; durch 
dasselbe erfuhr man erst, ob die Strafe zu erlegen ist. — 
Der latein. Ausdruck ist super inquisicione.« 

dorfen, bedürfen 1422. 

dringen, drängen: gedrungen und genötigt 1472. 

droe, Drohung 1471. Nebenform von drowe. 

E. 

eindechtig, erinnerlich: wir wissen, das euch eindechtig ist 
1440 — ich meine, das dir eindechtig sey 1470. 

sich entreden eines dinges: sich von einer Anklage vor Gericht 
durch Beweis frei machen: wo sie sich an geczeigter be- 
schuldigung nicht entreden . . . wurde 1510. 

entrewmen, befreien, räumen: hat daruff entrewmet und ab- 
getreten alle der schuldebriefe . . . 1424. — Ähnlich 1437, 
1440. 

entrichten, in die bessere Lage bringen, schlichten, bessern: 
ap sie die selben (d. i. gebrechen) denne nicht entrichten 
konden 1428. 

entsagbrif, Fehdebrief: do wider von dem houptman zu Ostro 
entsagbrife awsgangen sint 1473. 

entscheitlewte, Schiedsleute, Schiedsrichter 1446. 

entschichter, Entscheider: was also durch die entschichter 
adir korrichter vorricht ader awsgesprochen wirt . . . 1473. 

entschulden, von der Schuld befreien, freisprechen: fertigen 
und entschulden 1421. 

enttragen, wegtragen: enttragen und entwant 1520. 

erbegeldt, Erbschaft 1515, 1530. 

erbfall, Anfall einer Erbschaft 1540. 

erbschichtung, hereditatis divisio perpetua 1540. 

ergehn, geschehn: waß billich und Recht ist, wir wullen ergehn 
lassen 1515. 

erstkumftig: von data dis brifis bis uf sand Bartholomes tag 
erstkumftig 1477. — Wörtliche Übersetzung der in Urkunden 



103 

so häufigen Termin -Bezeichnung: proxime venturus, wie uf 
S. Walpurgis tag nehste anczuhebin. Schirmacher, Liegnitzer 
Urkundenbuch 220 (1388). 
ertzstei, Heilkunde 1422. 

F. 

farnde und unfarnde gut: stereotype, unzählige Mal wieder- 
kehrende Verbindung in A — F. 

Dieselbe Bedeutung hat stehende und gehende 1417 — 
beweglich und onbeweglich 1530. — Doch noch nach 1530 
erscheint farnde und unfarnde sehr oft. 

fertigen, fertig machen, abfertigen, entlassen fertigen und ent- 
schulden 1421: rechtfertigen und .... 

fewerwerk, Brennmaterial 1403. 

firdung, Viertel eines Masses oder Gewichtes, namentlich eines 
Pfundes (Geldmass) 1419, 1437, 1445, 1490, 1520 .... 

freyenstul, Freigericht: in das heymliche gerichte vor den 
freyenstul 1441. 

freien sc heppen, Beisitzer desselben 1442. 

freigrefe, Vorstand des Freigerichtes 1442. 

fürnemen, Vorhaben: von dem loblichen furnemen wider die 
ungloubigen Turcken 1477. 

G. 

geen uff, dazukommen, steigen: so sollen die obgeschr. 
530 mark gr. steen bis uff . . . und das bynnen der selben 
czeit 30 mark doruff geen sollen . . . 1417. 

geistlich noch wertlich (weltlich). Stehende Redensart 
in A— F. 

gerechtikeit, Anrecht, Anspruch: so als deine k. gn. . . . 
villeichte meynet gerechtikeit zu haben zu dem konigreiche 
zu Behem 1471 — von wegen aller und ider gerechtikeit, 
so an sie khomen ist 1510 — all und ides recht und 
gerechtigkait so sy gehabt haben (so er gehapt) 1540 — 
bey allen jren rechten und gerechtigkaiten so sie haben 
1540 — recht und gerechtikeit so sie gehabt 1560. 

gerone (mhd. gertine), umgehaune Baumstämme 1437. 

geschefftiger, Testamentsvollstrecker: testamentarien und ge- 
schefftiger 1520. 



104 

geschefftnis, testamentarische Anordnung: leczten willen und 
geschefftniß 1494 — testament und geschefftniß 1494. 

geschos, Abgabe: der sein geschos nicht geben hat 1403 — 
her habe denne sein geschos gegeben 1403 — das er seyn 
geschos der stat richten sal 1417 — frey von allem ge- 
schosse und von aller beswerunge 1425 — des gesaczten 
geschosses 1445 — 1515. 

gewalttrager, Bevollmächtigter 1507. 

gewartig, dienstbereit: gehorsam und gewartig 1439. 

gleubebriefe, Beglaubigungsschreiben 1421. 

gotsphennig 1421. — Vgl. Stobbe, Ztschrft. f. Gesch. u. Alt. 
Schles., Bd. VII, S. 346, Anm. 2: »Bei Abschliessung von Kon- 
trakten wurde, um die Perfektion des Vertrages recht deutlich 
zu bezeichnen, eine Summe an die Armen gegeben, Gottes- 
pfennig, denarius sancti Spiritus, und ein Mahl ausgerüstet, 
an welchem auch die Zeugen des Geschäftes Theil nahmen. 
Der allgemeine Name für dieses Mahl oder Gelage ist Wein- 
kauf, lit cauf mercipotus, in Schlesien heisst es wissebier. 
Diesen Ausdruck finde ich auch in einigen Schöffenurteilen 
in Wasserschieben, Sammlung deutsch, ßechtsquellen etc. I, 
S. 317, 318, 347. — In dem Braunschweiger Stadtrecht 
Anfang des 15. Jahrhdts. §518 (Braunschw. Urkund. Buch L 
S. 114): myt goddes penninghe unde beerkop.« 

H. 

hals: undir strecken ire helse dem gehorsam 1477 — umb die 
helse brengin 1389 — das er sich an jm und an seyme 
halse rechin weide 1434 — ander gefangen, di do eins teils 
uf den hals und eins teils umb schulde sossin 1434. 

hals wird also oft in Verbindungen gebraucht, wo es 
sich um Leben und Tod handelt. — D. W.-B. Bd. IV, 247, 248. 

hant, zahlreich in Verbindungen wie: mit gesampter haut 1418, 
1420, 1422, 1428 etc. — mit getrauer hant 1446 etc., wo der 
Begriff des Adjektiv hervorgehoben werden soll. 

hanthaben, schützen, erhalten: schirmen und hanthaben von 
allen feintschaften 1474. 

hantyrunge, Kaufhandel: koufmanscbacz und hantyrunge 1421. 



m 

harmbalge, Hermelinpelze 1440. 

hausen, beherbergen: und wer einen sulchen hauset ader hofet 

. . . 1474 — hausen noch hofen 1477. 
hofen, in den Hof aufnehmen, beherbergen 1474, 1477. — 

Vgl. hausen, 
houptbrief, Originalurkunde, Schuldbrief 1520. — Vgl. Grimm, 

IV, 609. 
huffnitzen, Haubitzen: item czwu Steynbuchsen, die man nennet 

huffnitzen 1438. — houfenicze, XV. Jahrhdt. Ss. rer. Siles. 

oder Grünhagen, VI, 55, 168. - Vgl. D. W.-B. IV (2), S. 567. 

I. 

jnne gehalt 1510. — Sonst jnhalt. 

innemen, verhören, vernehmen: item als uns sulche Sachen und 
broche vormeldet wurden, haben wir jn lasen innemen 1434. 
ynnern, erinnern: geynnert und jnne worden 1442. 
irne (mhd. iergen), irgend: irne ein laut 1474. 
irnisse, Hindernis, Störung 1507. 

J. 

iowort, Bejahung, Zusage 1470. 

K. 

keHirhals, vorspringender, gewölbter Eingang eines Kellers 1438. 
koffslaen, ein koufslac machen, vom Handschlag, mit dem 

der Kauf abgeschlossen wird, Handel treiben: mit unsern 

eldisten koffluten, die ken Venedien pflegen czu koffslaen 1433. 
ku glichen: ire kuglichen recht rucken 1471: den Kopf zurecht 

rücken. 

kuglichen < kugel; mhd. gugele, kugel, kogel, bedeutet 

die Kapuze, die vom Rock oder Mantel aus über den Kopf 

gezogen wird. Also eigentlich: Die Kapuzchen . . . zurecht 

rücken. 

L. 
laube, Erlaubnis 1444. — Vgl. lowbe. 
ledig und los: sehr häufige alliterirende Verbindung; z. B. ledig 

und los sagen eines dinges. 
leymat (mhd. linwät, leimbat, leimut), Leinwand: czween baln 

leymat 1520» 



106 

leipgedinge, Leibrente: morgengabe und leipgedinge 1408 — 

leibgedinge 1540. — vgl. D. W.-B. Bd. VI, S. 600. 
lowbe, Erlaubnis 1429, 1476. 

M. 

macht, 1. Vollmacht: in macht der Stadt Neisse 1440 etc. — 
1446 — 1494 — in macht Dorothee — 1510 — in macht 
seines eheweibes 1540, 1550. — 2. macht haben eines 
dinges: das ich jrre nyinme macht habe 1424 — wen ich 
des nicht macht habe 1424 — etc. 

machtlute, machtlewte, Bevollmächtigte 1473. 

machtraan 1507, ebenso. 

marter, Krucifix: eine martir setczen 1440, 1445, 1446. 

mauerczins 1444: Mauerzins für die an die Stadtmauer stossen- 
den Grundstücke. 

mechtigen, ermächtigen, Vollmacht geben: den sie dorczu 
mechtigen wurden 1426 — 1494. 

mechtig machen eines dinges: ebenso. 1390, 1397, 1407, 1408, 
1408, 1418 . . . 1507 etc. 

miserisch: ein misrisches leben 1472. — miserich oder mistrich 
verkümmert, dürftig von Kindern, Tieren und Pflanzen, 
Schlesien und Oberlausitz. Weinhold, Beiträge zu einem 
schlesischen Wörterbuche, S. 62. 

D. W.-B. und Lexer kennen das Wort nicht. 

mitnamen, namentlich 1444. 

mitsamkeit: ane mitsamkeit und keginwortikeit 1477 — mit 
den sere hesslich ist einirley mitsamkeit zu haben 1477. — 
In diesen Beispielen hat das Wort nicht sowohl die bei 
Lexer und im D. W.-B. allein belegte Bedeutung: »Umgänglich- 
keit, Freundlichkeit« als vielmehr die von: »Beisein, Verkehr, 
Gemeinschaft«. 

0. 

obir: do er . . . obir tische sas: als er bei Tische sass 1471. 
obirkomen, überzeugen, überreden: obirczeugen und obir- 

komen 1421. 
offbin din, im Sinne von: zur Last legen: wenue her weide 

gerne offbindin 1393. — D. W.-B. I, 622. 
offenbar, öffentlich: die offenbaren Strossen 1474. 



107 



ongerete (mhd. ungersete) böser Rat: wein ongerete gesehen 

wer czu dem gute 1393. 
ort, der vierte Teil von Mass, Gewicht, Münze, besonders von 

einem Gulden. — (ort = ferto, vierdung = V4 Mark, Cod. 

dipl. Siles. XIII, S. 2 und dazu Anm. 1.) — 4 gülden minus 

1 ort 1440 — 311 guldin 1 ort 1440 — 5334 guldin 1 ort 1440. 
ortilgelt, Gerichtsgeld 1446. 

P. 

pflichtig, verpflichtet 1474 etc. 

pitczil, pitschil, Petschaft 1408. — Ztschrft. f. vgld. Sprach- 
forschung I, 429: das Wort ist slavischen Ursprungs. 

placken, Strassenraub üben 1476. — D. W.-B. VII, 1873. 

strosplackerei, Strassenraub 1476. — D. W.-B. VII, 1875. 

possatke: das fortan nymant sulche possatken ader newe 
festen sal anrichten 1474. — (vgl. posädka: czechisch Festung, 
urkundlich häufiges Vorkommen aus dem XV. Jahrhdt. in 
den Ss. rer. Siles. VI ed. Grünhagen nach dem Sach- 
register S. 190.) 

provent (mlat. provenda, Nf. z. praebenda — mhd. phrüende, 
phruonde), Unterhalt, Einkünfte: 1507 czinse und provent. 

Q (kW). 

quit, queit ist ein Fremdwort: frz. quitte; mlat. quitus; lat. 
quietuSi. Lex.: vielleicht mit Anlehnung an das deutsche 
wette. Die Bedeutung ist: ledig, los, frei. — Es erscheint 
stets in der Verbindung queit ledig und los; in A — F. 

quytbrive, Quittung 1396. 

R. 

recht haben czu . . .: Anrecht haben auf 1422 — als wer 

dorczu recht haben wirt ... — Noch im 16. Jahrhdt. belegt, 
rechtfertikeit, Gerechtigkeit: das wir in unsir rechtfertikeit 

bisher sint bestanden 1471. 
reichunge, Schenkung 1442. 
richten, 1. in Ordnung bringen, vergüten: richten den schaden 

1399, 1401. — 2. bezahlen: gelt richten und beczalen 1413. 

- Weitere Beispiele: 1415, 1417, 1418, 1419, 1420, 1421^ 

1423, 1424 etc. etc. 
richtunge, Ausgleich 1445, 



108 

S. 

schelunge, Zwist 1436, 1440. — D. W.-B. VIII, 2532. 
schid, richterliche Entscheidung: sulchen schid beide part 

lobten 1515. 
schuldig: schuldig rechter und redlicher schulde 1413, 1415 etc. 
scot, bestimmte Anzahl von Stücken: andirhalb hundert mark 

und czwey scot silbirs 1408 — 2 scot guetes Crocawischen 

Silbers 1408. — Sodann 1417. 
selewarter, Testamentvollstrecker 1494 — zel warten 1411. — 

Noch im 16. Jahrhdt. 
selewarterey, Testamentvollstreckung 1494. 
synnig, bei Verstände, verständig: der nicht wol synnig noch 

bey guter vornunfft was 1437. 
sintemal 1520 = sint dem male, 
smocheit, Schmach: schände und smocheit 1471. 
sperren, in Beschlag nehmen: als er gesperret hat 50 mark 1407. 
sperrunge, Beschlagnahme 1407. 
sticken, heften, pfählen: die sal er sticken mit seime eigen 

holcze 1438. 
stickeholcz 1438; vgl. sticken, 
steyde, Nebenform von stsete; md. stete, stede, steite: aws vil 

und steyder ermanunge 1471. 
sunderheit: in sunderheit: besonders. — Sehr zahlreich belegt, 
sunderlich, desgleichen. 

sunlewte, Schiedsleute, Schiedsrichter 1446 — sunlute 1507. 
swerheit, Schwere, Bedeutung: umb swerheit willen der Sachen 

1471. 

T. 

te dingen, verhandeln, Gericht halten 1424. 

teiding, Gericht: dy teidingis lute 1389. 

tey dingen, verhandeln, Gericht halten 1435. 

teilen, 1. zuteilen: do wart jn die frist geteilet 1447 — das 

wart jn geteilet 1447. — 2. urteilen, entscheiden: do teilte 

der scheppe 1447. 
torstikeit, Kühnheit 1471, 1477. 
trankgeld, Geldbusse, die nachmals vertruncken wird: Veffler 

mit synen gesellen hat besait, Wal ich der ein elich man ist, 



109 

das si den vundin han bey eyner frawen, unde des habin 
si genomen 5V2 f, czu trankgelde 1393. 

U. 

ufheben: erheben: sulch geld ufezuhebende 1426. 

uflassen, hinterlassen, feierlich aufgeben, in eines andern Hand 
übergeben: . . . uffgelassen und abegetreten . . . alle die 
macht . . . 1437. 

ufr eichen, darreichen, tibergeben 1436, 1439. 

uffrichten, bewilligen: . . . hat uffgericht . . . ir haus 1446. 

uffslahen: das ein jor ein frid ufgeslagen und gemacht wurde 
1471. — Grimm kennt »aufschlagen« im Sinne von: be- 
ginnen: frid uffslahen und machen = Friedensunterhandlungen 
eröffnen und zustande bringen. 

ufsein: so sullen beide teile wider dieselben ungehorsamen 
ufsein als wider feinde 1473 — denn von stat an derselb 
furste ader landt ader creisz sal ufsein ane sewmen 1474. 
— Ähnlich 1477. 

ufczog, Aufschub, Verzug: ane lengeren ufczog und beswerunge 
1473. 

umbslag: item primo 86 stregener tuch zu 472 guldin und 
102 gorliczer tuch und 2 umbslege zu 4 guldin minus 1 ort 
1440. — Bei Lexer II 1739 eine Stelle vom Jahre 1486, 
wo umbschlag ein nicht näher zu bestimmendes Quantum 
oder Gewicht von Wolle bezeichnet. 

umfangin = entf., annehmen: habe wir umfangin meystir 
Niclos . . . czu eyme dyner der stat Breslow 1396. 

undancksamkeit, Undankbarkeit 1472. 

undersessen (mhd. undersäze — sseze — sezze), Untergebenen, 
Unterthanen 1424, 1446. 

undirscheit, Unterschied 1472, 1477. 

undirstän, bewirken, erreichen: wir haben es uf dismol undir- 
standen, das . . . 1476. 

sich undirczihen eines dinges: in Besitz nehmen: sich des 
konigreiches u. 1471. 

ungelt, Zehrsteuer, Accise: item es ist ungelt doruffe ge- 
gangen . . . 1440. 

usrichten, bezahlen: her jnn das gelt usrichtet und beczalet 1439. 



110 

usrichtunge, Bezahlung; usrichtunge und rechenunge 1437. — 
Im D. W.-B. verschiedene Stellen im Sinne von Berichtigung, 
Ausgleichung, Bezahlung, z. B. einer Schuld. 

V. 

verdenken, Übles denken, verargen: nicht hassen, feyden noch 

vordenken 1418, 1428. 
verhenng, Einwilligung, Erlaubnis: gutten beschaid und ver- 

henng gethan 1520. 
verbeugen, geschehen lassen, gestatten: einem sulchen sein 

eigen willen nicht v. 1477. 
vergewissen, mit Gewissheit kund thun 1473. 
vergewissunge 1473. 
verlassen, zu Ende bringen, vereinbaren: es ist also beredt 

und verlossen mit Hans Popplen 1445. 
verschreiben, schriftlich abmachen, zuerkennen: andir czinse 

keuffen und verschreiben 1446 — seinen erben verschreiben, 

das . . . 1446 - 1473. 
verschreibung, schriftliche Festsetzung oder Zusicherung: er- 

manete uns der fruntschaft, glubde und verschreibunge 

zwischen seyner kaiserlichen mai. und uns gestift . . . 1472. 
voranderweiten, wiederholen: in Schriften .... vorander- 

weitet 1471. 
vorantwerten, erklären als, verteidigen: item so bot der selbe 

Kussiel lüde . . . di vorantwertet vor eyne ludynne 1434. 
vordechtnis, Verdacht: in Ungunst und vordechtnis 1424. — 

Ferner 1442. 
Vorgang, Fortgang, Fortschritt, Erfolg: so sal dese richtunge 

entczwei sein und nicht Vorgang haben 1445. — Ferner 1474. 
vorhalden, 1. vorenthalten: das er mir mein vatirlich erbe mit 

rede vorbilde 1436. — 2. verschliessen, versperren: jm den 

weg an czween Strossen vorhalden und vorlegt 1440. 
voriohen, bejahen 1472. 
vorkisen, nicht beachten, verzeihen: sulche missetat ist wurden 

vorgeben und vorkoren 1434. — Ähnlich 1444. 
vorderen, erläutern: noch lawte und usweisunge des reces- 

brifes vorderen 1442. 
vorclerunge, Erklärung 1442. 



111 

vorreichen, gerichtlich übergeben, vermachen: 400 mark vor- 
reichen und vormachen 1399. — Ähnlich 1408, 1419. 
vorrichten, versöhnen: das er gutlichen sich vorrichtet hat 

mit . . . 1417. - Zahlreiche Belege, so: 1419, 1423, 1424, 

1436, 1439, 1446, 1490. 
vorrichtunge, Vergleich, Vertrag: vorrichtunge und entscheid 

1423. — Ferner 1424, 1445, 1473 . . . 
vorricht, Ausgleich: vorricht und schidt 1515. 
vorsehen, übersehen, nachsehen: vorkysen und vorsehen 1444. 
sich vorsehen, erwarten, fürchten 1471 — 1472: das wir von 

nymandis uf erden uns fehde adir crige dorften vorsehen, 
vorsessen, rückständig: vorsessens czinse 1437. — Ferner 

1440, 1444. 
Vorsitzen, versäumen, ausser Acht lassen: und nu her denne 

solche unser gebot frevillichen vorsessin . . . 1439. 
Vorsorgen, sicher stellen vor: und bat uns, das wir jn dorumme 

Vorsorgen sulden, das . . . 1442. 
vorstorunge, Verwirrung, Zerstörung: wie der kaiser unsire 

vorstorunge wartende und begerende ist gewest 1472. 
sich vortragen, Vertrag schliessen. — Sehr zahlreich in allen 

Jahren belegt, 
vor willen, sich freiwillig verpflichten. — Desgl. 
vor wissen, für unschuldig halten: und sal sy allir bosir dinge 

vorwissen 1389. — Ferner 1421, 1442. 
vorczeyunge, Verzichtleistung: doran vorczeyunge tun 1446. 

W. 

wandilgeld, Strafgeld, Ersatzgeld: so sal her . . . drysig Schock 
gr. geben czu wandilgelde 1396. — Vgl. wendilgeld, — wändel- 
busse 1358 erwähnt Filla, Gesch. v. Striegau, S. 54, auch 
blos Wandel: die tuchmacher haben das wandel genomen 
von den sneidern, von eynem tuche 3 gr. 1471 Laus. 
Magazin LXV, 166. 

wandeln, 1. ändern: so mag nichts gewandilt werden 1471 — 
das sich hat gewandelt 1471. — 2. wechseln, vertauschen: 
ire sendeboten wandiln und andire an ire stelle seczen 1473. 
— 3. ändern, ersetzen: sulchen schaden ufif ire eigene kost 
selbst wandeln wullen 1510. 



112 

warten eines dinges, Acht haben auf, sorgen für, wahroehmen: 

jres rechtes warten 1428. 
wendilgeld, Strafgeld: in den 30 Schocken Wendilgeldis 1396. 
werburge, Gewährleister: werburgen desselbin erbis 1419. 
wergelt, Geldbusse 1417, 1445. 
widerkeren, ins Gegenteil kehren: das den unsiren ire scheden 

abgelegt und widerkart werden 1471. 
widerkauff, Rückkauf, Wiedereinlösung eines Pfandes 1530. 
Widerrede, Antwort des Beklagten; rechtliche Replik 1446. 
widerteil, Gegenpartei 1446. 
widerwertig, feindlich, entgegengesetzt: der des vatirlandes 

frid und gemach, des konigreiches zu Behem widerwertig ist 

1470 — deiner schrifte und werten gancz widerwertig und 

unformelich 1470. 
widerzame, unlieb, verhasst, Feind 1472. 
wissebyer 1421, 1447. — Vgl. gotsphennig. 
wost, wüst. Wissen: mit irer beider teile wost und willen 1446 

— mit wüst und willen der kynder 1520. 

Z. 

czewg, Ausrüstung, Gewaffen: vil raisigen czewgis 1471. 

sich cziehen an, sich berufen auf: und czoch sich des an 

Bernhard Skal, der jm das gesagt hett 1442. 
Zuspruch, Anspruch 1446. 
czweien, sondern, trennen: die eynikeit becruden und czweien 

1470. 
czwelewftig, zwistig, zwieträchtig 1477. 
czwelewftigkeit, Zwietracht 1507. 

Schluss. 

Indem ich zum Schluss die gewonnenen Resultate zusammen- 
fasse, sei zugleich die Frage nach dem Einfluss der böhmischen 
Kanzlei des 14. Jahrhunderts auf die Breslauer wenigstens in 
aller Kürze erörtert. Burdach (Vom Mittelalter zur Reformation, 
Halle 1893, Heft I, S. 36) hat die Meinung geäussert, dass 
Diethmar v. Meckebach, Notar Karls IV., der 1351 — 57 die 
Kanzlei der Königl. Landeshauptmannschaft zu Breslau leitete, 
diesen Einfluss vermittelt habe. Aber dem stehen gewichtige 
Bedenken entgegen. Zunächst sind deutsche Urkunden aus 



113 

Meckebachs Kanzlei überhaupt nicht vorhanden, wie ja auch 
das sogenannte Landbuch von Breslau, das von Diethmar ver- 
fasst ist, lateinisch ist. Nur die Namen von Dörfern und 
Städten sind deutsch. Sie kommen jedoch für eine Unter- 
suchung der Sprache im allgemeinen nicht in Betracht. Das 
Landbuch ist ediert im Jahresbericht der Schlesischen Gesell- 
schaft 1842, S. 47 ff. 

Allerdings ist im Breslauer Stadtarchiv Parit. II, 52, 53 
eine Übertragung einer lateinischen Urkunde aus dem Jahre 1357 
vorhanden, die dem Conrad von Falkenhayn, houptman zu 
Breslaw, zuzuweisen ist. Aber diese deutsche Übertragung, die 
obd. Gepräge hat, stammt der Schrift nach, aus weit späterer 
Zeit: aus dem 15. Jahrhdt. Sie kommt daher für unsern 
Zweck nicht in Betracht. 

Die Breslauer Urkunden des 14. Jahrhdts aber tragen ein 
wesentlich anderes Gepräge als die Böhmischen. Wie die Unter- 
suchung gezeigt hat, trägt A streng md. Charakter. 

Es fehlt noch die bayr.- österreichische Diphthongierung von 
1 > ei, ü > au, iu > eu; ferner wahrt A altes ei, während erst 
das 15. Jahrhdt., besonders in seinem Ausgange, obd. ai dafür 
einsetzt; schliesslich ist in A nur ou, nie au, das erst im 
15. Jahrhdt. erscheint, belegt. • 

A weist aber ferner alle spezifisch md. Erscheinungen auf: 
u für uo, e für se, i für ie (M. S. Denkm.^ Vorrede XXV). Das 
Gleiche gilt von B, soweit diese Gruppe noch nicht ins 15. Jahrhdt. 
hineinreicht. Die Diphthongierung erscheint in B zum ersten 
Male in folgenden Fällen: 1. mhd. i > ei: 1393 bey, seye — 
1396 seyn. — 2. mhd. ü > au (aw): 1393 herausse, aws- 
genomen ~ 1413 aws — 1417 lawte. — 3. mhd. iu > eu 
(ew): 1408 prewssisch — 1411 prewsisch, Prewssen — 1412 
geewssert, ewer. 

Zum Vergleiche mit dem Lautstande von A mag eine Über- 
sicht der charakteristischen Eigentümlichkeiten mehrerer obd. 
Urkunden folgen, die aus der Prager Kanzlei Karls IV. stammen. 
Sie umfassen die Jahre 1350—1377 und befinden sich in dem 
Breslauer Stadtarchiv unter den Signaturen: Fg, Fn, Hga, Fg, 
EE4, E9, EEöa, EEi, EE7, EE9, F4, EE12, Ei4, Visr. Ver- 

Arndt, Entwicklung der Breslauer Kanzleisprache. 8 



114 



öifentlicht sind sie in dem Breslauer Urkundenbuch von Korn. 
Breslau 1870. 

Ich handle zunächst von der bayrisch-österreichischen Di- 
phthongierung: i > ei, ü > au, iu > eu. 

1. i = mhd. 1. 

ziten 1350 — cziten 1372 — zeiten 1359, 1377 — czeiten 
1363, 1366, 1367 (2), 1370 (3), 1371, 1372, 1373 (2), 1374 (2) 

— zeit 1359 — czeit 1367. 

richs 1350, 1359, 1371 — kunigrichs 1370 (2) — konig- 
richs 1370 — reichs 1366, 1367 (2), 1370 (2), 1372 (2), 1373, 
1374, 1377 — reiches 1363 — kunigreichs 1374. 

riebe 1350, 1359 — kunigriche 1374 — reiche 1363, 1366, 
1367 (2), 1370 (2), 1371, 1372 (2), 1373, 1374, 1377. 

wise 1359 — weis 1363, 1366. 

sin 1350 (2) — siner 1377 — sein 1359 (3), 1363, 1366, 
1371, 1372, 1377 (2) — seiner 1363 — seyne 1359 - seynes 1359. 

wibes 1359 — weyp 1359, weip 1359. 

Swidnitcz 1363, Swidnicz 1373 (2) - Sweidnitcz 1363 — 
Sweidnicz 1366. 

Nur i-Formen sind belegt; wiset 1350, 1359 — bliben 1359 

— quyt 1367 (2), 1371 — quit 1370 - glich 1359. 

Nur ei-Formen sind belegt:- sey 1363 (4), 1366 (3), 1377 

— sei 1366 (2) — bey 1367 — bei 1359 — drei 1359 (2), 
1366, 1372 — drey 1366, 1367 (2), 1370, 1371, 1372 (2), 
1373, 1374 — dreisigsten 1363 — fleissige 1363, 1366 — 
freytage 1367 (2), freytag 1372 — freiheiten 1374 — frey- 
heiten 1374 — deinen 1373 — leichnams 1363 — Reichen- 
bach 1367. 

Der obd. Charakter ergiebt sich aus dieser Statistik ohne 
weiteres. Die wenigen i- Formen kommen gegen das bedeutende 
Übergewicht der ei-Formen nicht auf. 

2. u = mhd. ü. 

uf (uff) 1366, 1367 (2), 1370 (2), 1371, 1372 (3), 1374, 
1377 - auff 1363, 1366. 

uzgelegt 1367, ussgegeben 1367 — awß 1366. 

Nur u- Formen sind belegt: Budissin 1350 — gebruches 
1359 — gebruchen 1373. 



115 



Nur au ist belegt in tausent 1372 (2). 

Nach den Belegen zu urteilen, scheint au hinter u nach- 
zustehen. Indessen sind für beide Erscheinungen zu wenig Bei- 
spiele vorhanden, als dasä ein klares Bild über das gegen- 
seitige Verhältnis zu gewinnen wäre. 

3. u, ü = mhd. iu. 

getrwen 1350, getruwen 1359 (2), 1366 (2), 1371 — ge- 
trwen 1370 — getrewen 1367 (2), 1370, 1372 (2), 1374 (2), 
1377 (2) — getrewn 1372 -- getrewlich 1374 — trewen 
1373 (2), 1373. 

amptluten 1374 — mten 1350, liit 1350 - Ratlewten 1370. 

unfruntschaft 1359, vruntschaft 1359, vrunden 1359 — 
freuntlichen 1372. 

Nur eu (ew) ist belegt: neun 1359 — newn 1367, 1374 — 
newnden 1363 — newnczenden 1373 — geczeuge 1363 — euch 
1377 (2) — Newenmarkt 1367 (3), 1372 — Neunmarkt 1371. 

aw ist nur belegt in getrawin 1363 (2). 

Die Diphthongierung ist hier in so offenbarer Weise durch- 
geführt, dass der obd. Charakter augenscheinlich ist. 

Ich wende mich nun zu den Schreibungen der Diphthonge 
(altes) ei und ou, die gleichfalls für das obd. entscheidend sind. 

Altes ei wird ai geschrieben schon in 2 Fällen: ain 1367 

— ayn 1371. — Daneben ist belegt ai <^ age: Hayn 1366 (2) 

— Hainrich 1367. 

ou (ow) bezw. au (aw) ist belegt: 

vrouwe 1359, vrouwen 1359 ~ frawen 1373, 1374 (2). 

ouch 1359, 1367, 1370, 1371 — auch 1350 (3), 1363 (3), 

1366 (4), 1374. 

kouffen 1370, kouffmanschaft 1363 — kauffmanschafft 1366 

— kawfmanschafft 1373 — gekaufft 1370 - vorkauffen 1370. 

Breßlow 1363 — Bresslaw 1350 (2), 1359 (3), 1363, 

1367 (2), 1372 (4), 1374 (2) — Breslaw 1370 (4), 1377 — 
Breczlaw 1359, 1366 (2) — Breßlaw 1313 (2) — Brezlaw 1367 

— Brezslaw 1367 — Bretslaw 1371 (2). 

Nur ow ist belegt in Nampslow 1371. 
Nur au (aw): hauptman 1350 — hawptmanne 1377 — 
Sittaw 1374. 



116 



Die Schreibungen ai (ay) und au (aw) treten als obd. 
Charakteristika genügend hervor. 

Von md. Eigentümlichkeiten treten folgende auf: 

e = mhd. ae. 

Streng durchgeführt. 

Ebenso u = mhd. uo. 

i = mhd. ie. 

si (sy) 1350 (8), 1363 (2) — sie 1359 (3), 1366 (2), 1367 (4), 
1371 (3), 1372 (3), 1373, 1374, 1377. 

dy 1363 (5) — die 1350 (7), 1359 (2), 1357 (6), 1370, 

1371 (7), 1372 (5), 1373 (3), 1374 (3), 1377 (3). 

vir 1363, 1370, 1372 — vier 1367, 1374 — virden 1357 

— vierden 1350. 

briue 1363 — briues 1363 (2), 1373 — brife 1370 — 
brifes 1370 (2) — brieue 1367, 1372, 1374 — brieues 1370, 
1374 - briefe 1359, 1366, 1367, 1371, 1372 - briefes 1359, 
1367, 1372 (2) — briefs 1350, 1367, 1371, 1374 — brieffs 
1366 (2) — brief 1350 (2), 1359 — brieff 1366. 

(dinstage 1366, dinstag 1372 (2) — dienste 1374.) 
üben 1363 (2), 1373, lip 1363 — lieben 1350, 1359, 
1366 (2), 1367, 1370, 1371 (2), 1372 (4), 1374 (2), 1377 (2) 

— liep 1366. 

wy 1363 - wie 1350 (3), 1366. 

embiten 1373 — embieten 1370, 1377 — gebieten 1363, 
1366, 1373, 1377 (2) — vorbieten 1374. 

Nur i- Formen sind belegt von: krig 1359 — prister 1370 

— nymands 1370. 

Diese Statistik beweist, dass die nhd. Schreibung ie tiber- 
wiegt, wobei das Nebeneinhergehen der i- Formen die mono- 
phthongische Aussprache dieses Diphthonges darlegt. 

ie ist sogar vorgedrungen und steht für mhd. i. In A ist 
diese Erscheinung unbekannt. 

versiegelt 1359 — ingesiegel 1359 — diesem 1366^ 1367 (3), 

1372 (3) — diesen 1366 — diessis 1366 — dies 1366 — 
diese 1367. 

Zum Schluss verdient Erwähnung, das i = mhd. i durch- 
aus durchgeführt ist. md. e ist nie belegt. 



117 

Ans diesem Vergleiche des Lautstandes der Urkunden- 
gruppe aus der böhmischen Kanzlei, die ich Ai bezeichnen will, 
mit demjenigen von A ergiebt sich die Verschiedenheit des 
einen vom andern. A ist durchaus md. und ist noch weit vom 
nhd. Sprachgebrauch entfernt. Ai zeigt jene Verbindung von 
bayr.-öster. und md. Dialekteigenheiten, aus denen die nhd. 
Schriftsprache hervorgeht. 

Ein Einfluss der böhmischen Kanzlei auf die Breslauer ist 
also zur Zeit Diethmars von Meckebach und Karls IV., überhaupt 
nicht erkennbar. Die Breslauer Kanzleisprache nimmt erst lange 
nach Diethmars Amtszeit allmählich und im Zusammenhang mit 
der Entwickelung der Mundart jene Züge an, die für die nhd. 
Schriftsprache charakteristisch werden. 

B schliesst sich an A an, so zwar, dass stellenweise schon 
die Kette der md. Merkmale durchbrochen wird. Die Diphthon- 
gierung der alten Längen i, ü, iu beginnt, wird in C fortgesetzt 
und erlangt in D die Herrschaft. B und C, zum Teil auch D, 
können als Gruppen der Übergangsperiode angesehen werden, 
d. h. im 15. Jahrhdt. und Beginn des 16. Jahrhdts. geht die 
Entwickelung vom mhd. zum nhd., der Kampf um die Herrschaft 
vor sich, ein Kampf, der im 16. Jahrhdt, zu Gunsten des nhd. 
entschieden wird. 

Er lässt sich besonders klar verfolgen an der Entwickelung 
der Konsonanten-Verbindungen sl, sm, sn, sw. 

In B überwiegen die s- Formen bedeutend, nur zwei sch- 
Formen sind belegt. In C ist sogar nur eine seh- Form ver- 
treten. In D dagegen wird das, was in BC Ausnahme war, 
Regel. Von der Mitte des 16. Jahrhdts. ab herrscht seh in 
diesen Verbindungen. 

Dass die Diphthongierung zu ei, au, eu in D durch- 
gedrungen ist, braucht nicht weiterer Ausführung. 

Doch nicht nur die Entwickelung von md. zu obd. Lautformen 
führte den nhd. Sprachgebrauch herauf. In manchen Punkten basiert 
die nhd. Lautstufe auf md. Fundamenten. Hierher gehört md. 
für u, die Monophthongierung von ie zu i, von uo zu u, üe 
zu ü (e), und die Dehnung ie für kurz i. 



118 

Einen Gradmesser für den Stand der Entwickelung im 
16. Jahrhdt. haben wir in der Orthographie des F. Frangk. 
Vgl. S. 4. 

Tm allgemeinen deckt sich der Sprachgebrauch unserer 
Denkmäler des 16. Jahrhdts. mit den Regeln, die der Magister 
aufstellt. Einzelne Besonderheiten fallen nicht weiter schwer 
ins Gewicht, herrschte doch damals noch in so vieler Be- 
ziehung Willkür im Schreibgebrauche vor. Wie gross diese war 
und wie schwer es gewesen sein musste, bestimmten Normen 
zu folgen, erhellt daraus, dass F. Frangk oft selbst seinen 
eigenen Regeln zuwider handelt bezw. schreibt. 

Deklination und Konjugation zeigen entsprechende Er- 
scheinungen. Im Anfang unserer Periode herrscht Schwanken 
zwischen Altem und Neuem — im 16. Jahrhdt. aber ist der 
nhd. Sprachgebrauch vorherrschend. 

Im Wortschatz ist besonders zu beachten die Entwickelung 
von als und wie, die gleichfalls auf der nhd. Sprachstufe an- 
gelangt ist. Im übrigen verweise ich auf die einleitenden 
Bemerkungen zu den Wortschatzgruppen. 

Kurz, auf allen Gebieten des Sprachkomplexes ist um die 
Mitte des 16. Jahrhdts. die Entwickelung vom mhd. zum nhd., 
sei es auf obd,, sei es auf md. Grundlage, zum Abschluss ge- 
kommen. 



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